Der Fuchs lief am Freitagvormittag (9.4.) über den Friedensplatz in der Dortmunder City. © Pietsch
Wildtiere

Fuchs seit Wochen in der Dortmunder City unterwegs – was treibt ihn dahin?

Passanten in der Dortmunder City reiben sich immer wieder die Augen: Ein Fuchs zieht dort seit einigen Wochen seine Runden. Muss man sich Sorgen machen? Wir haben einen Experten gefragt.

Das Wachpersonal im Dortmunder Stadthaus glaubte Anfang des Jahres zunächst an einen Hund, als es das Tier auf dem Friedensplatz herumstreunen sah. Die Sicherheitsleute wandten sich an den Tierschutzverein, der seine Geschäftsstelle in der dortigen Berswordthalle hat und baten um das Tiermobil. Das solle den Hund mal einfangen.

Doch bei genauerem Hinsehen entpuppte sich der Hund als Fuchs, erzählt Erika Scheffer. Die Vorsitzende des Dortmunder Tierschutzvereins erhält seitdem immer wieder Anrufe von City-Bewohnern oder -Besuchern, die Meister Reineke beobachtet haben und sich Sorgen machen, der könne ihre Hunde oder auch Menschen mit Krankheiten anstecken.

Auch auf dem verschneiten Wall wurde der Fuchs oder einer seiner Artgenossen im Februar gesichtet. „Die Füchse kommen immer näher in die Städte“, weiß Erika Scheffer, „das sind Kulturfolger des Menschen.“ Der Fuchs, der immer mal wieder über den Friedensplatz laufe, halte sich auch wiederholt im Stadtgarten auf. „Wir vermuten, dass er seinen Bau im Stadewäldchen hat“, sagt Erika Scheffer.

Echte Opportunisten

Was will der Fuchs in der City? Wir haben jemanden gefragt, der sich mit Wildtieren auskennt. Jörg Tigges ist Vorsitzender der Kreisjägerschaft Dortmund. Füchse, die durch bewohntes Gebiet streifen, seien nichts Ungewöhnliches, so Tigges.

„Als Kulturfolger folgen Füchse im Gegensatz zu anderen Tieren den Menschen.“ Sie seien sehr schlau und darauf bedacht, bei der Jagd oder Suche nach Beute den Weg des geringsten Widerstands zu gehen. „Sie nehmen, was ihnen gewollt oder ungewollt angeboten wird.“

Echte Opportunisten also. Auch wenn sie Ratten jagen, fressen sie, was Menschen wegwerfen oder ihnen hinlegen. Füchse seien keine Waschbären, die sich aus Mülltonnen bedienten, erläutert Tigges, „doch wenn man ihnen etwas in Bodennähe hinstellt, zum Beispiel einen Napf mit Hundefutter, dann wird der Fuchs das dankbar annehmen.“ Volle Hunde- und Katzennäpfe seien für Füchse ein gefundenes Fressen.

Der Jäger warnt aber ausdrücklich davor, Füchse zu füttern: „Der Fuchs ist wild und soll auch wild leben und sich um seine Nahrungssuche selbst kümmern.“ Damit die Tiere ihren natürlichen Instinkt behalten, sollte man tunlichst jeglichen Eingriff bei der Futterbeschaffung unterlassen. „Finger weg von den Tieren“, warnt Tigges, „sie können auch beißen.“

Irgendwo lockt eine Nahrungsquelle

Und tatsächlich Krankheiten übertragen, auch auf andere Tiere. Tollwut allerdings ist in Dortmund seit vielen Jahren kein Thema. Tigges: „Es gibt keinen bekannten Fall“. Anders als zum Beispiel Staupe. So sorgte im vergangenen Jahr der Fall eines Fuchses in Dortmund für Schlagzeilen, der an Staupe erkrankt war und mit einem Schuss erlöst wurde.

Könnte nicht die durch Corona teilweise verwaiste Innenstadt den in diesem Jahr gesichteten Fuchs in die City gelockt haben? „Das allein, dass wir nicht da sind, reicht nicht“, erklärt der Fachmann, auch wenn Menschen-Ansammlungen Füchse eher dazu brächten, Plätze zu meiden, brauche es mehrere Indikatoren, die ihn aus seiner natürlichen Heimat in die Innenstadt locken.

Tigges: „Der Fuchs würde nicht in der Häufigkeit über den Friedensplatz laufen, wenn er nicht ein bestimmtes immer wiederkehrendes Nahrungsangebot, eine Nahrungsquelle dort hätte.“

Über die Autorin
Redaktion Dortmund
Stellvertretende Leiterin der Dortmunder Stadtredaktion - Seit April 1983 Redakteurin in der Dortmunder Stadtredaktion der Ruhr Nachrichten. Dort zuständig unter anderem für Kommunalpolitik. 1981 Magisterabschluss an der Universität Bochum (Anglistik, Amerikanistik, Romanistik).
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