Tierschützer: „Kittenschwemme“ wird wegen Coronakrise zum Problem

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Tierschützer in Dorsten sorgen sich: Da Freigänger früher und häufiger trächtig werden, droht eine „Kittenschwemme“. Das Problem wird durch die Coronakrise verschärft. Es gibt Forderungen.

Dorsten

, 08.05.2020, 04:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eva Bleckmann kümmert sich derzeit liebevoll gleich um fünf Flaschenkinder: „Mini-Tiger“, die ohne ihre Mama groß werden müssen. „Die kleinen mutterlosen Wildkätzchen wurden auf einem Bauernhof gefunden, zu uns ins Tierheim gebracht und werden hier aufgepäppelt“, sagt die 28-Jährige.

Drei weitere Kätzchen mit Mutter haben sich hinzugesellt. Eva Bleckmann befürchtet, dass es noch deutlich mehr werden könnten. „Es droht eine echte Kitten-Schwemme“, so die Dorstenerin, die gerade ihr letztes Ausbildungsjahr als Tierpflegerin im Tierheim (Ellerbruchstraße 60) absolviert.

Mit steigenden Zahlen zu rechnen

Denn jetzt sei die Jahreszeit, in der viele Wildkatzen Junge werfen („man nennt sie nicht umsonst Maikätzchen“) und da das Wetter sehr mild gewesen sei, müsse man mit einem Anstieg der Zahlen rechnen.

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Und das dürfte das Tierheim-Team des Tierschutzvereins Dorsten wegen der Coronakrise vor erhebliche Probleme stellen. Denn der Personalstamm arbeitet nicht gleichzeitig, sondern in sich abwechselnden Teams, es herrscht ein Vermittlungsstopp und die Spenden für Futter etc. seien wegen des Besucher-Verbots zurückgegangen.

„Freigänger kastrieren lassen“

Wie man der Kittenschwemme begegnen könnte? „Indem die Katzenhalter ihre Freigänger kastrieren lassen“, fordert die Dorstener Tierschützerin Conny Sander. Die 58-jährige pädagogische Hilfskraft gründete vor einem Jahr ihr ehrenamtliches „Katzenstreuner-Projekt“ und engagiert sich seitdem in ihrer Freizeit für die Dorstener Streuner.

Immer wieder wird sie gerufen, um herrenlose Tiere mit einer Lebendfalle einzufangen. „Das Tierheim hilft, wenn es die räumliche und finanzielle Situation zulässt. Beides ist momentan nicht gegeben und außer mir gibt es in Dorsten keine Anlaufstelle“, betont sie.

„Aus der eigenen Tasche bezahlt“

Inzwischen kommt sie mit dem Fangen kaum hinterher. „Bezahlt wird das alles aus der eigenen Tasche oder über Spenden. Einen Zuschuss von kommunaler Seite gibt es nicht“, sagt sie. Die Stadt sei nicht verpflichtet, sich um herrenlose Katzen und deren Nachkommen zu kümmern.

Deswegen will Conny Sander ihre Fang- und Kastrationsarbeit zwar fortführen, aber nur eingeschränkt. „Ich habe auch gar nicht die entsprechenden Räumlichkeiten, trächtige Katzen aufzunehmen und zu versorgen.“

„Es macht mich wahnsinnig sauer, dass es keine Freigänger-Kastrationspflicht gibt“, so Sander. Sie bittet Dorstens Katzenbesitzer eindringlich darum, dies zu tun. Nur so könne der Ausbreitung der Streunerpopulation entgegengewirkt werden. „Ich sehe mich jedes Jahr früher und extremer mit der sogenannten Kittenschwemme konfrontiert“ so die Dorstenerin. „Schon im April war die Hälfte der mir gemeldeten Streuner pummelrund.“

Weitere Infos zu Spendenmöglichkeiten und so weiter gibt es unter: facebook.com/Streunerkatzen-Projekt-Dorsten oder per Direktmail an Conny Sander über streuner-dorsten@web.de . Das gleiche auch beim Tierschutzverein Dorsten und die Herrlichkeit Lembeck e.V. bei Facebook und auf der Homepage www.tierheim-dorsten.com
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