Corona-Panik: Zwei Dorstener erzählen aus dem „goldenen Käfig“ in Kambodscha

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Erholung geht anders: Alexandra Dorschu und Stefan Habel aus Dorsten sitzen seit Samstag in einem Hotel in Kambodscha fest. Das Corona-Virus hindert die beiden daran, den Abflug zu machen.

Dorsten

, 19.02.2020, 18:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Vor drei Wochen sind Alexandra Dorschu und Stefan Habel zu ihrer Kreuzfahrt mit dem Kreuzfahrtschiff „Westerdam“ durch das südchinesische Meer aufgebrochen. Eigentlich hätten sie schon wieder daheim sein müssen. Aber seit Samstag sitzen die Dorstener in Kambodscha fest, und da wollten sie noch nicht mal hin: „Wegen eines angeblichen Corona-Verdachtfalls an Bord unseres Schiffes.“

Zwei Dorstener auf der Westerdam Corona Südostasien

Ein paar Tänzerinnen bemühen sich um die Aufmerksamkeit der Schiffspassagiere, die im Hotel in Kambodscha ausharren müssen. © Claudia Engel

Über den Messenger-Dienst Whatsapp berichteten die Eheleute am Mittwoch im Gespräch mit unserer Redaktion über ihre Erfahrungen, die sie unfreiwillig im Urlaub gemacht haben. „Mittlerweile sind alle Passagiere der Westerdam auf Corona getestet worden. Von Mitarbeitern des angesehenen Pasteur-Institutes“, erzählt Stefan Habel. Es habe laut ihren Informationen keinen einzigen Krankheitsfall an Bord ihres Schiffes gegeben.

„Bis auf ein paar Leute mit Erkältungssymptomen sind alle fit“, sagen die Eheleute aus Dorsten. Trotzdem sei die Bewegungsfreiheit der Passagiere stark eingeschränkt: „Weil wir auf Abruf bereitstehen müssen, denn alle zwei Stunden gibt die Reederei ein Update im Hotel, für wen wann welcher Flieger eventuell nach Hause geht.“

Sitzplätze in Flugzeugen seien sehr begehrt, aber knapp bemessen: „Es hat Leute gegeben, die sind nach einer Viertelstunde wieder im Hotel gewesen, weil man sie dann doch nicht mitgenommen hat“, so die Eheleute. Das zehre am Nervenkostüm der Urlauber.

Mutmaßlich Infizierte löste Abwehrmechanismen aus

Über die Presseagentur dpa war am Dienstag über eine Passagierin auf der Westerdam berichtet worden, die mutmaßlich mit Corona infiziert gewesen sein soll. Daraufhin wurde die Westerdam auf dem Weg zu den Philippinen wie ein Aussätzigenschiff im Mittelalter abgewiesen: „Niemand wollte uns haben“, so Alexandra Dorschu.

Zwei Dorstener auf der Westerdam Corona Südostasien

Blick vom Hotelzimmer auf den Pool: Bislang haben sich die Dorstener kaum einen Schritt vor die Tür bewegen können - sie müssen auf Abruf bereit sein. © privat

Das habe daran gelegen, dass das Schiff in Hongkong gestartet sei und Hongkong als chinesische Provinz die Angst vor Ansteckung in den Köpfen der Nachbarn geschürt habe. Erst recht, als ein anderes Schiff mit tatsächlich Corona-Infizierten (Diamond Princess) an Bord in Japan festmachen musste: „Ich kann die Japaner verstehen, dass sie nicht noch weitere mehr als 2000 Passagiere durchfüttern wollten während einer zweiwöchigen Quarantäne“, sagt Alexandra Dorschu.

Mehrere Länder wiesen Westerdam ab

So habe die Westerdam weitere Häfen in den Nachbarländern angesteuert, bis sie in Kambodscha im Hafen von Phnom Penh einlaufen durfte. Seitdem sitzen die Passagiere aus europäischen Ländern und Amerika, darunter 29 Deutsche, im Hotel im kambodschanischen Sihanoukville fest und hoffen, dass ihnen die Schiffs-Reederei einen Platz an Bord eines Flugzeuges reservieren kann.

Mehrere Länder haben unterdessen den Passagieren des Kreuzfahrtschiffes die Durchreise untersagt, was die Rückkehr nach Europa oder Amerika zusätzlich erschwert: „Es gehen nur noch Flüge über Dubai oder Tokio“, haben Habel und Dorschu mitgeteilt bekommen. Bis Mittwochmittag waren sie noch nicht unter den Begünstigten, die einen Platz an Bord eines Flugzeuges ergattern konnten.

Eheleute sind als Hochschulprofessoren tätig

Stefan Habel und seine Frau Alexandra Dorschu sind als Hochschulprofessoren an den Instituten für Energiesysteme und Energiewirtschaft sowie Maschinenbau an der Hochschule Ruhr West in Mülheim und Bottrop tätig. Dort müssten die beiden Dorstener kommende Woche Montag wieder ihre Arbeit aufnehmen: „Ob das klappt, wissen wir nicht“, sagte Alexandra Dorschu. Das mache sie ganz kribbelig.

„Wir sitzen mehr oder weniger in unserem Hotelzimmer in Kambodscha fest“, sagt Dorschu. Die Ungewissheit, ob und wann sie heim könnten, „schlaucht“: „Das hier ist wie in einem goldenen Käfig.“ Es mangele ihnen zwar an nichts, sie würden gut versorgt, aber: „Ich weiß, dass sich zu Hause die Arbeit im Institut türmt. Schlimm ist auch, dass wir unseren Leuten kein konkretes Ankunftsdatum nennen können.“

Zwei Dorstener auf der Westerdam Corona Südostasien

In dieser Hotelanlage in Kambodscha sitzen Alexandra Dorschu und ihr Mann Stefan Habel seit Samstag fest. © privat

Das kann sich aber von jetzt auf gleich ändern: Am Nachmittag schickte Stefan Habel die Nachricht, dass sie eventuell am Donnerstag einen Rückflug über Tokio nach Düsseldorf bekämen: „Dann ist nur noch die Frage, ob wir von den Gesundheitsbehörden in Deutschland eine weitere Quarantäne verordnet bekommen.“

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