Tod und Mini-Lockdown: „Der letzte Weg lässt sich nicht aufhalten“

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Die Gastronomie ist geschlossen und für Trauergesellschaften stellt sich die Frage, wo man nach der Beisetzung einkehren kann. Ein Dorstener Bestatter erzählt, wie Familien handeln.

Dorsten

, 20.11.2020, 04:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der leichte Lockdown im November schränkt auch die Beerdigungen wieder ein. Nach der Beerdigung in ein Café einkehren, um über den Verstorbenen zu sprechen, Anekdoten auszutauschen und gemeinsam zu trauern – das ist im Lockdown nicht möglich. Die Gastronomie ist geschlossen und auch im privaten Bereich unterbinden die massiven Einschränkungen solche Trauerzusammenkünfte, sofern mehr als zwei Haushalte beteiligt sind.

Familien zögern Beisetzungen hinaus

Schon im Frühjahr wurde die Beisetzungsfrist der Totenasche landesweit großzügiger ausgelegt als üblich. Bestattermeister Marcus Geismann erklärt, dass in NRW ab dem Moment der Einäscherung sechs Wochen Zeit blieben, um die Urne beizusetzen.

Inzwischen habe er wieder Anfragen von Hinterbliebenen, die „das Äußerste, das geht“ an Zeit rausholen wollen, „in der Hoffnung, im Dezember doch wieder gemeinsam einen Kaffee trinken zu dürfen.“ Das Bestattungsinstitut kann auf Wunsch solch eine Fristverlängerung bei der zuständigen Ordnungsbehörde stellen. „In meiner Wahrnehmung ist es so, dass Familien nicht so gerne jemanden über den Jahreswechsel hinaus über Erden stehen lassen“, ergänzt Geismann seine Beobachtungen.

Bei der Stadt sind entsprechende Anträge bisher nicht eingegangen. Pressesprecher Ludger Böhne erklärt auf Anfrage, dass nach geltenden Fristen „für die Organisation einer Trauerfeier insgesamt rund acht Wochen Zeit“ bleiben. „Die aktuellen Beschränkungen durch die Corona-Schutzverordnung gelten hingegen erst seit zweieinhalb Wochen.“

Das sind die Regelungen

Aktuell ist es so, dass 25 Personen gemeinsam am Grab Abschied nehmen dürfen. Diese Regelung gilt für städtische Friedhöfe. Nach Paragraf 2 der Coronaschutzverordnung darf der Mindestabstand bei Beerdigungen bei nahen Angehörigen unterschritten werden. Auf den Friedhöfen gilt die Maskenpflicht, wenn der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann; nahe Angehörige sind von diesen Regelungen ausgenommen. In den Trauerhallen und dem Kolumbarium gilt die Maskenpflicht grundsätzlich und für alle anwesenden Personen. Während der Trauerfeiern soll auf eine ausreichende Belüftung geachtet werden.

Aufgrund der geringen Größe der Trauerhallen auf dem Marienfriedhof am Riedweg und in Altendorf-Ulfkotte können diese aktuell nicht genutzt werden. Für die anderen Trauerhallen ist - je nach Größe - eine maximale Anzahl an Trauergästen zugelassen.

Bestattermeister Marcus Geismann hilft Hinterbliebenen, sich trotz Corona-Einschränkungen würdevoll verabschieden zu können.

Bestattermeister Marcus Geismann hilft Hinterbliebenen, sich trotz Corona-Einschränkungen würdevoll verabschieden zu können. © Privat

In der Trauerhalle Schultenfeld sind 13 Personen, am Tüshausweg sechs, an der Glück-Auf-Straße neun, auf der Hardt zehn und im Kolumbarium seieben Leute zugelassen.

Für Marcus Geismann steht fest: „Der letzte Weg lässt sich nicht aufhalten.“ Selbst im März, als der Lockdown kam und alles runtergefahren wurde, fanden Begräbnisse – wenn auch im kleinen Rahmen – statt.

Für die Bestatter hat Corona die Arbeit verändert. Ihnen obliegt beispielsweise die Aufgabe, die Listen zur Kontaktnachverfolgung zu pflegen und aufzubewahren. Kondolenzdiener kümmern sich am Tag der Beisetzung darum. Außerdem weisen sie auf die Maskenpflicht und die Handdesinfektion hin.

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