Rudolf Haller, Vorsitzender des Festkomitees Dorstener Karneval, in seinem Element beim Rosenmontagszug 2020. © Bianca Glöckner (A)
Karneval-Absage

Zoom-Meeting statt Rosenmontagszug: Dorstener Karnevalisten erzählen

An rauschende Karnevalsfeste ist in diesem Jahr nicht zu denken. Drei begeisterte Dorstener Karnevalisten erzählen, wie sie die Zeit erleben und was sie am meisten vermissen.

Die Bilder wirken wie aus einer ganz anderen Zeit. Im vergangenen Jahr wurde auch in Dorsten noch wie gewohnt Karneval gefeiert, 2021 sieht das natürlich ganz anders aus. Wie erleben begeisterte Karnevalisten in der Stadt die ungewohnt stille Zeit?

„Es ist alles ganz sparsam, relativ weit runtergefahren. Wir versuchen, verantwortungsvoll mit dem Thema umzugehen“, erklärt Rudolf Haller, Vorsitzender des Festkomitees Dorstener Karneval. Immer wieder leiten ihm Freunde kreative Youtube- oder Tiktok-Videos weiter, die zumindest ein wenig Karnevalsstimmung transportieren. Im Moment versuche er noch, das ehemalige Kinderprinzenpaar für eine interaktive Veranstaltung am Rosenmontag im „Leo“ zu gewinnen.

Brigitte Salzburg liebt vor allem die Geselligkeit des Karnevals.
Brigitte Salzburg liebt vor allem die Geselligkeit des Karnevals. © Rüdiger Eggert (A) © Rüdiger Eggert (A)

Zoom-Meetings und Instagram-Videos

„Das ist alles tote Hose. Es ist ja nichts zu machen. Wir konnten noch nicht mal unser Kinderprinzenpaar verabschieden“, berichtet auch Brigitte Salzburg, Schatzmeisterin im Holsterhausener Carnevals Club (HCC). Eigentlich habe der Verein als Alternative zum Kinderkarneval geplant, sich an großen Geschäften hinzustellen und Süßigkeiten an die Kinder zu verteilen. Auch das wurde aber nicht genehmigt.

Auch die alljährliche Karnevalsfeier der Frauenkarnevalsgruppe St. Johannes im Saal Maas-Timpert fällt zum ersten Mal seit 44 Jahren aus. „Wir können uns nicht als Gruppe treffen, wir machen jetzt am Samstag immerhin ein verkleidetes Zoom-Meeting im Wohnzimmer“, erzählt Vorsitzende Jennifer Dreckmann. Auf Instagram postet die Gruppe regelmäßig ein paar Videos, um den Betrachtern wenigstens ein bisschen Karnevalsstimmung zu übermitteln.

„Ich vermisse einfach die ganze Geselligkeit. Wir können uns nirgendwo besuchen, es liegt alles brach. Am traurigsten ist es, dass unser Kinderkarneval nicht stattfinden kann“, findet Brigitte Salzburg.

Gemeinschaft und Geselligkeit fehlen Karnevalisten

„Wir vermissen alle das Zusammensein in der Gruppe. Wir sind nicht nur eine Karnevalsgruppe, sondern auch Freundinnen und wirklich zusammengewachsen“, betont Jennifer Dreckmann. Neben den fehlenden sozialen Kontakten wird auch die karnevalistische Seele strapaziert. „Ein bisschen schmerzt unser Herz, dass wir nicht auftreten können“, meint die Vorsitzende.

„Die Treffen mit verschiedenen Veranstaltungen, die Feiern, der Rosenmontagszug mit 6.000 bis 10.000 Leuten“, das sind für Rudolf Haller die Bereiche, auf die er nur schweren Herzens verzichten kann. Auch die Besuche mit der Prinzengarde in den Seniorenheimen der Stadt mussten 2021 leider entfallen. Aber bei aller Wehmut hoffen alle Karnevalisten auf eine große Feier 2022. „Wir werden es überleben. Hauptsache, wir bleiben gesund“, richtet Rudolf Haller den Blick auf das Wesentliche.

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