Supermarkträuber: Gericht schickt Dorstener in den Maßregelvollzug

hzWegen Wiederholungsgefahr

Seit dem elften Lebensjahr drogenabhängig und kriminell: Erstmals hat ein 32-jähriger Dorstener eine Chance bekommen, sein Leben zu ändern. Das ging bislang mehr als jämmerlich schief.

Dorsten

, 29.05.2020, 18:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Schulversager. Kokain-, Heroin-, Cannabis- und Schlafmittelkonsument seit dem 11. Lebensjahr. 15-fach vorbestrafter Krimineller. Viel Gutes über sein Leben konnte ein 32-jähriger Dorstener bei seiner Gerichtsverhandlung vor dem Essener Landgericht nicht in die Waagschale werfen. Das verlief bislang überwiegend im Drogenrausch. Unter Drogen beging der Mann aus Dorsten wiederholt Straftaten. Sie waren der Motor für seine Beschaffungskriminalität. Seit seinem Supermarktüberfall auf Netto an der Marler Straße am 3. Dezember 2019 sitzt der Dorstener in Haft.

Immerhin: Mit einem Geständnis in seinem Prozess wegen schwerer räuberischer Erpressung und der Absicht, sein Leben zu ändern, hat der Dorstener vielleicht einen Weg gefunden, Drogen und Kriminalität hinter sich zu lassen. Das Urteil des Landgerichts Essen am Freitag könnte ihm dabei behilflich sein.

Wegen eines bewaffneten Überfalls auf den Netto-Supermarkt und eines versuchten Überfalls auf Edeka Weierstahl auf der Hardt verurteilte ihn das Gericht unter Vorsitz von Dr. Karin Maiberg zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von vier Jahren und sechs Monaten. Außerdem ordnete die Kammer auf Empfehlung eines Forensischen Psychologen Maßregelvollzug an. Weitere sechs Raubüberfälle in Dorsten bestritt er. Die konnten ihm auch nicht nachgewiesen werden.

Eine Chance, den Absprung zu schaffen?

Für den 32-jährigen Dorstener heißt das: Er muss wegen seiner schweren Drogenabhängigkeit eine mindestens zweijährige Entzugstherapie in einer geschlossenen Einrichtung absolvieren: „Begreifen Sie das als Chance, den Absprung zu kriegen“, sagte Richterin Maiberg zu ihm.

Maßregelvollzug ist laut Erklärung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe nicht Strafvollzug und ist nicht Sicherungsverwahrung. „Maßregelvollzug leistet die fachgerechte Behandlung und sichere Unterbringung von Straftätern, die aufgrund ihrer psychischen oder Suchterkrankung das Unrecht ihrer Straftat nicht einsehen können“, heißt es in einer Erklärung des LWL.

Therapie hilft beim Finden neuer Wege

Der Forensische Psychologe im Gerichtssaal machte klar, dass diese Form des Strafvollzugs für den Dorstener die einzige Möglichkeit sei, neue Lebenswege einzuschlagen. Mit Schulabschluss, gewünschter Maler- und Lackiererausbildung und ohne Drogenkonsum. „Eine ambulante Therapie, so wie von ihm vorgeschlagen, wird nicht reichen, seine langjährige Abhängigkeit von Suchtmitteln zu kurieren“, sagte der Experte. Es gebe aber Hoffnung, ihn in einer stationären Therapie motivieren zu können.

Staatsanwaltschaft und Gericht sahen das auch so. Und auch der Verteidiger des Angeklagten begrüßte eine Lösung, die seinem Mandanten „die Integration in ein bürgerliches Leben ermöglicht“.

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