Was passiert, wenn Viehtransporter verunglücken und Schweine kein Schwein haben

hzUnfall auf der B58

Es passiert selten, aber wenn es passiert, ist das Tierleid sichtbar: Für die Tierschutzorganisation PETA war der Unfall mit dem Viehtransporter auf der B58 eine Riesensauerei.

Dorsten, Schermbeck

, 21.07.2019, 11:04 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der 3. November 2018 ist für die Tierschutzorganisation PETA ein bemerkenswerter Tag gewesen. Wegen eines Unfalls in Dorsten im Bereich des Freudenbergs wurden die Tierschützer in Stuttgart hellhörig. „Wir haben Strafanzeige wegen Verdachts auf Verstoß gegen das Tierschutzgesetz und gegen die Tierschutztransportverordnung bei der Staatsanwaltschaft Essen gestellt“, teilt der Leiter der Wissenschafts- und Rechtsabteilung der Organisation PETA, Dr. Edmund Haferbeck, auf unsere Anfrage mit.

Am 3. November 2018 lief die Routine-Fahrt aus dem Ruder. Als der Tiertransporter aus Coesfeld auf der Freudenbergstraße in Holsterhausen in die Borkener Straße einbog, kippte der Anhänger mit den 90 Schweinen an Bord um. Sieben Tiere verendeten sofort, vier mussten wenig später wegen ihrer schweren Verletzungen von Veterinären getötet werden. Die überlebenden Schweine wurden verladen und zum Zielort gebracht: dem Schlachthof.

PETA: Für die Tiere sind die Transporte qualvoll

Für Tiere seien die Transporte stets mit zahlreichen Risiken und Qualen verbunden, so PETA. Sie litten unter Hunger und Durst, seien erdrückender Enge und Temperaturschwankungen ausgesetzt. „Das Verletzungsrisiko in den vollbelegten Transportern ist enorm. Immer wieder kommt es zu tödlichen Unfällen“, so PETA. Die Tierschutzorganisation fordert deshalb ein „ausnahmsloses Verbot“ von Tiertransporten.

Um die Forderungen zu unterstreichen, stellt PETA regelmäßig Strafanzeige bei den Staatsanwaltschaften gegen die Verantwortlichen, wenn Transporter verunglücken: „Das passiert deutschlandweit monatlich bis zu fünfmal“, sagt Haferbeck. Nach der Havarie in Dorsten habe es zahlreiche weitere Unfälle deutschlandweit gegeben.

Verfahren gegen den Fahrer eingestellt

Der Fahrer in Dorsten kam laut Auskunft von PETA glimpflich davon: Die Staatsanwaltschaft Essen stellte das Verfahren gegen ihn nach Paragraf 170 der Strafprozessordnung ein und verwies wegen der begangenen „Ordnungswidrigkeit“ an die Veterinärbehörden des Kreises Recklinghausen. Die solle ein Bußgeld verhängen lassen.

Für PETA ist ein verunglückter Tiertransporter keine Ordnungswidrigkeit, sondern eine Fahrlässigkeit, „auch wenn wir von bedingtem Vorsatz ausgehen“, wie Edmund Haferbeck erklärt. „Überladung und Lenkzeitüberschreitungen, hohe Geschwindigkeiten und auch das Inkaufnehmen bestimmter Defekte am Fahrzeug“ seien fahrlässige Handlungen, so Haferbeck. Trotzdem „entledigen sich die Justizbehörden der Fälle einfach so“, behauptet der PETA-Jurist Haferbeck.

Der Kreis Recklinghausen als Veterinärbehörde bewertet den Zwischenfall sachlich. „Auf solche Fälle sind wir prinzipiell vorbereitet. In der Leitstelle gibt es einen Veterinärkoffer. Der enthält die komplette Ausstattung für den Notfall mit verletzten Tieren“, sagt Kreissprecherin Lena Heimers auf unsere Nachfrage. Unfälle mit Tiertransportern seien selten, die Tötung schwer verletzter Tiere an Ort und Stelle sei eine Frage des Tierschutzwohls.

„Hochsoziale, empfindsame Tiere“

Laut Veterinärmedizinischem Institut der Universität Wien sind Schweine besondere Wesen, wie das Magazin „W wie Wissen“ der ARD berichtet hat: „Schweine sind so ziemlich das Gegenteil von dem, was wir ihnen oft zuschreiben. Nicht dumm, sondern äußerst intelligent. Nicht dreckig, sondern überaus reinlich. Nicht aggressiv, sondern hochsozial und empfindsam. Höchste Zeit, über unseren Umgang mit diesen außergewöhnlichen Kreaturen nachzudenken.“

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