Warum Dorstener Verbraucher beim Gas draufzahlen

hzVergleichsstudie

Dorsten gehört zu den teuersten deutschen Städten bei der Gasversorgung, meldet eine Studie. Grundversorger Innogy rechtfertigt sich. Wir zeigen, wie Verbraucher sparen können.

Dorsten

, 16.09.2019, 04:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wer in Dorsten mit Gas heizt, zahlt dafür deutlich drauf - sowohl im bundesweiten Vergleich als auch im Verhältnis zu mancher Nachbarstadt. Dies geht aus einer aktuellen Erhebung des Vergleichsportals Verivox hervor.

Verglichen wurden dabei die Durchschnittspreise und Grundversorgungs-Tarife für Strom und Gas in den 200 größten Städten Deutschlands – mit extremen Unterschieden. 2789 Euro zahlt eine Musterfamilie durchschnittlich in der teuersten Stadt Bamberg, wenn sie 4000 Kilowattstunden Strom und 20.000 Kilowattstunden Gas verbraucht. Für die gleiche Menge werden in Lingen nur 2110 Euro fällig. Im Bundesdurchschnitt zahlt die Musterfamilie 2417 Euro für Strom und Gas.

Dorstener zahlen 16 Prozent drauf

Mit 2635 Euro müssen die Dorstener deutlich tiefer in die Tasche greifen. Dies liegt vor allem am durchschnittlichen Gaspreis, bei dem Dorsten zu den zehn teuersten unter den 200 untersuchten Städten zählt. Fast 200 Euro und 16 Prozent beträgt der Aufschlag gegenüber dem Bundesschnitt. Für die Ermittlung der Durchschnittspreise hat Verivox die Grundversorgungstarife und die der 30 größten überregionalen Versorger mengengewichtet berücksichtigt. Auch beim Strom zahlen die Dorstener drauf, hier sind es 2,1 Prozent mehr als im Bundesschnitt.

Auffällig: Selbst innerhalb der Region gibt es extreme Unterschiede. So liegt Herten beim durchschnittlichen Gaspreis mit 1117 Euro um 10 Prozent unter dem Bundesschnitt, Dorsten mit 1434 Euro um 16 Prozent darüber. Im Grundversorgungs-Tarif zahlen Dorstener für 20.000 Kilowattstunden fast 300 Euro mehr als die Verbraucher aus Herten. Auch in Wesel fallen die Durchschnittskosten für die gleiche Menge um fast 300 Euro niedriger aus.

400 Euro Einsparung gegenüber der Grundversorgung

Warum also müssen Dorstener deutlich mehr zahlen als Stromkunden aus Nachbarstädten? Dies liege vor allem an hohen Netzentgelten, erklärt Mario Leikop, Pressesprecher des Grundversorgers Innogy. Diese werden Innogy von der eigenen Tochtergesellschaft Westnetz in Rechnung gestellt, die das Netz betreibt.

Mit den Stadtwerken Herten sei Innogy nicht zu vergleichen, weil die Firma ein großes Gebiet mit nur wenigen großen Städten versorge. „Wir sind ein Flächenversorger“, so Leikop. Entsprechend verteile sich ein großes Netz auf relativ wenige Nutzer.

Und schließlich sei die Differenz auch deshalb so groß ausgefallen, weil die 20.000 Kilowattstunden in der Studie „sehr großzügig“ angesetzt seien. „Wir rechnen eher mit 15.000 Kilowattstunden“, so Leikop. Aber auch mit diesem Wert bleibt die Grundversorgung um knapp 150 Euro im Jahr teurer als in Herten und Wesel.

Ruth Pettenpohl von der Verbraucherzentrale Dorsten hält 18.000 Kilowattstunden für realistischer. „Denn wir haben hier viele Eigenheime.“ Mit einem Anbieterwechsel lassen sich da gegenüber der Grundversorgung rund 400 Euro einsparen.

„Wesentliche Anzahl“ ist betroffen

„Aus der Grundversorgung zu wechseln, macht immer Sinn“, so Pettenpohl.

Wie viele Dorstener das betrifft, will Innogy-Sprecher Leikop nicht verraten - aus Wettbewerbsgründen. Es sei aber eine „wesentliche Anzahl“. Und das, obwohl der Wechsel jederzeit möglich ist, denn für Grundversorgungs-Kunden beträgt die Kündigungsfrist nur 14 Tage.

Auch für Sondervertragskunden, also alle, die schon einmal aus der Grundversorgung heraus gewechselt sind, lohne sich die regelmäßige Überprüfung des eigenen Tarifs, meint Ruth Pettenpohl. „Besonders wenn eine Preiserhöhung kommt.“ Denn dann besteht ein Sonderkündigungsrecht. Manches Unternehmen habe sich da allerdings schon quergestellt.

Verbraucherzentrale warnt vor Fallen

Insgesamt habe die Wechselbereitschaft sogar nachgelassen, so die Beraterin. Angesichts steigender Preise erwarte sie aber künftig wieder mehr Tarifwechsler. Denen rät sie, sich nicht zu lange zu binden. „Man sollte nicht länger als ein Jahr abschließen und auf eine kurze Kündigungszeit danach achten.“ Einmal im Jahr solle man dann auch den eigenen Tarif überprüfen.

Und sich nicht von Wechsel-Boni oder Paketpreisen täuschen lassen. „Die muss man kontrollieren“, so Pettenpohl. Denn oft sei die Auszahlung an zusätzliche Bedingungen geknüpft. „Da hatten wir schon öfter Probleme mit.“ Wer unsicher sei, könne sich aber bei der Verbraucherzentrale beraten lassen.

  • Die Verbraucherzentrale Dorsten bietet dienstagnachmittags von 15 bis 17 Uhr eine kostenlose Beratung zum Wechsel von Strom- und Gasanbietern. Eine Anmeldung unter Tel. (02362) 7875201 ist erforderlich.
  • Zusätzlich ist auch eine Rechtsberatung und -vertretung durch die Verbraucherzentrale möglich. Die einfache Rechtsberatung kostet 9 Euro.
  • Einen Heizungs-Check im Eigenheim bietet die Verbraucherzentrale für 30 Euro an. Ein Termin mit einem Energieberater zur Beratung kostet 60 Euro.
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