Frau im "Toten Winkel"

Verfahren nach Todesfahrt eingestellt

Es war ein tragischer Unfall, der im August 2014 an der Ecke Gahlener Straße/Clemens-August-Straße passierte: Ein LKW-Fahrer erfasste beim Abbiegen eine Radfahrerin, die Frau wird von dem Sattelzug mitgeschleift, stirbt mitten auf der Straße an ihren schweren Verletzungen. Am Mittwoch wurde der Fall vor Gericht verhandelt. Zum zweiten Mal.

DORSTEN

, 15.07.2015 / Lesedauer: 2 min

Das Verfahren gegen den Unfallfahrer wegen fahrlässiger Tötung war bereits im Vorfeld von der Staatsanwaltschaft Essen eingestellt worden, erfuhr am Mittwoch aber auf Betreiben des Ehemanns der Getöteten eine Neuauflage in öffentlicher Verhandlung vor dem Dorstener Schöffengericht.

Auch dort waren sich alle Beteiligten einig: Den 66-jährigen Dorstener Fuhrunternehmer, der den Zusammenstoß mit der Frau nach eigenen Angaben überhaupt nicht bemerkt hatte, trifft allenfalls eine sehr geringe Schuld an dem traurigen Geschehen.

"Toter Winkel"

Für den Gutachter, der den Unfall rekonstruiert hatte, war klar: Die Radfahrerin, die mit 20 bis 25 km/h unterwegs gewesen sein muss, befand sich beim Abbiegen im „toten Winkel“ aller drei Außenspiegel des Sattelzugs. „Der Fahrer hätte die Frau zuvor überhaupt nur maximal eine Sekunde lang sehen können“, erklärte der Sachverständige.

Zum anderen sei das Unfallopfer seitlich in den zum Unfallzeitpunkt nur 20 km/h schnellen Lastwagen hineingefahren. „Sie hätte längst erkennen können, dass der LKW im Abbiegevorgang war“, so der Gutachter. Heißt: Hätte sie rechtzeitig aufgepasst, wäre der Unfall nicht passiert.

Unvermeidbar

Aber, und das war der juristische Knackpunkt der gestrigen Verhandlung: Hätte der LKW-Fahrer die Tragödie verhindern können, wenn er in Schrittgeschwindigkeit (maximal 10 km/h) von der Gahlener Straße in die Clemens-August-Straße abgebogen wäre? „Bei dieser Konstellation hätte er es auch dann nicht vermeiden können“, erklärte der Sachverständige.

Keine Augenzeugen

Direkte Augenzeugen des Zusammenstoßes gab es nicht. Nur drei Autofahrer, die damals vor der roten Ampel an der Clemens-August-Straße warteten und lediglich mitbekamen, dass der mit Kies beladene Lastwagen die Frau mitschleifte. Eine Autofahrerin sagte aus, sie hatte das Gefühl, der Fuhrunternehmer habe den Unfall nicht mitbekommen.

Und auch ein Polizeibeamter, der nach einem Hinweis den nur wenige Hundert Meter vom Unfallort entfernt gelegenen Firmenhof aufsuchte, hatte den Eindruck: Der Mann war „glaubhaft erschüttert“, als er ihm mitteilte, dass er Stunden zuvor mit seinem LKW eine Radfahrerin überrollt und tödlich verletzt hatte.