Nur schmale Schutzstreifen gibt es bislang für Radfahrer auf dem Heiligen Weg. Verkehrsverbände fordern jetzt einen ganzen Fahrstreifen für Radler. © Oliver Volmerich
Radverkehrsförderung

Fahrrad- statt Autospur: Wichtige Innenstadt-Straße soll umgebaut werden

Breite Radstreifen fordert die Radfahr-Lobby seit langem - auch auf Kosten von Fahrspuren für Autos. Eine wichtige Innenstadt-Straße soll nach dem Willen von Umweltverbänden den Anfang machen.

Fast alle Parteien haben zur Kommunalwahl die Förderung des Radverkehrs versprochen. Ein Bündnis aus Dortmunder Umwelt- und Verkehrsverbänden fordert jetzt Taten ein. Sie wollen, dass eine von zwei Fahrspuren auf dem Heiligen Weg künftig für Radfahrer reserviert wird. Und das schon bald.

Die Verbände wollen dafür einen besonderen Umstand nutzen. Zurzeit ist der Heilige Weg eine Großbaustelle. Für die Verlegung der neuen Fernwärmeleitung durch DEW21 ist die östliche Seite der Straße in Fahrtrichtung Norden komplett gesperrt. Wenn die Straße nach den Bauarbeiten wieder hergerichtet wird, muss sie ohnehin neu markiert werden.

Die Ostseite des Heiligen Wegs ist zurzeit eine Baustelle. DEW21 lässt hier eine neue Fernwärmeleitung verlegen. © Oliver Volmerich © Oliver Volmerich

Und dabei soll der Straßenraum nach dem Willen der Verbände neu aufgeteilt werden. Auf dem Abschnitt zwischen Ernst-Mehlich-Straße mit der Zufahrt zum Großmarkt und der Kaiserstraße soll eine der beiden Spuren für Autos verschwinden und stattdessen ein breiter Radfahrstreifen angelegt werden.

Richtungsweisende Entscheidung

Als „Lackmustest“ sieht Lorenz Redicker vom Verkehrsclub Deutschland (VCD), der dem Bündnis angehört, den Heiligen Weg. „Wollen wir den Radverkehr wirklich fördern? Wollen wir Fahrradstadt werden? Wollen wir die Verkehrswende? Stadtpolitik und Verwaltung stehen hier vor einer ersten richtungsweisenden Entscheidung.“

Ausgewählt für den „Lackmustest“ wurde der Heilige Weg aber nicht nur, weil er zurzeit Baustelle ist. „Der bisherige Zustand der Straße widerspricht allen Richtlinien“, sagt Werner Blanke vom ADFC. Der Fahrrad-Schutzstreifen sei

mit 1,25 Meter zu schmal, der notwendige Sicherheitsabstand zu parkenden Autos fehle komplett. „Radfahrerinnen und Radfahrer werden in die Zange genommen“, kritisiert Blanke.

Auch Redicker hält die Nutzung des Schutzstreifens für gefährlich. VCD und ADFC haben deshalb gemeinsam mit dem BUND und der Fahrradgruppe Kaiserstraßenviertel bei der Bezirksvertretung Innenstadt-Ost die Ummarkierung der Straße nach Abschluss der Bauarbeiten gefordert.

Einen ähnlichen Antrag gibt es von den Radverbänden Velocity Ruhr und Aufbruch Fahrrad. Auch eine Lösung mit einem überbreiten Fahrstreifen für Autos und etwas mehr Platz für Radfahrer, wie sie aktuell etwa an der Fassstraße in Hörde eingerichtet wird, sei nicht ausreichend, stellen sie fest.

Viele Radfahrer unterwegs

Der Bedarf an dieser wichtigen Verkehrsachse sei groß, sind die Fahrrad-Experten überzeugt. Zwei Gymnasien und zwei Kitas liegen am Heiligen Weg, schon das mache hochwertige und sichere Fahrrad-Infrastruktur notwendig, sagt Blanke.

Dazu kämen immer mehr Berufspendler, die das Fahrrad nutzten. Ihre Zahl hat nach Beobachtungen der Fahrradgruppe Kaiserstraßenviertel in der Corona-Zeit deutlich zugenommen. Tempo 30 wäre unter dem Aspekt der Verkehrssicherheit für die Straße ein weiterer Wunsch.

Thomas Quittek vom BUND nennt schließlich den Klimaschutz als wichtigen Grund für die Neumarkierung. „Wir müssen endlich handeln, wenn wir CO2 einsparen wollen“, mahnt der BUND-Sprecher.

Eine Entscheidung über die beiden Anträge gab es in der Sitzung der Bezirksvertretung Innenstadt-Ost am 10. November noch nicht. Sie wurden zur Prüfung an die Verwaltung weitergeleitet. Danach könnte die Politik dann inhaltlich beraten.

Politische Entscheidung steht aus

Für die erneute rot-grüne Zusammenarbeit in der Bezirksvertretung könnte das eine erste Nagelprobe werden. Die SPD hat sich zur Frage der Radfahrspuren noch nicht die Karten gelegt. Die Grünen, das machte die neue Bezirksbürgermeisterin Christiane Gruyters schon deutlich, können sich mit dem Anliegen auf jeden Fall anfreunden.

Allzu viel Zeit für eine Entscheidung bleibt nicht. Die DEW-Bauarbeiten haben sich zwar verzögert, aber ein Ende ist absehbar. Voraussichtlich im Februar 2021 dürfte die Straße für eine Neugestaltung frei sein.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Oliver Volmerich, Jahrgang 1966, Ur-Dortmunder, Bergmannssohn, Diplom-Journalist, Buchautor und seit 1994 Redakteur in der Stadtredaktion Dortmund der Ruhr Nachrichten. Hier kümmert er sich vor allem um Kommunalpolitik, Stadtplanung, Stadtgeschichte und vieles andere, was die Stadt bewegt.
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