Urteil geändert: Kein Gefängnis nach Vergewaltigung

hzLandgericht Essen

Ein Mann aus Dorsten vergewaltigt seine heimliche Geliebte. Eigentlich sollte er dafür ins Gefängnis. Doch dann kam alles ganz anders.

Dorsten/ Essen

, 29.09.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nach einer brutalen Vergewaltigung muss ein Mann aus Dorsten-Hervest nun doch nicht ins Gefängnis. In einem zweiten Prozess hat das Essener Landgericht am Montag ein früheres Urteil korrigiert und zwei Jahre Haft auf Bewährung verhängt.

Der 41-Jährige nahm die Entscheidung der Richter mit Erleichterung auf. Zuvor hatte er sich noch einmal direkt an seine ehemalige Geliebte gewandt, mit der er 2018 eine heimliche Affäre hatte. Er selbst war verheiratet, wollte seine Ehe nicht aufs Spiel setzen. „Ich weiß nicht, wie das passiert ist“, sagte er der 37-Jährigen. „Ich wollte das nicht.“

Über vier Promille

Es war die Nacht auf den 4. November 2018, als er wieder einmal in der Wohnung des späteren Opfers aufgetaucht ist. Als es Streit gibt, schlägt er zu. Mit der Faust. Direkt ins Gesicht. Die Unterlippe der Frau platzt auf. Es fließt Blut.

Um sich anschließend wieder zu versöhnen wird getrunken. Vor allem der Angeklagte kann offenbar nicht genug bekommen. Er kippt flaschenweise Wein in sich hinein, dann Wodka. Am nächsten Morgen hat er über vier Promille Alkohol im Blut.

Trotzdem war er noch in der Lage, die längst eingeschlafene Frau aufzuwecken und über sie herzufallen.

Gefängnisstrafe im ersten Prozess

In einem ersten Prozess war er zu drei Jahren Gefängnis verurteilt worden. Allerdings nicht wegen Vergewaltigung, sondern wegen absichtlichen Vollrausches. Aufgrund seiner extremen Alkoholisierung war nicht auszuschließen, dass er sich möglicherweise gar nicht mehr steuern konnte.

Dieses Urteil hatte der Bundesgerichtshof in Karlsruhe später aufgehoben. Bei der Festlegung der Strafe hatten sich rechtliche Fehler eingeschlichen. Der Fall musste in Teilen noch einmal neu verhandelt werden.

„Er schämt sich zutiefst“

Für den 41-Jährigen war das die Chance, die er genutzt hat. Er hat inzwischen 8000 Euro Schmerzensgeld gezahlt, den Kontakt zu seiner Ex-Geliebten abgebrochen, sich mit seiner Ehefrau versöhnt. „Er schämt sich zutiefst für das, was passiert ist“, so sein Verteidiger Burkhard Benecken. „Er ist jetzt wieder auf dem richtigen Weg.“ Genauso sahen es am Ende auch die Richter.

„Keine Lust mehr zu leben“

Die 37-jährige Frau hat das Schlimmste inzwischen hinter sich. Sie brauche auch keine Schlafmittel mehr, um nachts überhaupt einschlafen zu können, sagte sie den Richtern. Nach der Tat sei das noch anders gewesen. „Da wollte ich mit niemandem reden, hatte keine Lust mehr zu leben.“

Damit, dass der Angeklagte nun nicht ins Gefängnis muss, kann sie inzwischen offenbar leben. Wichtig sei ihr nur, dass er sie in Ruhe lasse. „Aber ich glaube, das hat er verstanden."

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