Verzicht auf Cent-Münzen - auch in Dorsten möglich?

Umfrage

In Kleve runden seit Anfang Februar viele Händler an der Kasse auf und ab. Wenn die Wurst 3,98 Euro kostet, sind 4 Euro fällig. Stehen 4,12 Euro auf dem Bon, wird auf 4,10 Euro abgerundet. Wir haben bei Dorstener Banken, Händlern und Handelsvertretern nachgehört, ob dies in Dorsten auch denkbar wäre.

DORSTEN

, 11.02.2016, 14:04 Uhr / Lesedauer: 2 min
Weniger Ein- und Zwei-Cent-Stücke würden viele begrüßen.

Weniger Ein- und Zwei-Cent-Stücke würden viele begrüßen.

Das sagt die Dorstener Volksbank

„Bei Kleingeld bekommt das Wort Reisezahlungsmittel eine ganz neue Bedeutung“, sagt Manfred Hürland, Marketingleiter der Volksbank Dorsten, schmunzelnd. „Das Kleingeld, das die Kunden bei uns in den Automaten schütten, wird vom Westfälischen Wachschutz abgeholt. Dann wird es geprüft, zum Beispiel auf Beschädigungen untersucht, und in Papier gerollt. Anschließend wird es zu unserem Konto bei der EZB in Recklinghausen gefahren. Und wenn wir Kleingeld benötigen, wird das Geld von dort an uns wieder ausgeliefert. Es hat also schon eine Reise hinter sich, bis wir es den Kunden geben.“

15.000 Rollen Kleingeld beziehe die Volksbank Dorsten im Monat. „Das gesamte Kleingeld sind Millionenbeträge im Jahr.“ Das Kleingeldgeschäft ist also umfangreich und kostet die Volksbank Geld. Wie viel genau, kann Hürland nicht sagen. Fest steht aber: „Diese Kosten können wir nicht ganz auf die Kunden umlegen. Das würde auf Unverständnis stoßen.“ 

Eine Reduzierung der Ein- und Zwei-Cent-Stücke würde für die Volksbank Dorsten eine immense Kostenersparnis bedeuten, sagt Manfred Hürland. „Aber es geht ja nicht immer nur ums Sparen. Wir sind unseren Mitgliedern und Kunden verpflichtet, ihnen Kleingeld auszuzahlen, wenn sie es wünschen.“

Das sagt die Sparkasse Vest Recklinghausen

„Wir beobachten eine tendenzielle Abschaffung von Bargeld“, erklärte Dirk van Buer, Sprecher der Sparkasse Vest. Eine Entwicklung, die aus seiner Sicht bei den heutzutage anfallenden Mengen an Münzen durchaus im Sinne der Sparkassen ist.

In Zahlen: Die Sparkasse Vest nimmt nach den Worten ihres Sprechers im Jahr rund 400 Tonnen Münzgeld auf. Das sind 1,6 Tonnen pro Arbeitstag, wie er vorrechnete. Oder das Gewicht von 270 neuen VW Golf.

Das sagt die Bäckerei Kleinespel und Imping

„Wir hätten nichts dagegen, wenn an der Kasse auf- und abgerundet wird. Dazu müssten die Kassen zwar erst mit einer neuen Software versehen werden, aber das dürfte ja kein Problem sein“, sagt Senior-Chef Hermann-Josef Imping.

Um weniger Ein- und Zwei-Cent-Stücke in der Kasse zu haben, hat die Bäckerei schon selbst erste Maßnahmen ergriffen: Sie verzichtet bei Backwaren - außer bei Angeboten - auf krumme Preise und setzt stattdessen auf 5-Cent-Schritte.

Das sagt der Handelsverband Ruhr-Lippe

Die Diskussion um diese Geldstücke sei letztlich entstanden, weil der Materialwert der Münzen höher als der Nennwert ist und der Handel zudem bei der Geldver- und Entsorgung durch die Banken mit spürbaren Kosten belegt werde, erklärt Hauptgeschäftsführerin Susanne Brämer.

„Alle Umfragen unter Verbrauchern zeigen aber immer wieder, dass gerade in Deutschland eine hohe Affinität zum Bargeld besteht und Kleinbeträge nicht mit der Karte bezahlt werden. Kartenzahlungen für Kleinbeträge sind zudem im Handel nicht zuletzt aufgrund der anfallenden Gebühren nicht beliebt.“

Auf freiwillige Basis sei das Klever Modell sicherlich auch auf Dorsten oder den Kreis Recklinghausen übertragbar, ohne dass die Eckpreislagen verloren gingen, da ja lediglich der Endbetrag des Gesamtbons bei Barzahlung und nicht jeder einzelne Preis gerundet werde.

Das sagen Dorstener Geschäftsleute

„Rein (volks-)wirtschaftlich betrachtet scheint es nur Gründe für eine Abschaffung zu geben: hohe Kosten in der Bargeldabwicklung und Produktion der Münzen, keine Artikel verfügbar in der Preislage 1 oder 2 Cent, unsere Mitarbeiter müssen schwere Tüten mit Kleingeld tragen und Cent-Stücke zu rollen, macht sehr viel Arbeit“, sagt Einzelhändler Ralf Honsel.

„An sich gibt es nur einen sinnvollen Grund, der aber für mich auch der entscheidende ist: Scheinbar möchten viele unserer Kunden das nicht. Man hört zwar nur emotionale Argumente („Wer den Pfennig nicht ehrt, …), aber etwas, was meine Kunden nicht mögen, werden wir nicht einführen, solange es die Alternative gibt.“

DIA-Vorsitzender Thomas Hein sagt: „Ich persönlich fänd‘ eine Abschaffung der Ein- und Zwei-Cent-Münzen gut, denn das Portemonnaie wäre nicht mehr so voll. Ich runde auch, wo es geht, immer für einen guten Zweck auf.“

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