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Wie ein Schädling aus Italien den Bienenvölkern hier gefährlich werden kann

hzNachwuchsimker

Die Marktplatz-Bienen haben nicht nur das Interesse der Imker geweckt. Auch mancher Leser interessiert sich für die Tiere. Karina Möllers erklärt, worauf man als Nachwuchsimker achten muss.

Dorsten

, 20.05.2019 / Lesedauer: 4 min

Es gibt immer mehr Hobbyimker. Das hat Imkerin Karina Möllers beobachtet. Sie freut sich über den Nachwuchs, möchte aber verhindern, dass die Neuimker mit falschen Erwartungen die Arbeit mit den Bienen beginnen. Denn das ist es: Arbeit. Über Anfängerfehler, die Kosten für die Erstausstattung und die Vorteile des Vereinslebens spricht sie im Interview.


Sie begegnen vielen jungen Imkern. Was ist deren Motivation?

„Ich will etwas für die Natur tun. Es gibt ja immer weniger Bienen.“ Das sagen viele. Es sind aber nicht die Honigbienen, die bedroht sind, sondern die Wildbienen und Schmetterlinge. Ihnen hilft man mehr, wenn man insektenfreundliche Pflanzen oder Nisthilfen im Garten verteilt. Imkern ist für Menschen etwas, die mit Bienen arbeiten und Honig gewinnen wollen. Man sollte sich aber nicht einfach mal ein Volk holen und loslegen, vor allem nicht aus dem Internet.

Weil ich dann nicht weiß, woher es kommt?

Genau. Es könnte aus einem Bienendiebstahl stammen. Das kann ja niemand nachvollziehen, weil die schnelle Übergabe auch mal auf einen Parkplatz stattfindet. Es kann auch sein, dass gar keine Königin im Volk ist, was dann dazu führen kann, dass das Volk eingeht. An die Verkäufer kommt man im Zweifel danach nicht mehr dran.

Außerdem gibt es noch Paketbienen aus dem Internet, die zum Käufer nach Hause geschickt werden. Auch da weiß man nicht, woher das Volk kommt. Der Import von Bienen aus Italien ist zum Beispiel verboten, weil dort der kleine Beutenkäfer – ein schlimmer Schädling für Bienen – ganze Bestände vernichtet. Aber über Umwege über andere Länder wird die Herkunft verschleiert, Bienen aus Italien können hier landen. Das gefährdet unsere Bienen. Man sollte sich sein erstes Bienenvolk vom Imker seines Vertrauens vor Ort holen. Und ganz wichtig: mit Gesundheitszeugnis.

Wie finde ich denn einen „Imker meines Vertrauens“?

Man sollte sich einem Imkerverein anschließen. Einfach „Imkerverein Dorsten“ googeln. Wir vom Imkerverein Marl – Haltern – Dorsten treffen uns einmal im Monat und sprechen über imkerliche Themen. Manche Imkervereine, z.B. der Kreisimkerverein Vest Recklinghausen, bieten Kurse an, in denen die Teilnehmer Schritt für Schritt ein Grundwissen über die Bienen und das Imkern erwerben.

Es macht auch Sinn, mehreren erfahrenen Imkern über die Schulter zu schauen, um sich dann für die Betriebsweise zu entscheiden, mit der man zurechtkommt. Ein Verein ist auch für erfahrene Imker wichtig, weil es dort Austausch und Fortbildungen gibt. Und man ist versichert: Der Imker zahlt einen Beitrag an den Landesverband und dadurch sind Schäden, zum Beispiel durch Sturm oder Vandalismus, abgedeckt.

Neben dem Jahresbeitrag für den Verein. Welche Kosten kommen auf mich zu, wenn ich imkern will?

Also ein Wirtschaftsvolk, wo man im ersten Jahr schon Honig ernten kann, kostet etwa 140 Euro. Beuten (Behausung der Bienen) kosten ab 120 Euro, der Smoker 25 Euro, die Schutzkleidung 35 Euro. Dazu kommen ein paar Kleinigkeiten wie ein Handfeger, mit dem man die Bienen vorsichtig abfegen kann, um die Waben besser anschauen zu können, ein Stockmeißel, mit dem man die Beuten öffnen und die Waben verschieben kann usw.

Wie ein Schädling aus Italien den Bienenvölkern hier gefährlich werden kann

Mit dem Stockmeißel schiebt Karina Möllers die Waben auseinander und hebt sie an. © Jennifer Uhlenbruch



Um Honig zu gewinnen, braucht man natürlich auch eine Schleuder und Entdecklungsgeschirr, das mit 300-350 Euro recht teuer ist. Für einen eigenen Wachskreislauf benötigt man einen Wachschmelzer, hier gehen die Preise bei ca. 110 Euro los. Man kann sich diese Anschaffungen auch teilen, im Verein leihen oder bei einem Altimker schleudern bzw. schmelzen.

Man kann diese Sachen, weil sie aus Edelstahl sind, auch gebraucht kaufen. Auch gebrauchte Beuten kann man kaufen, von einem Imker, der beispielsweise aufhört. Holzbeuten sollte man dann aber ausbrennen, weil ja Krankheiten im Holz sein können. Beuten aus Styrodur sollte man neu kaufen.

Was sind meine Pflichten?

Wer Beuten in seinem Garten aufstellen möchte, sollte die Nachbarn informieren und später auch mal ein Glas Honig vorbei bringen. Man kann Bienen grundsätzlich auch auf dem Balkon oder auf dem Dach halten, aber natürlich muss man da erst recht die Nachbarn informieren und – wenn es eine Mietwohnung ist – den Vermieter fragen.

Außerdem muss man die Anzahl seiner Völker bei der Tierseuchenkasse in Münster und beim Veterinäramt Recklinghausen melden. Im Seuchenfall wird man dann entschädigt und außerdem erhält man Informationen, wenn irgendwo eine Krankheit ausbricht und ob die eigenen Beuten ins Sperrgebiet fallen. Man ist auch selbst verpflichtet, Krankheiten zu melden.

Wie viel Zeit sollte ich einrechnen?

Am Anfang braucht man pro Volk – man sollte mit ein bis zwei Völkern starten – jeweils 20 bis 30 Minuten pro Woche in den Monaten März bis August. Denn man muss jedes Volk einmal in der Woche durchsehen und schauen, ob alles in Ordnung ist oder Krankheiten vorliegen. Aber wirklich nur einmal in der Woche. Ansonsten sollte man die Bienen in Ruhe lassen. Das erfordert Geduld, die man auch erst lernen muss.

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