Die Dortmunder Kampstraße wird ab Samstag in eine große Galerie verwandelt. © Roland Baege
Kunstverein

Dortmunds Innenstadt wird in eine riesige Kunstgalerie verwandelt

Kunst und Kultur sind nicht verschwunden. Ab Samstag (27.2.) bekommt die Dortmunder City eine große Freiluft-Ausstellung, die für jedermann 24 Stunden lang Tag und Nacht zu besuchen ist.

In den vergangenen Monaten waren Kunst und Kultur, genau wie vieles andere, wenn überhaupt nur virtuell zu erfahren. Der Dortmunder Kunstverein und „Urbane Künste Ruhr“ holen die bildende Kunst nun aber trotz des Lockdowns zurück in den öffentlichen Raum nach Dortmund.

Dortmunder Kampstraße wird zur Galerie

Dass ein solches Unterfangen trotz Mindestabstand und Hygieneregeln funktioniert, liegt daran, dass die Veranstalter die Kampstraße in eine große Galerie umwandeln. An Laternen, Schaufenstern oder U-Bahn-Stationen finden sich mal mehr und mal weniger subtil unterschiedliche Werke.

An verschiedenen Glasfassaden entlang der Kampstraße tauchen immer wieder unscheinbare Schriftzüge auf.
An verschiedenen Glasfassaden entlang der Kampstraße tauchen die Werke von Esther Adams auf. © Roland Baege © Roland Baege

„Wir sind jetzt alle zu Hause, niemand verreist mehr. Entdecken wir doch unsere Umgebung wieder“, sagt Rebekka Seubert, die künstlerische Leiterin des Dortmunder Kunstvereins. Und zu entdecken gibt es auf der Kampstraße ab Samstag auch ohne Corona-Lockerungen wieder mehr.

Elf unterschiedliche Arbeiten, von denen alle bis auf eine Ausnahme speziell für dieses Projekt konzipiert wurden, sind vom Osten- bis zum Westentor für Spaziergänger und Besucher bis zum 21. März frei zu betrachten.

Auch in den Haltestellen der DSW21 finden sich manche Arbeiten.
Auch in den Haltestellen der DSW21 finden sich manche Arbeiten. © Roland Baege © Roland Baege

Aber auch die Ausstellung macht die Pandemie nicht ganz vergessen, steht sie doch bei einigen Werken im Vordergrund. Das Dortmunder Kollektiv Salon Atelier erschafft beispielsweise jedes Wochenende zwei Stunden lang stille Alltagsszenen.

In der ersten Szene, die am Samstag von 16 bis 18 Uhr gezeigt wird, sitzt eine scheinbar verlassene Person hinter fußbodentiefen Schaufenstern in einem aufwendig dekorierten Raum und wartet auf Geburtstagsgäste.

Viele bekannte Fassaden und Schaufenster im Zeichen der Kunst

Um Arbeiten wie die des Salon Atelier umsetzen zu können, mussten allerdings erst Räume und Ausstellungsflächen organisiert werden. Dabei sei man „auf sehr viel positive Unterstützung gestoßen“, berichtet Seubert.

Gleichzeitig auch der Titel der Ausstellung.
Die Gedanken auf einen Spaziergang mitnehmen: Das ist auch der Titel der Ausstellung. © Esther Adam © Esther Adam

Bus- und Bahnbetreiber DSW21 hat für die Ausstellung beispielsweise die Haltestellen an der Kampstraße freigegeben, genau wie H&M oder Base Camp einige Schaufenster. Auch am VHS-Gebäude finden sich Arbeiten genau wie auf städtischen Verkehrsinseln oder Laternen.

Weil die Werke draußen und für jedermann 24 Stunden am Tag frei zugänglich sein werden, hat die Kunst, so Seubert, ihren „geschützten Raum“ verlassen und sei nun „exponiert“. Angst vor Vandalismus hat sie zwar nicht, aber man werde sehen, „wie das Publikum damit umgeht, ob vielleicht sogar etwas regelmäßig ersetzt werden muss“.

Einige Kunstwerke werden durch den freien Zugang besonders
Einige Kunstwerke werden durch den freien Zugang besonders “exponiert” . © Roland Baege © Roland Baege

Wie beispielsweise einen Blumenstrauß, der in Cellophan verpackt in einem Mülleimer der 80er-Jahre liegt. Ohne eine entsprechende Karte oder den Audio-Guide des Kunstvereins könnten Spaziergänger an einigen Details vorbeilaufen, dabei sind sowohl die Karte als auch der Audio-Guide wie die gesamte Ausstellung kostenlos. Beide sind auf der Homepage des Kunstvereins zu erhalten.

Ein Versuch „Gemeinschaft wieder herzustellen“

Rebekka Seubert hofft, dass sich durch die Ausstellung auch ängstlichere und „sensiblere Personen vielleicht einen Anlass nehmen können, wieder vor die Tür zu gehen“. Denn schließlich würde sich jeder Gedanken machen um die eigene Verortung in unserer Gesellschaft, angesichts einer solchen Pandemie.

Die Ausstellung versucht diese Gedanken und Fragen widerzuspiegeln und „so etwas wie Gemeinschaft wieder herzustellen“ oder zumindest einen Ort, an dem Kunstinteressierte merken, dass „die bildende Kunst nicht verschwunden ist“.

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