Kritik an den neu geplanten Bus-Anschlusszeiten am Bahnhof in Dorsten

hzNahverkehr

Der Zug zwischen Dorsten und Essen fährt bald zu anderen Zeiten. Deshalb werden Bus-Fahrpläne umgestellt. Das Konzept stößt nicht auf Gegenliebe - vor allem zwei Buslinien sind Sorgenkinder.

Dorsten

, 27.06.2019 / Lesedauer: 4 min

Weil der RE 14 zwischen Dorsten und Essen ab Dezember im Halbstunden-Takt auf den Gleisen unterwegs ist und der RB 44 („Der Oberhausener“) dafür entfällt, haben die Nahverkehrsunternehmen „Vestische“ und „BVR“ ein neues Fahrplan-Abstimmungskonzept für alle ihre Bus-Linien entwickelt, die am Dorstener ZOB (Europaplatz) und damit am Bahnhof ankommen beziehungsweise abfahren. Doch das Ergebnis, das die Planer vorlegten, stimmte die Dorstener Politiker in Teilen sehr unzufrieden.

„Linie 278 passt nicht“

Vor allem der neue Fahrplan der innerstädtischen Linie 278 (Holsterhausen-ZOB-Östrich) sorgte für Kritik. „Das passt überhaupt nicht mehr“, ärgerte sich Werner Kuhlmann (CDU) am Mittwoch in der ÖPNV-Ratskommission. Er bemängelte die geplante schlechte Anbindung der Linie an den Bus 276 und die langen Wartezeiten für die Fahrgäste, die am ZOB mit dem Bus weiter nach Buer wollen: „Die müssen 28 Minuten warten.“

„Alles hängt voneinander ab“

Eigentlich, so Kuhlmann, müsste die 278 ein paar Minuten früher losfahren. „Wenn wir da an Stellschrauben drehen, hätte das zu vielen Auswirkungen auf weitere Linien“, sagte Stefan Höpel, Verkehrsplaner der Vestischen. „Das hängt ja alles eng voneinander ab.“

Jetzt lesen

Auch sein Kollege Ralf Simer betonte: „Ändern werden wir das jetzt nicht mehr.“ Er stellte allerdings in Aussicht, dass ein externes Planungsbüro das Linien-Konstrukt demnächst genauer unter die Lupe nehmen werde, um Verbesserungsmöglichkeiten herauszuarbeiten. Darin könne durchaus auch die Linie 278 Thema werden.

„Umstieg schafft keiner“

In dem Gutachten geht es aber neben der SB 26 vor allem um die Buslinie SB 25 (Dorsten - Recklinghausen). Heribert Springmann (SPD) äußerte in der ÖPNV-Sitzung deutlichen Unmut darüber, dass die Fahrgäste des Schnellbusses zu den Minuten 26 und 56 am ZOB in Dorsten ankommen, die Züge nach Essen am Dorstener Bahnhof aber bereits zu den Minuten 26 und 57 abfahren. „Den Umstieg schafft zeitlich keiner“, so Springmann.

Wege werden länger

Die neuen Busfahrpläne sehen eine deutliche Entzerrung der Taktung am ZOB vor, teilweise ändern sich die Fahrpläne um bis zu 15 Minuten. Eine Neuplanung war nicht nur wegen des Umstiegs vom Bus auf das neue Zug-Angebot (und umgekehrt) nötig, sondern auch deshalb, weil durch den Umbau der Bahnsteige am Bahnhof die Wege länger werden: Zug-Fahrgäste, die am Bahnsteig 1 ankommen oder abfahren, müssen seitdem einen Umweg über Treppen an der Gelsenkirchener Straße nehmen, um durch die Unterführung den ZOB zu erreichen.

Kritik an den neu geplanten Bus-Anschlusszeiten am Bahnhof in Dorsten

Die Fahrgäste sollen einen besseren zeitlichen Übergang zwischen ZOB und Bahnhof bekommen. © Michael Klein

Auch das Unternehmen Bahnverkehr Rheinland (BVR) wird seine Linien deshalb zum Teil neu aufstellen, damit der Umstieg der Fahrgäste auf den neuen Halbstundentakt der Bahnlinie RE 14 vernünftig funktioniert. Die Buslinie SB 18 (Dorsten-Schermbeck) und SB 28 (Dorsten-Buer) kommen künftig zu den Minuten 18 und 48 am ZOB an, fahren zu den Minuten 20 und 50 wieder ab.

„Busse sind dann alle weg“

Der BVR-Bus der Linie 188 (Dorsten - Gladbeck-Oberhof - Essen) ändert seine Zeiten (Ankunft: Minute 51, Abfahrt: Minute 06) nicht. Das führte in der Sitzung zu Bedenken von Christian Haake (Grüne): „Wenn der Bus am ZOB eintrifft, sind die Busse Richtung Hervest und Holsterhausen künftig bereits alle weg.“ Michael Perschke (BVR-Verkehrsplaner) verteidigte die Pläne: Wegen der langen Linienführung durch zwei weitere Städte sei eine frühere Ankunft nicht möglich, und die Umlauf-Wartezeit von 15 Minuten benötige man weiterhin.

Keine Änderung beim Westfalenbus

Keinerlei Änderungen wird es auf der BVR-Linie 299 (Dorsten-Gahlen-Schermbeck) geben, die vornehmlich dem Schülertransport dient, und bei der Westfalenbus-Linie 295 (ZOB Dorsten nach Borken). Letztere kommt zwar zur ungünstigen Minute 56 am ZOB an, unterwegs hält der Bus aber an den Bahnhöfen Deuten und Rhade, sodass die Fahrgäste dort in den RE 44 „Der Borkener“ einsteigen können.

Ins Grundsätzliche gehen

Christoph Möllers, Verkehrsplaner der Stadt Dorsten, bezeichnete das neue Fahrplankonzept diplomatisch als „im Moment zufriedenstellend“, hofft aber darauf, dass die Vestische ihr „Gesamtsystem noch einmal überdenkt und ins Grundsätzliche geht“.

Christina Gehrke, die bei der Stadtverwaltung vor allem für den ÖPNV zuständig ist, bat die Vestische, in dem Zusammenhang die Rechnung aufzumachen: Man solle die zusätzlichen Kosten beziffern, wenn man die Taktung richtig macht und diese den möglichen Fahrgast- und Einnahmeverlusten gegenüberstellen, wenn man das Angebot nicht richtig macht.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt