In der Innenstadt-Ost in Dortmund eröffnet Familie Singh eine Pizzeria und einen Kiosk. Es ist ein reiner Familienbetrieb (v.l.n.r.: Mutter Kuldep Kaur, Sohn Tejinder Singh, Vater Basant Singh, Tochter Harmandep Kaur). © Tabea Prünte
Neuanfang trotz Corona

Familie belebt 100 Jahre alten Kiosk neu – und bietet mehr als Buden-Ware

Corona zum Trotz eröffnet eine Familie in der östlichen Dortmunder Innenstadt einen alten Kiosk neu - als Gastro-Betrieb. Der hat neben der gemischten Tüte nicht bloß Pizza zu bieten

100 Jahre lang gebe es den Kiosk in der östlichen Innenstadt, an der Klönnestraße, Ecke Güntherstraße bereits, heißt es – hier kann von einem richtigen Traditionsgeschäft die Rede sein. Neu hingegen sind nun die Betreiber. Sie starten als reines Familienunternehmen und der Pandemie zum Trotz und haben noch viel mehr als das Kiosk-Sortiment im Angebot.

Pizzeria öffnet früher als geplant

Zum Kiosk gehört nämlich außerdem eine Pizzeria, die Familie Singh Anfang Mai übernommen hat. Unter dem Namen „il Punto“ wurde sie schließlich am Wochenende (9.5.) eröffnet.

„Das war eigentlich anders geplant“, berichtet Tochter Harmandep Kaur. Die Speisekarten seien verspätet angekommen, und deshalb sollte ursprünglich erst einige Tage später eröffnet werden. „Aber wir haben von den Leuten schon viele Anfragen bekommen. Und dann haben wir gedacht, wir sind eigentlich soweit.“

Die 23-Jährige studiert Lebensmitteltechnologie in Fulda. Da das Studium im Moment jedoch ohnehin rein digital stattfindet, sei sie schließlich zu ihrer Familie zurück nach Dortmund gekommen, um in der Pizzeria zu unterstützen.

Kinder unterstützen den Betrieb ihrer Eltern

Auch der Sohn der Familie, Tejinder Singh ist eigentlich Student. „Im Moment hat man viel Zeit, weil es eh online ist“, sagt auch der 21-Jährige. Er ist für den Lieferservice zuständig, seine Schwester kümmert sich um das Telefon, der Vater, Basant Singh, steht am Pizzaofen und die Mutter Kuldep Kaur, „die Chefin“, wie Tochter Harmandep Kaur erzählt, kümmert sich um die anderen Gerichte aus der Küche.

Denn die Pizzeria hat neben dem typischen italienischen Gericht außerdem einige griechische Spezialitäten sowie indische Speisen zu bieten. „Wir wollen noch mehr Vielfalt hier in das Gebiet bringen“, so Tochter Harmandep Kaur. „Richtig Multi-Kulti.“

Und so findet sich in der Speisekarte eine große Auswahl wieder. „Das sind alles Gerichte, die wir sonst auch zuhause gekocht haben, wie wir das so mögen. Deshalb ist die Karte so lang geworden“, so die 23-jährige Harmandep Kaur.

Gemeinsamer Arbeitsalltag

Den ganzen Tag verbringt die Familie im neuen gemeinsamen Betrieb, von 9 bis 24 Uhr seien sie derzeit täglich vor Ort. „Das ist Familytime und Arbeit zusammen. Man merkt gar nicht, dass man arbeitet. Besser kann es doch gar nicht werden“, berichtet die Tochter der Familie. „Kostenlose Arbeitskräfte“, scherzt der Vater, der im hinteren Ladenbereich bereits den Pizzateig durchknetet, in Richtung seiner Kinder.

Der Familienvater Basant Singh ist der Pizzabäcker im neuen Betrieb.
Der Familienvater Basant Singh ist der Pizzabäcker im neuen Betrieb. © Tabea Prünte © Tabea Prünte

Von seiner Tochter wird er schmunzelnd als „Perfektionist“ bezeichnet. Er habe vorher bereits in einer Pizzeria gearbeitet, als er noch ohne seine Familie in Leipzig gewohnt habe. Vor sieben Jahren seien schließlich die Mutter und die zwei Kinder aus Indien nach Deutschland und die Familie gemeinsam nach Dortmund gekommen.

Gelungener Start ganz ohne Werbung

Vor der Übernahme der Pizzeria habe die Familie auf Wochenmärkten Textilien verkauft. Doch dieser Geschäftszweig sei der Pandemie zum Opfer gefallen. „Gastro ist das Einzige, was gerade auf hat“, so Tochter Harmandep Kaur. Zumindest zum Mitnehmen und als Lieferservice – so bietet es auch die Familie in ihrem Restaurant „il Punto“ an.

Der erste Tag sei gut gelaufen, findet die Familie. Ganz ohne bisher Flyer verteilt zu haben, seien schon acht Kunden da gewesen.

Und doch scheint es ungewöhnlich, inmitten dieser Pandemie einen neuen Betrieb zu eröffnen. „Sorgen sind schon dabei“, sagt Mutter Kuldep Kaur. „Aber wir sind alle zusammen im selben Boot und versuchen es einfach“, springt ihre Tochter zur Seite. Denn: „Nur zuhause sein – da hat einfach was gefehlt. Und durch Corona ist im Moment der positive Punkt, dass wir als Familie wieder zusammenkommen.“

Über die Autorin
Freie Mitarbeiterin
1998 im Rheinland geboren und seit ein paar Jahren zum Studieren im Ruhrgebiet Zuhause. Verschiedene Menschen und ihre Geschichten - das möchte ich erleben und darüber berichten.
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