Ungewöhnlich viele Landschildkröten ausgebüxt

Am vergangenen Wochenende

"Ich bin entsetzt, dass es so eine Masse ist", sagt Bärbel Klobusch von der Schildkrötenauffangstation Dorsten. Am vergangenen Wochenende wurden gleich sechs Landschildkröten im Zuständigkeitsgebiet der Auffangstation gefunden. In Lembeck hat eine Dorstenerin ein Tier aufgelesen - mitten auf der Wulfener Straße am Schloss Lembeck.

DORSTEN/LEMBECK

, 12.05.2016, 16:56 Uhr / Lesedauer: 2 min

"Sie wäre mit Sicherheit überfahren worden, wenn die Frau sie nicht mitgenommen hätte", sagt Bärbel Klobusch. Das Tier sei offenbar entlaufen, denn in der freien Wildbahn kommen Landschildkröten in Deutschland nicht vor. Viele Besitzer setzen ihre Schildkröte gerade jetzt, wo es wärmer wird, in den Garten. "Sie denken: So schnell kann sie ja nicht weg. Aber das ist falsch", sagt Klobusch.

Auch wenn ein Gitter benutzt werde, können die Tiere abhauen, so die Expertin. "Einen Maschendrahtzaun zum Beispiel können sie überwinden - bis zu einem Meter hoch. Außerdem können sie sehr gut graben. Zum Schlafen graben sie sich zum Beispiel bis zu 80 Zentimeter tief ein." Dass die Schildkröten ausgesetzt wurden, glaubt sie nicht. "Wer sie loswerden will, stellt uns einen Karton vor die Tür. Das kommt leider auch sehr häufig vor."

Wasserschildkröten werden öfter ausgesetzt

Auch in Haltern, Herne, Ahrweiler und Schermbeck wurden am Wochenende Landschildkröten gefunden. Das sei sehr ungewöhnlich, so Klobusch. Wasserschildkröten hingegen würden im Frühling häufig gefunden. "Die werden ausgesetzt", ist sie sich sicher. Die europäischen Sumpfschildkröten kommen in Deutschland zwar auch in der freien Wildbahn vor, jedoch nicht hier in Nordrhein-Westfalen. "Die Menschen wollen diese Tiere loswerden und setzen sie an einen Teich oder See und denken, das ist schon in Ordnung", so Klobusch. Doch wenn die Tiere dann geschlechtsreif sind oder Nahrung suchen, bewegen sie sich von dem Gewässer weg. Deswegen werden im Frühling viele von ihnen gefunden und zur Auffangstation gebracht.

Warum jetzt so viele griechische Landschildkröten auftauchen, ist der Expertin schleierhaft. Nicht nur in Dorsten und Umgebung ist das zu beobachten. Sie erzählt, dass sie am Wochenende fünf Telefonanrufe bekommen habe, bei denen es um gefundene Landschildkröten außerhalb des Zuständigkeitsbereichs der Auffangstation Dorsten gegangen sei.

Besitzer haben sich bis jetzt nicht gemeldet

Ebenfalls nicht erklären kann sie sich, warum die Besitzer der Lembecker Schildkröte, die die Finderin Heidrun genannt hat, sich nicht melden. "Wenn ich meinen Liebling vermisse, dann wende ich mich doch an alle Stellen. Jeder würde die suchenden Besitzer zu uns schicken", ist sich Bärbel Klobusch sicher. Auch über die sozialen Netzwerke suchen die Mitglieder des Vereins, der die Auffangstation betreibt, nach den Besitzern der Fundtiere - bisher ohne Erfolg.

Bei allen gefundenen Tieren handelt es sich um griechische Landschildkröten, die unter Artenschutz stehen und beim Kreis angemeldet werden müssen. Theoretisch könnte also einfach geschaut werden, wer in Lembeck eine solche Schildkröte angemeldet hat. "Doch viele denken, das mache der Händler, bei dem sie das Tier gekauft haben. Das ist aber nicht so", so Klobusch.

Informationen zur richtigen Haltung

Die Expertin sieht, dass die gefundenen Tiere nicht artgerecht gehalten werden. "Der Panzer ist verformt", sagt sie. Dennoch wünscht sie sich, dass sich die Besitzer melden. "Den Haltern mache ich keinen Vorwurf. Sie wissen es oft nicht besser", meint sie. Deswegen würde sie den Besitzern erklären, wie man die Tiere richtig hält. Als Fundtiere gehören die Schildkröten der Stadt, in der sie gefunden wurden. Wenn sich die Besitzer nach sechs Monaten nicht gemeldet haben, kann die Station die Tiere weiter vermitteln.

Die Besitzer können sich in der Station am Nikolausweg 2, Tel. , melden. Mehr dazu im .

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