Wer hinter den Autokärtchen steckt und was Verkäufer beachten sollten

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Autohändler verteilen auch in Dorsten ihre Visitenkarten. Erlaubt ist das ohne Genehmigung nicht. Was unseriös anmutet, kann ein faires Geschäft sein, wenn ein paar Regeln beachtet werden.

Dorsten

, 06.09.2019, 04:45 Uhr / Lesedauer: 3 min

Mein Audi ist ein in Würde gealterter Kilometerfresser. Im nächsten Jahr wird „Diesela“, wie ich meinen ersten Diesel genannt habe, 20 Jahre alt. Vor dem runden Geburtstag steht allerdings der Tag der Wahrheit an: Diesela muss zum TÜV.

Angesichts ihres Alters und einer hohen Laufleistung stellt sich die Frage: Lohnen sich die Kosten für Hauptuntersuchung und etwaige Reparaturen überhaupt oder ist es sinnvoller, den Wagen schnell zu Geld zu machen?

Äußerlich ist Diesela gut in Schuss. Deshalb klemmen Autohändler ihr wahrscheinlich auch regelmäßig Visitenkarten ans Fenster. Auf dem Park-and-Ride-Parkplatz am Media Markt sind da in den letzten Wochen so einige Kärtchen zusammen gekommen.

Verteilen ohne Genehmigung ist verboten

Erlaubt ist das Verteilen dieser Autokärtchen nicht. Nach Ansicht des Oberlandesgerichts Düsseldorf (OLG) stellt „das Befestigen von Karten mit Werbeaufdrucken eines Gebrauchtwagenhandels an parkenden Fahrzeugen auf einem öffentlichen Parkplatz zu Gewerbezwecken eine genehmigungspflichtige Sondernutzung dar“.

Die OLG-Richter bestätigten damit eine Entscheidung des Amtsgerichts Moers. Dort hatte sich ein Autohändler beschwert, weil die Stadt ihn für das Verteilen der Kärtchen auf einem Parkplatz hinter dem Rathaus ein Bußgeld in Höhe von 200 Euro auferlegt hatte.

In Dorsten gab es bislang keine Beschwerden

Wer in Dorsten auf öffentlichen Parkflächen einen Tag lang Kärtchen verteilen möchte, muss dafür eine Gebühr von 28 Euro zahlen. Großartig verfolgt und belangt werden Verstöße bislang nicht.

„Bei Autokärtchen ist uns kein Problem bekannt“, sagt Stadtsprecher Ludger Böhne. „Sie werden nicht übermäßig verteilt, verschandeln das Stadtbild nicht und es gibt auch keine Beschwerden.“ Im Bußgeldbereich gelte das Opportunitätsprinzip: Das Ordnungsamt kann Verstöße verfolgen, muss es aber nicht.

Zurück zu den Kärtchen vom Park-and-Ride-Parkplatz: „Wir haben Interesse an ihrem Fahrzeug“, steht auf einer. Auf einer anderen entschuldigt sich der Händler vorab, „dass ich ohne Ihre Erlaubnis mein Angebot an ihrem Auto angebracht habe“. Aber falls man jetzt oder später verkaufen möchte, soll man doch bitte die angegebene Handynummer wählen, erreichbar rund um die Uhr.

Die Testanrufe verlaufen immer nach demselben Muster. Schnell wird klar, dass Kärtchen-Handel offenbar eine Branche mit Migrationshintergrund ist. In aller Kürze fragt der Händler die Eckdaten ab:

„Was für ein Modell?“

„Audi A3

„Baujahr?“

„2000“

„3- oder 5-Türer?“

„5-Türer“

„Wie viel gelaufen?“

„230.000 Kilometer“

„Benziner oder Diesel?“

„Diesel“

„Wo steht der Wagen?“

„Dorsten“

„Was wollen Sie dafür haben?“

„Vierstellig sollte es schon noch sein, also um die 1000 Euro.“

Bei dieser Preisvorstellung scheint das Interesse eines Kärtchen-Händlers geweckt. „Ich schicke jemanden vorbei, der sich den Wagen anguckt“, sagt er. Der nächste Händler winkt bei einer Preisvorstellung von diesmal 1800 Euro sofort ab: „Niemals! Das Auto geht zum Ausschlachten in den Export, ich bezahle ja noch das Schiff.“ Exportiert wird hauptsächlich nach Osteuropa und Afrika.

Darauf sollte man beim Verkauf achten

Auf den gängigen Verkaufsportalen im Internet kosten vergleichbare Modelle zwischen 1500 und 2600 Euro. „Gute Ankauf-Preise lassen sich bei Kärtchen-Händlern eher selten erzielen“, sagt Christopher Köster, Sprecher vom ADAC in NRW. „Erfahrungsgemäß werden eher Fahrzeuge im unteren Preissegment per Kärtchen gesucht, häufig für den Export.“

Der Kärtchen-Handel mag unseriös anmuten, er muss es aber nicht unbedingt sein, wie die Stiftung Warentest festgestellt hat. Mit dem richtigen Händler lässt sich unter Umständen ein faires Geschäft machen, wenn man als Verkäufer einige Grundregeln beachtet.

Von Anzahlungen, Schecks oder Überweisungen absehen

„Wenn man mit dem Ankaufpreis zufrieden ist, sollte man immer auf einen schriftlichen Kaufvertrag bestehen“, empfiehlt Christopher Köster. Der ADAC bietet im Internet eine Gebrauchtwagen-Checkliste und einen Mustervertrag für den privaten Verkauf eines Gebrauchtwagens an. Den ADAC-Vertrag sollten Verkäufer stets einem mitgebrachten Vertrag eines Händlers vorziehen.

Bei der Bezahlung gilt: Nur Bares ist Wahres. Von Anzahlungen, Schecks oder Überweisungen sollten Verkäufer absehen. „Idealerweise meldet man sein Fahrzeug auch selbst ab und nennt der Zulassungsstelle den Erwerber“, so Köster.

Viele Kärtchenhändler sind bundesweit aktiv. „Dorsten, das ist doch bei Marl“, sagt einer am Telefon. „Da könnte ich schnell jemanden schicken, der das Auto abholt.“ Aber für nur 500 Euro? Nein, danke!

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