Über 300 Schwellen kaputt: 1000 PS-Koloss stopft Bahngleise in Dorsten

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Mehr als 300 Holzschwellen waren auf einer Bahnstrecke in Dorsten so marode, dass sie mit schweren Maschinen saniert werden musste. Ein Unternehmen profitiert davon gleich doppelt.

Dorsten

, 22.04.2020, 15:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das 1000 PS-Ungetüm, das sich ganz langsam mit stampfenden Geräuschen auf den Gleisen neben dem Dorstener Segelflugplatz vorwärts bewegt, wirkt absolut ungelenk in seiner schieren Mächtigkeit.

Doch dank der digitalen Befehle, die die Mitarbeiter des Sub-Unternehmens Eiffage Rail dem Koloss ein paar hundert Meter entfernt per App auf den Weg geben, weiß die riesige Stopfmaschine zentimetergenau, was sie zu tun hat: Gleise anheben, richten, Schotter einplanieren. Fertig.

Schotterpflug im Einsatz

Den Rest macht der ebenfalls gelb lackierte Schotterpflug, der als „Hintermann“ das Schotterbett richtet und glatt zieht. Ebenfalls allein, ebenfalls ohne weitere menschliche Hilfe.

Martin Bugdoll nutzt mit seiner im Gewerbegebiet Dorsten-Ost ansässigen Eisenbahnbaufirma die Gleisanlagen der Dorstener Hafenbahn.

Martin Bugdoll nutzt mit seiner im Gewerbegebiet Dorsten-Ost ansässigen Eisenbahnbaufirma die Gleisanlagen der Dorstener Hafenbahn. © Michael Klein

Die schweren Maschinen auf dem Schienenstrang der Dorstener Hafenbahn haben bei den Spaziergängern und Fußgängern, die in den vergangenen Tagen entlang des Kanals, an der Schleuse und am Segelflugplatz als Schaulustige unterwegs waren, so für große Aufmerksamkeit gesorgt.

50.000 Euro-Auftrag

„Alle zwei Jahre werden hier turnusgemäß die verrotteten und kaputten Holzschwellen ausgetauscht“, erklärt Michael Bugdoll. Seine Gleisbaufirma hat von der Dorstener Wirtschaftsförderungsgesellschaft „Windor“ als Eigentümerin der Hafenbahn den 50.000-Euro-Auftrag erhalten, die maroden Balken, auf denen die Metallstränge liegen, zu sanieren.

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„Ansonsten besteht die Gefahr, dass sich die Schienen verziehen“, sagt Michael Bugdoll. „Im schlimmsten Fall könnten Loks und Anhänger entgleisen.“

Dass gerade der Dorstener Unternehmer bei der Ausschreibung den Vorzug erhalten hat, das zwei Kilometer lange Teilstück zwischen Ovelgünne und Schleusenstraße umzugestalten, liegt auf der Hand.

Denn sein Eisenbahnverkehrs- und Dienstleistungsunternehmen ist nicht nur vom Fach, sondern auch der einzige Betrieb, der diesen Schienen-Verkehrsweg nutzt. „Ich brauche die Hafenbahn“, sagt er.

Die Hafenbahn führt vom Gewerbegebiet Dorsten-Ost aus entlang des Kanals und des Segelflugplatzes bin zur Anschlussweiche an das DB-Schienennetz.

Die Hafenbahn führt vom Gewerbegebiet Dorsten-Ost aus entlang des Kanals und des Segelflugplatzes bin zur Anschlussweiche an das DB-Schienennetz. © Michael Klein

Und andersrum wird ein Schuh daraus: Die Hafenbahn und damit die Wirtschaftsförderung braucht auch ihn. Denn das Geschäft der Firma mit ihren derzeit 16 Mitarbeitern boomt.

Für Deutsche Bahn tätig

Michael Bugdoll hat sich auf Gleisbauarbeiten, auf die Reparatur und Instandhaltung, spezialisiert. Aber nicht nur das. Er übernimmt mit seinen drei Loks und deren Personal auch die Logistik, transportiert für die Deutsche Bahn das Material zu deren Baustellen. Und es werden immer mehr, denn der Bund investiert derzeit Milliarden an Euro in die Bahn-Infrastruktur.

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Und davon profitiert auch Michael Bugdoll. „Ostern hatten wir einen großen Auftrag in Billerbeck, am Samstag geht es Richtung Nürnberg.“ Gut also, dass die Baustelle vor der eigenen Firmentür jetzt dem Ende entgegen strebt.

800 Tonnen Schotter hat seine Firma hier seit Anfang des Jahres abgezogen, 330 Holzschwellen ausgetauscht. „Eigentlich hätten es noch mehr nötig gehabt, aber die sind dann beim nächsten Mal dran.“

Der Schotterpflug im Einsatz.

Der Schotterpflug im Einsatz © Michael Klein

Das Unternehmen ist darauf angewiesen, dass die Gleise fahrtüchtig bleiben. Nur von der Hafenbahn aus bekommen die Bugdoll-Loks und ihre „Nebenmaschinen“ Anschluss an das DB-Netz in Richtung Ruhrgebiet und Münsterland „Seit die Dorstener Bahnstrecken digitalisiert sind, dürfen wir sogar nachts raus“, sagt Bugdoll.

Achtung Radfahrer

Und je häufiger seine Loks auf der Hafenbahn unterwegs sind, umso vorsichtiger sollten die Fußgänger und Radfahrer sein. „Vor allem an den Übergängen der Schleusenstraße und an der Ovelgünne fahren Radfahrer oft ziemlich schell über die Gleise, ohne aufzupassen, ob ein Zug kommt“, so der Firmen-Chef.

Deswegen sein Rat: Dort immer schön langsam fahren. Nicht nur, wenn der Zugpfiff ertönt oder die Stopfmaschine stampft und rattert.

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