Vermieter pflügte aus Ärger Garten vor der Mietwohnung um - die Mieter sind fix und fertig

hzHässlicher Nachbarschaftsstreit

Drei Jahre herrschte Streit zwischen Mietern und ihrem Vermieter in Dorsten. Aus Ärger pflügte der Vermieter den von seinen Mietern liebevoll gehegten Garten um. Eine Kriegserklärung.

Dorsten

, 12.10.2019, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Dorstener Rentnerehepaar ist fix und fertig. 16 Jahre lang hatte es eine Mietwohnung in ruhiger Wohnlage auf einer alten Hofstätte am Rande der Hardt. Vor drei Jahren gab es einen Eigentümerwechsel. Seitdem herrschte Krieg. Das belegen zahlreiche Gerichtsbeschlüsse nach zivilrechtlichen Prozessen. Am Donnerstag dann noch ein Nachspiel vor einer Strafrichterin am Dorstener Amtsgericht.

Der Vermieter musste sich schwerwiegenden Vorwürfen der Anklage stellen: Hausfriedensbruch, Sachbeschädigung, Beleidigung, Nötigung und Prozessbetrug wurden ihm zur Last gelegt. Viel blieb davon am Ende nicht übrig. Verurteilt wurde er lediglich wegen Nötigung, die er selbst eingeräumt hatte. Ansonsten: Freispruch und eine Geldstrafe von 40 Tagessätzen a 30 Euro.

Mit dünner Beweislage lässt sich kein Urteil rechtfertigen

Die Beweislage war dünn. Zu dünn, um ihn wegen aller Tatvorwürfe zu verurteilen. Die Richterin erklärte den Prozessbeteiligten das: „Ich habe keine Handhabe, der einen Partei mehr Glauben zu schenken als der anderen. Hier steht Aussage gegen Aussage. Ich weiß auch nicht, wer den Mammutanteil am Streit hatte. Das ist Sache der Zivilgerichte“, sagte sie. Sie sei nicht an Beschlüsse der Zivilgerichte gebunden. „Ich kann als Richterin nicht davon ausgehen, das irgendwas mit dem Voreigentümer besprochen worden ist.“ Dieser wichtige Zeuge konnte nicht geladen werden, weil er wohl dauerhaft nicht vernehmungsfähig ist.

Die Eheleute zeigten sich sehr enttäuscht, dass ihnen die ersehnte Gerechtigkeit nicht zuteilwird. „Wir können nicht mehr, das war alles sehr belastend.“

Als der Vermieter mit dem Bagger im Garten anrückte

Die schlimmen Details der Streitigkeiten: Im Frühjahr 2017 rückte der Vermieter nach zahlreichen hässlichen und fruchtlosen, mündlichen wie schriftlichen Wortwechseln, mit seinen Mietern mit schwerem Arbeitsgerät vor seinem Wohnhaus an und erteilte ihnen eine Lektion.

„Er ist mit einem Bagger vorgefahren und hat Findlinge vor unserer Garageneinfahrt abgeladen, damit wir nicht mehr reinfahren konnten“, sagen die Mieter.

Vermieter pflügte aus Ärger Garten vor der Mietwohnung um - die Mieter sind fix und fertig

So sah der Garten der Eheleute vor dem Bagger-Angriff aus. © Foto privat

Und dann habe er noch den Garten umgepflügt. Ein von den Mietern liebevoll gehegtes und gepflegtes Fleckchen Erde, dessen Nutzung der Voreigentümer wohl uneingeschränkt zugestanden hatte. Das aber war nirgendwo schriftlich vermerkt worden. Und auch deshalb gab es Streit.

Zitternd am Fenster zugeschaut

„Wir haben frühmorgens zitternd am Fenster gestanden und nur noch zuschauen können, wie er mit dem Bagger das komplette Gartengrundstück umgegraben hat. Der Rasen ist zerstört, alles steht krumm und schief“, sagen die Mieter. Der Garten sei seitdem nicht mehr brauchbar: „Der Bagger hat einen Meter tiefe Furchen hinterlassen“, sagt der Mieter. Ein Beweisfoto hatte er dabei.

Vermieter pflügte aus Ärger Garten vor der Mietwohnung um - die Mieter sind fix und fertig

Eine Kraterlandschaft im Garten. © Foto privat

Der Vermieter räumte ein, sauer auf seine Mieter gewesen zu sein. Widerrechtlich hätten sie Garage und Garten genutzt. Sie hätten ihn im Gegenzug mit ihren Anzeigen bei Behörden und Polizei zermürbt. „Die wollten mir das Leben schwermachen.“ So habe er sich dann revanchiert. Die Mieter wiesen das zurück und beriefen sich auf mündliche Absprachen mit dem Voreigentümer. Außerdem hätten sie Überweisungsbelege, die die gemieteten Anteile belegen würden. Das alles aber spielte strafrechtlich keine Rolle, wie die Richterin deutlich machte.

Mittlerweile wollen beide Parteien nach langjährigem Krieg nur noch ihren Frieden haben: Das Grundstück sei veräußert, ein neuer Eigentümer habe seine Nachfolge angetreten, er selbst sei weggezogen, sagte der Vermieter vor Gericht.

„Verurteilen, für das, was feststeht“

Die Mieter ihrerseits beteuerten, noch nie mit anderen Menschen in Streit geraten zu sein. „Das ist das erste Mal gewesen“, sagte die Frau. Nun habe man auch noch die Eigenbedarfskündigung vom neuen Vermieter bekommen. „Wir haben aber ein neues Zuhause in Berlin gefunden.“ Ihr „Unrechtsgefühl“ nehmen die Eheleute mit in die Hauptstadt, das konnte ihnen die Richterin nicht nehmen: „Ich kann jemanden nur für das verurteilen, was feststeht.“

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