Urlaubs-Tipps am Tresen: Reisebüro zieht in diese ehemalige Kult-Kneipe in Dorsten

hzKneipen-Legende

Michael Vospohl zieht mit seinem Hervester Reisebüro um - in eine ehemalige Kneipenlegende in Dorsten. Ein Ort, an den der Geschäftsmann auch eigene Erinnerungen hat.

Dorsten

, 22.10.2019, 13:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Neue Decke, neue Böden, neue Wände. „War eine Menge Arbeit, aber mit viel Herzblut“, betont Michael Vospohl. Beim Umbau seines neuen Reisebüros an der Straße „Im Harsewinkel 26“ atmete der Dorstener Kaufmann nämlich nicht nur eine Menge Staub ein, sondern auch eine Menge „Lokal-Geschichte“. Denn das neue Hervester Domizil der Reiseagentur Vospohl, das am 25. Oktober (Freitag) eröffnet wird, war früher eine der ganz großen Kneipenlegenden in Dorsten - eine, die der 51-Jährige noch selbst miterlebt hat.

„Ein cooler Laden“

„Es ist für mich etwas ganz Besonderes, mein Reisebüro in der ehemaligen Haifischbar zu eröffnen“, sagt Vospohl. Viele Dorstener zwischen Anfang 30 und Ende 50 hatten hier so manchen feuchtfröhlichen Abend verlebt: Zwischen 1994 und 2004 war die Kneipe im Eckhaus Im Harsewinkel/Glück-Auf-Straße Szene-Treffpunkt und Kulturzentrum gleichermaßen. Die „Haifischbar“ von Pächter Dirk Grasemann war damals nicht nur bei Jugendlichen in, „sondern auch für Ältere ein cooler Laden“, erinnert sich Michael Vospohl. „Vor allem an den Donnerstagen war hier der Teufel los, die Leute standen bis draußen Schlange.“

Urlaubs-Tipps am Tresen: Reisebüro zieht in diese ehemalige Kult-Kneipe in Dorsten

Michael Vospohl fand beim Umbau diese Eintrittskarte einer Haifischbar-Party. © Privat

Vospohl, der zwei Jahre nach Eröffnung der Kneipe einen Steinwurf weit entfernt sein erstes Reisebüro eröffnete, war kein regelmäßiger Stammgast in der „Fischbar“, wie sie auch genannt wurde, „aber wichtig für einen gewissen Lebensabschnitt war sie schon“. Er erinnert sich gerne an Konzerte, die er dort gesehen hat, mit Sängerin Linda Traber, mit Madrugada und Ronny Drescher.

Theke ist geblieben

Wo es ihnen sinnvoll und praktikabel erschien, haben er und sein Vermieter Dirk Renner sogar einige Erbstücke erhalten: Zum Beispiel den Podest rechts vom Eingang, der als Bühne fungierte, sogar die Original-Theke mit Zapf-Vorrichtungen ließen sie stehen. „Hier kann ich künftig die Teilnehmer von Gruppenreisen und Verkaufsveranstaltungen bewirten“, freut er sich. „Der Thekenboden knarzt noch wie früher, als ich bei einer Silvesterfeier in der Haifischbar mal eine Stunde lang das Bier für die Gäste gezapft habe.“

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So sieht die ehemalige Gaststätte nach dem Umbau zum Reisebüro aus. © Privat

Den langen Absatz links vom Eingang, dort, wo die Gäste wie auf einer Vogelstange saßen, haben die neuen Mieter allerdings herausgerissen. „Der war mit Sand gefüllt, wahrscheinlich wegen der Akustik“, vermutet Michael Vospohl. Hier entdeckte er noch Fundstücke aus alten Haifischbar-Zeiten: Eine Schachtel Zigaretten, 19 Stück für fünf Mark, und eine Eintrittskarte für eine „Dumping-Party“ unter dem Motto „Kopfschmerzen zu Tiefstpreisen“, die an einem 29. Dezember in der „Haifischbar“ stattgefunden hatte: „In welchem Jahr steht leider nicht drauf.“

Höhlenmalerei

Beim Einreißen einer Wand kam sogar eine Art „Höhlenmalerei“ zum Vorschein. „Vermutlich aus den 1930er-Jahren, als das Haus gebaut wurde“, sagt Vospohl. Schon damals beherbergte es eine Kneipe, „Westfalen-Hof“ hieß sie, den Namen reaktivierte die Eigentümer-Familie Renner in den 1970er-Jahren. Die Gaststätte hielt sich ebenso wenig lange, wie die Haifischbar-Nachfolger namens „Vega“, „Passmanns“ oder „Tapas“.

Baustellen-Blog

Denn „Kult“ wurde nur die Haifischbar mit seinem großen Namensgeber über dem Eingangsportal - und auch heute noch hat sie in Dorsten einen sagenumwobenen Ruf. Auf dem Baustellen-Blog, mit dem Michael Vospohl unter dem Titel „Vossy goes Haifischbar“ im Internet die Baufortschritte dokumentiert, ist er von vielen Kunden und Bekannten angesprochen worden - auch von denen, die die Kneipenlegende nur noch vom Hörensagen kennen.

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