Wie Comedian Markus Maria Profitlich mit Parkinson lebt und auch noch lustig bleibt

hzInterview

Der TV-bekannte Comedian Markus Maria Profitlich ist an Parkinson erkrankt. Deshalb kommt er nach Dorsten. Im Interview spricht er über die Schock-Diagnose und sein neues Leben.

Dorsten

, 05.07.2019, 04:35 Uhr / Lesedauer: 3 min

Lange Referate und Vorträge wird es beim Symposium des Vereins „Parkinson Youngster“ am Freitag (5. Juli) nicht geben. „Wir wollen Parkinson nicht schönreden! Wir wollen auch über die Themen sprechen, die in der Öffentlichkeit weniger bekannt sind“, sagt Vereinsvorsitzende Nadine Mattes. Die Dorstenerin (38) hat vor zwei Jahren erfahren, dass sie an Parkinson erkrankt ist.

Bei der mehrstündigen Veranstaltung in der Kirche am Bahnhof Hervest geht es um Begegnung mit Patienten und Experten, um Mut und Optimismus. Markus Maria Profitlich (59), der seine Erkrankung im vergangenen Jahr öffentlich machte, ist Teil des Programms.

Wie erklärt man seinen Kindern, dass der Vater schwer erkrankt ist?

Ich habe meinen Kindern nicht erzählt, was alles passieren kann und wie das alles eventuell mal endet, sondern habe einfach nur gesagt: „Papa ist krank, hat ein leichtes Zittern in der Hand. Aber das kann man gut mit Tabletten unterdrücken. Das wird so bleiben, aber deshalb müsst Ihr Euch keine Sorgen machen.“

Wie sind Sie und Ihre Frau mit der Diagnose umgegangen?

Die Diagnose wurde uns von einem nicht gerade sehr freundlichen und empathischen Radiologen überreicht. „Sie haben Parkinson in weit fortgeschrittenem Stadium. und jetzt habe ich Mittagspause. Schönen Tag!“ Er ließ uns einfach im Wartezimmer stehen.
Zunächst haut es einem ziemlich um, und es dauert auch seine Zeit, bis man das verarbeitet hat, aber man kommt schon raus aus dem Loch mithilfe von Freunden, Ärzten und auch Medikamenten. Dafür sind sie da.

Zur Person

Das ist Markus Maria Profitlich

Markus Maria Profitlich wurde 1960 in Bonn geboren. Bekannt wurde er als „Erklärbär“ in der Comedy-Serie „Die Wochenshow“ und seine eigene Sketch-Comedy-Serie „Mensch Markus“, für die er dreimal mit dem Deutschen Comedy-Preis ausgezeichnet wurde. Derzeit ist er mit dem Programm „Schwer verrückt“ auf Tour. In seiner Produktionsfirma Schwerlustig TV ist er auch als Produzent anderer Sketchformate aktiv, außerdem gelegentlich als Schauspieler zu sehen und als Synchronsprecher zu hören. Markus Maria Profitlich ist verheiratet und hat zwei Töchter. Er lebt in Königswinter.

Wie hat sich Ihr Leben seitdem verändert – beruflich und privat?

Ich mache mehr Sport, weil das eine Grundvoraussetzung ist, wenn man Parkinson hat, um dieser Steifigkeit, die sich immer weiter fortsetzt, entgegenzuarbeiten. Das macht mir erstaunlicherweise sogar Spaß.
Beruflich hat sich überhaupt nichts geändert. Ich mache weiterhin meine Auftritte, 80, 90 oder 100 im Jahr. Das wird auch so bleiben, man wird mich nicht so schnell los.


Welche Einschränkungen bringt die Erkrankung mit sich – und wie ist die Perspektive in den nächsten Jahren?

Für mich gar keine. Ganz im Gegenteil: Man lebt bewusster, denkt darüber nach, was man alles machen muss, soll, möchte. Wie die Perspektive in den nächsten Jahren aussieht, weiß kein Parkinson-Erkrankter, weil es bei jedem anders verläuft und die Symptome in unterschiedlicher Ausprägung auftreten. Ich sehe dem, was da noch kommt, aber ganz gelassen entgegen.

Gibt es ein „psychisches Loch“, in das Sie gelegentlich fallen und aus dem Sie mühsam wieder herauskrabbeln? Oder überspielen Sie alles mit unerschütterlichem Optimismus?

Natürlich gibt es ein „psychisches Loch“, und das darf man auch nicht mit unerschütterlichem Optimismus überdecken. Sondern man muss sich damit auseinandersetzen und sich auch helfen lassen, damit man nicht immer weiter gräbt und grübelt, wie es weitergehen könnte. Das ist fatal.

Was haben Sie an Informationen über Parkinson bekommen? Und an welcher Stelle fühlten Sie sich alleingelassen?

Zunächst schaut man ins Internet. Das macht wohl jeder, sollte man aber eigentlich nicht machen. Das Schriftliche geht ja noch, aber dramatische Filmchen von und über Betroffene auf Youtube, in denen von einer maximalen Lebenserwartung von 10 bis 20 Jahren die Rede ist, sollte man sich ersparen. Dann lieber seriöse Informationen sammeln auf anderen Wegen, zum Beispiel bei „Parkinson Youngster“.

Wie wichtig ist das Symposium in Dorsten und wie beurteilen Sie die Arbeit des Vereins „Parkinson Youngster“?

Jedes Symposium hat seine Berechtigung, um sich zu informieren, aber das in Dorsten soll ja anders sein. Mit Musik und Tanz, und ich werde auch fünf Minuten Quatsch erzählen. Nein, nicht nur, aber ich denke, dass man auch mit einer solchen Krankheit weiter lustig sein kann.

Als ich mit meiner Parkinson-Diagnose an die Öffentlichkeit gegangen bin, sind mehrere Vereine auf mich zugekommen, die mir aber alle nicht so zugesagt haben. Die Dorstener Gruppe kümmert sich ja auch um jüngere und junggebliebene Erkrankte, die werden meist ziemlich alleingelassen. Da hört man sich einen Vortrag an und geht wieder. Das ist in Dorsten anders: Es besteht die Möglichkeit, Kontakte aufzubauen zu Patienten, Ärzten und anderen Koryphäen auf dem Gebiet. Das ist natürlich extrem wichtig, und das ist ganz toll, dass der Verein so etwas möglich macht.

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