Trockenheit zwingt Landwirte zur Kreativität - oder zu leeren Ställen

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Es ist ein Déjà-vu für die Landwirte. Bereits das dritte Jahr in Folge herrscht anhaltende Trockenheit. Das wird spätestens im Herbst schwere Folgen haben - insbesondere für Viehhalter.

Dorsten

, 02.06.2020, 09:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit Wochen gab es kaum Regen, das ist für die meisten Menschen eine schöne Sache - nicht aber für Landwirte. Den Weiden und Feldern fehlt Wasser, und zwar massiv.

„Die Sonnenanbeter wird es nicht freuen, das zu hören, aber so ein richtiger Landregen über drei bis vier Tage wäre jetzt absolut notwendig“, weiß Friedrich Steinmann, zweiter Vorsitzender Kreislandwirt des Kreises Recklinghausen.

Weniger Futter und schlechtere Qualität

Die Trockenheit werde zunehmend zur Bedrohung, insbesondere für den Futterbau. Bereits das dritte Jahr in Folge werde es durch die anhaltende Trockenheit weniger Futter geben und auch in der Qualität des Futters werde es Einbußen geben. Besonders für Rinderhalter sei das ein großes Problem.

Auf den Weiden wachse nichts und auch der Mais braucht Wasser. „Es ist noch Restfeuchte da, aber die reicht nicht“, weiß Friedrich Steinmann. „Das Wetter wird noch zum ernsthaften Problem für uns“, ergänzt er.

Aber nicht nur Mais und Wiesen brauchen Wasser

Auch das Getreide leidet unter der Trockenheit. Beispielsweise Weizen, Roggen und Triticale benötigen ebenso Regen. Zwar sei der Niederschlagsmangel nicht so problematisch wie beim Mais und in Weiden, aber für die Kornfülle wäre Wasser jetzt trotzdem notwendig. Friedrich Steinmann prognostiziert eine eher durchschnittliche Getreideernte. Im Frühjahr habe es für das Getreide noch ausreichend geregnet.

Bereits im April, staubte es bei der Saatbettbereitung in der Nähe eines Wohngebietes in Wulfen extrem wegen der Trockenheit.

Bereits im April staubte es bei der Saatbettbereitung in der Nähe eines Wohngebietes in Wulfen extrem wegen der Trockenheit. © Guido Bludau

Auch Landwirt Frank Krampe aus Rhade sieht den Wassermangel beim Getreide problematisch. „Das Getreide braucht dringend Wasser, gerade Wintergerste zeigt bereits erste Trockenheitsschäden“, sagt er. In der Wintergerste seien bereits erste weiße Flecken zu sehen, gerade auf den trockeneren Standorten. Die nächsten Getreidearten, die folgen werden, sind Triticale und Weizen. „Roggen ist da etwas resistenter“, so der Landwirt.

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Anders sehe das hingegen bei Sonderkulturen aus. „Dazu zählen beispielsweise Kartoffeln, Zwiebeln, Spinat und Obst. Diese werden in der Regel beregnet bei Wassermangel“, sagt Friedrich Steinmann. So auch bei Frank Krampes Nachbar: „Unser Nachbar fängt jetzt mit der Beregnung bei den Kartoffeln an.“

Was genau sind die Folgen von zu wenig Regen?

„Die Folgen sind ganz klar“, weiß Friedrich Steinmann. „Wenn zu wenig Gras auf der Weide wächst und der Mais nicht ausreichend Ertrag bringt, dann wird es zu wenig Grundfutter für die Tiere geben.“ Das bedeutet: „Im Herbst werden die Tierbestände abgestockt. Dann werden Ställe halb leer stehen über den Winter“, so Steinmann. Auch der Zukauf von Futter werde ab Herbst nicht möglich sein, weil alle kein Futter haben. Das treffe vor allem die Rinderhalter.

Frank Krampe sieht den nachgesäten Mais auf Flächen, auf denen vorher Gras stand, aufgrund der Trockenheit im Nachteil. Leere Ställe sieht er hingegen nur bedingt: „Leere Ställe sind für alle Landwirte die allerletzte Möglichkeit. „Bauern sind ja kreativ“, sagt er. Vorher werde nach Futteralternativen gesucht wie Biertreber, Zuckerrübenschnitzel oder auch Industriekartoffeln. Letztere werden bereits gefüttert, denn aufgrund der Coronakrise seien die Restaurants sie nicht losgeworden. Trotzdem sei Regen dringend notwendig.

Ein bisschen Regen reicht nicht

„Was wir brauchen ist Regen, den man auch nutzen kann“, sagt Friedrich Steinmann. Aber was heißt das? „Ein Schauer reicht nicht aus, das Wasser fließt sofort wieder ab“, ergänzt er.

Ein Tiefdruckgebiet würde hingegen schon weiterhelfen. Denn das Wasser würde dann auch im Untergrund ankommen, das dort erst für die Pflanzen verfügbar ist. „200 Milliliter bräuchten wir mindestens dafür“, so Steinmann.

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