Der Angeklagte neben Verteidiger Peter Stautenberg im Essener Landgericht © Jörn Hartwich
Landgericht Essen

Trotz „Warnschuss“ weitergemacht: Dealer muss in Haft

Zweimal durchsucht die Polizei eine Wohnung in Dorsten. Zweimal finden die Beamten Drogen. Jetzt ist der Dealer verurteilt worden.

Das Urteil war noch gar nicht gesprochen, da war der 30-Jährige schon am Boden zerstört. „Ich kann nicht mehr“, sagte der Dorstener den Richtern am Essener Landgericht und konnte die Tränen dabei nur mühsam zurückhalten. Die spätere Entscheidung muss ihn dann noch härter getroffen haben: viereinhalb Jahre Haft. Trotzdem gibt es Licht am Ende des Tunnels.

Es war im Dezember 2019, als bei der Polizei ein Hinweis auf Drogenhandel einging. Und tatsächlich: Die anschließende Durchsuchung der Wohnung des Angeklagten in Dorsten-Holsterhausen war ein Volltreffer. Die Beamten fanden Marihuana, Amphetamin, Ecstasy. Und außerdem einen als Taschenlampe getarnten Elektroschocker.

Erst von der Haft verschont

Ins Gefängnis musste der 30-Jährige damals allerdings nicht. Weil er sofort alles zugab und Hinweise auf Hintermänner gab, wurde er von der Haft verschont. Doch das in ihn gesetzte Vertrauen wurde nicht belohnt.

Der Angeklagte machte einfach weiter, als wäre nichts geschehen. Im August 2020 standen die Drogenfahnder schließlich wieder vor seiner Tür. Diesmal wurde neben Rauschgift auch noch ein Teleskopschlagstock, ein sogenannter Totschläger, sichergestellt.

Die Staatsanwaltschaft hatte für den Prozess am Essener Landgericht dann auch gleich zwei Anklagen verfasst. Beide lauteten auf Drogenhandel mit Waffen. Mindeststrafe im Regelfall: fünf Jahre Haft. Doch so hart ist es für den Dorstener am Ende nicht gekommen. Die Richter sahen genug Milderungsgründe, sodass sie von einem sogenannten minderschweren Fall ausgingen.

„Ich bin doch nur ein Kiffer“

Außerdem ließen sie dem 30-Jährigen eine Perspektive. Es wurde angeordnet, dass er vom Gefängnis direkt in eine geschlossene Therapieeinrichtung wechseln kann, um seine eigene Drogenabhängigkeit in den Griff zu bekommen. Sollte er die dafür veranschlagte Zeit von zwei Jahren durchstehen, könnte er schon früher wieder in Freiheit entlassen werden.

Für den Dorstener scheint das zurzeit aber offenbar nur ein milder Trost zu sein. „Ich bin doch nur ein Kiffer“, hatte er den Richtern zum Prozessauftakt gesagt. Irgendwann sei dann auch ein bisschen Amphetamin dazugekommen – nach einem Gewinn in der Spielhalle.

Totschläger in Nähe der Drogen

Er habe das Rauschgift aber nur verkauft, um seinen Eigenkonsum zu finanzieren. Und das auch nie in großen Mengen. Totschläger und Elektroschocker habe er zwar besessen, aber nie im Leben einsetzen wollen. „Ich habe noch nie einen Menschen geschlagen.“

Dass der Dorstener die „Waffen“ auch tatsächlich benutzen wollte, wurde im Urteil nicht festgestellt. Rein rechtlich spielte das aber keine Rolle. Es reiche aus, so die Richter, dass die „Waffen“ griffbereit in der Nähe der Drogen gelegen hätten.

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