Vater angegriffen: Sohn muss in die Psychiatrie

hzLandgericht Essen

Ein Mann sticht beim Frühstück auf seinen Vater ein. Jetzt muss er in die geschlossene Psychiatrie – wogegen er sich vor Gericht bis zuletzt gewehrt hat.

Dorsten, Essen

, 14.05.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Vor diesem Mann haben inzwischen alle Angst. Nach einem Messerangriff auf seinen Vater ist ein 34-jähriger Dorstener am Donnerstag auf unbestimmte Zeit in die geschlossene Psychiatrie eingewiesen worden.

Zuletzt hatte der Angeklagte sogar die Klinik, in der er sich zurzeit befindet, in Alarmbereitschaft versetzt. Nachdem er sich mit Messern bewaffnet in einem Raum verbarrikadiert hatte, musste ein Spezialeinsatzkommando der Polizei anrücken, um ihn zu überwältigen. Wie es heißt, wurde der 34-Jährige dabei durch ein Guckloch mit Elektroschocker-Pfeilen beschossen und so außer Gefecht gesetzt.

Verfolgungs- und Vergiftungswahn

Unberechenbar und gefährlich: So hatte auch eine vom Gericht beauftragte Psychiaterin den Angeklagten am Donnerstag eingestuft. Sie sprach von Schizophrenie, Verfolgungs- und Vergiftungswahn, verstärkt durch Alkohol- und Drogenkonsum.

Alle bisherigen Behandlungsversuche seien fehlgeschlagen, weil der Dorstener immer wieder seine Medikamente absetze. Die seien jedoch absolut erforderlich.

Genau das sieht der Angeklagte anders. Von Wahnvorstellungen will er nichts wissen. Alles sei Realität, dafür habe er Beweise.

Anzeige wegen Mordes erstattet

Fakt ist: Der 34-Jährige hatte immer wieder Anzeigen erstattet – sogar wegen Mordes. Polizei und Staatsanwaltschaft hatten daraufhin natürlich auch ermittelt.

Allerdings gab es weder eine Vermisstenanzeige, geschweige denn eine Leiche. Ähnlich verlief es bei anderen Anzeigen und Beschuldigungen. Trotzdem: Auch vor Gericht blieb der Dorstener bei seinen Geschichten.

„Ich kann alles beweisen“, sagte er den Richtern am Donnerstag. Er habe Zeugen. Doch die wolle man ja nicht hören.

Angriff war angeblich ein Unfall

Auch den Messerangriff auf seinen Vater am Morgen des 3. November 2019 hatte er vor Gericht nicht zugeben wollen. Er sprach stattdessen von einem Unfall. Er sei damals zum Frühstück bei seinen Eltern eingeladen gewesen, die im selben Haus wohnten. In der Küche sei es sehr eng gewesen, da müsse der Vater gestolpert und irgendwie ins Messer gefallen sein. Schwer war die Verletzung zum Glück nicht.

Die Mutter, die daneben gestanden hatte, hatte später von einem „irren Blick“ ihres Sohnes gesprochen.

„Hoffen, dass die Therapie anschlägt“

Eine klassische Bestrafung für die Tat kam im Prozess nicht infrage.

Laut Gutachten hatte sich der Dorstener aufgrund seiner schweren Erkrankung nicht mehr steuern können.

Verteidiger Hans Reinhardt: „Wir können nur hoffen, dass die Therapie schnell anschlägt und ihm dadurch geholfen wird.“

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