Untersuchungsbericht über Stute Bahila lässt viele Fragen offen

hzTierquälerei?

Der Tod der Stute Bahila bleibt mysteriös. Der Untersuchungsbericht lässt wichtige Fragen unbeantwortet. Pferdefreunde bestärkt das in ihrer Skepsis. Sogar von „Vertuschung“ ist die Rede.

Dorsten

, 09.10.2020, 18:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein kleines Hintertürchen hatten sich die Fachleute des Veterinäruntersuchungsamtes offengelassen. Dass Bahila, die Stute von Familie Büning, vor zwei Wochen durch Gewalteinwirkung gestorben ist, sei „nahezu“ ausgeschlossen. Die Spurensuche in den Münsteraner Laboren hat aber offenbar Lücken.

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So bestätigte das Kreisveterinäramt Recklinghausen als Auftraggeber der Obduktion auf Anfrage der Redaktion, dass die Veterinäre nicht in Erwägung gezogen haben, dass das Pferd vor dem Tod vielleicht narkotisiert oder vergiftet worden ist. „Im Bericht finden sich keine Informationen zu einer chemischen Blutanalyse.“

Herkunft der Wunden unklar

Die Fachleute in Münster haben nach Angaben der Polizei keine Hinweise gefunden, dass dem Pferd gezielt Verletzungen zugefügt wurden. Die Herkunft der auffälligen, nahezu kreisrunden Wunden am rechten Ohr und im Genitalbereich von Bahila, die auf vielen Bildern dokumentiert sind und im Internet verbreitet wurden, blieb unberücksichtigt. „Die Veterinäre haben das Tier nicht im frisch verletzten Zustand gesehen“, heißt es dazu vonseiten des Kreisveterinäramtes lediglich.

Dokumentiert ist auf Detailfotos der Veterinäre offenbar, dass sich andere Tiere an dem toten Pferd zu schaffen gemacht haben. Allerdings: Zwei Tage lag die tote Stute unter einer Plane auf der Weide an der Borkener Straße, bevor sie nach Münster gebracht wurde. Ob die Bissspuren erst in dieser Zeit entstanden sind, ist für das Kreisveterinäramt „reine Spekulation“.

„Das war kein natürlicher Tod“

Die ungewöhnliche Rückenlage inmitten eines Zaunes, in der Peter Büning sein Pferd am 26. September fand, ist für Anja Bohm ein Indiz, dass es „auf keinen Fall ein natürlicher Tod war. Tote Pferde liegen fast immer auf der Seite.“ Für den Obduktionsbericht spielte das laut Kreisveterinäramt aber keine Rolle. Dass die Stute erst Tage später obduziert wurde, sieht die Pferdebesitzerin aus Pinneberg bei Hamburg ebenfalls kritisch: „Zahlreiche Sedativa, Narkotika und Tötungsmittel sind nur 48 Stunden nachweisbar.“

Verein Equitrans

Anja Bohm ist Sprecherin des Vereins „Equitrans". Die Pferdebesitzerin glaubt, dass es zahlreiche Indizien gibt, die für einen gewaltsamen Tod der Stute Bahila sprechen. © privat

Anja Bohm ist Sprecherin des Vereins „Equitrans“, einem Verbund von Betroffenen und Ehrenamtlichen, der Informationen zu aktuell verschwundenen oder toten Pferden sammelt und auf seiner Facebook-Seite veröffentlicht. „Wir überprüfen alle Meldungen und geben nur das weiter, was auch bei der Polizei aktenkundig geworden ist“, sagt Anja Bohm.

„Aus den Bildern geht selbst für Laien deutlich hervor, dass Schnitte zu sehen sind.“
Anja Bohm

Sie und andere Fachleute haben die Original-Fotos der toten Bahila studiert, die kurz nach dem Fund gemacht wurden. Zudem wurden die Fotos „von einem Spezialisten ausgewertet“, sodass sichergestellt sei, dass Manipulationen ausgeschlossen seien. „Aus den Bildern geht selbst für Laien deutlich hervor, dass Schnitte zu sehen sind. Allerspätestens am Ohr ist die Version, dass es sich um Aasfraß handelt, hinfällig“, meint Anja Bohm. „Kein Aasfresser vergreift sich an einem Stück Knorpel, wenn wesentlich attraktivere Leckerbissen herumliegen.“

Parallelen zu anderen Fällen

Den Fall in Dorsten vergleicht sie mit ähnlichen Vorkommnissen unter anderem in Frankreich und den Niederlanden. „Die Täter gehen gezielt auf die Genitalien los. Sie werden komplett heraus- bzw. abgeschnitten. Sehr häufig fehlt auch das rechte Ohr.“ Die Ermittlungen der Polizei bezeichnen Pferdefreunde bundesweit in verschiedenen Foren als „Vertuschung“. Vielleicht werde aber auch heimlich weiter gefahndet, wird spekuliert, und die Öffentlichkeit „bewusst im Unklaren“ gelassen.

Es gilt derzeit als wahrscheinlich, dass die Ermittlungen demnächst offiziell eingestellt werden. Das muss die Staatsanwaltschaft in Essen entscheiden. Für Peter Büning und seine Frau wäre das „ein Hohn“. Die Bilder ihrer „herzensguten Stute“, wie sie tot und verstümmelt auf der Weide liegt, bekommen sie nicht mehr aus dem Kopf.

Totes Pferd in Dorsten

Peter Büning fand Bahila am 26. September tot auf der Weide an der Borkener Straße. Zwei Tage lag das Pferd unter einer Plane, bevor es zum Veterinäruntersuchungsamt nach Münster gebracht wurde. © Guido Bludau (A)

Peter Büning überlegt, mit anwaltlicher Hilfe den Obduktionsbericht anzufordern. An einen natürlichen Tod seines geliebten Pferdes hat er nie geglaubt. Zwei speziell ausgebildete Suchhunde (Pettrailer), die er über private Kontakte ausfindig machte, haben „unabhängig voneinander auf dem nahen Deich eine Spur aufgenommen“, sagte er am Freitag.

Die Polizei, die zunächst ebenfalls von einer „grausamen Tierquälerei“ ausgegangen war, hatte am 26. September oder in den Tagen danach keine Spurensuche veranlasst.

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