Von der City bis nach Körne reicht Stadtbezirk Innenstadt-Ost. © Blossey
Konzept zur Stadtentwicklung

Mehr Grün und mehr Radwege für Dortmunds östliche Innenstadt

Wie soll sich die Innenstadt-Ost entwickeln? Dortmunds Stadtplaner haben dazu Bürgerinnen und Bürger befragt - und verspüren nun Rückenwind. Strittig ist aber ein Straßenbau-Projekt.

Die Innenstadt-Ost hat schon in den vergangenen Jahren etwa durch das neue Stadtquartier auf dem alten Ostbahnhof-Gelände kräftig an Einwohnern dazugewonnen. Und weitere große Wohngebiete kommen bald dazu. Für die Stadtplaner ist das eine besondere Herausforderung.

Das Stadtquartier-Ost auf dem früheren Ostbahnhof-Gelände ist fast vollendet. © Blossey © Blossey

Skizziert werden diese Herausforderungen im „Integrierten Stadtbezirks-Entwicklungskonzept“, kurz „Insekt 2030+“, wie es etwas sperrig heißt. „Es zeigt die Perspektiven für die nächsten 10 bis 15 Jahre auf“, erklärt Planungsamtsleiter Stefan Thabe.

Die spannende Frage ist dabei, welche Wünsche und Erwartungen die Anwohner des Stadtbezirks haben. Das hat die Verwaltung im Mai mit einem Online-Beteiligungsverfahren ermittelt.

Anwohner-Wünsche ermittelt

254 Menschen haben sich daran beteiligt – eine gute Resonanz, findet Thabe. Inhaltlich gab es dabei für die Planer keine großen Überraschungen. Grün, fahrradfreundlich, familienfreundlich, urban, ruhig, fußgängerfreundlich, aufgelockert, seniorengerecht, innovativ, geschäftig sind die am meisten genannten Antworten auf die Frage: „Wie soll der Stadtbezirk zukünftig sein?“

Konkret stehen der Ausbau des Fuß- und Radwegenetzes, die Umgestaltung der B1 und der Ophoff-Kreuzung, mehr Grün, mehr soziale Angebote und mehr Aufenthaltsqualität in den Zentren für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Online-Befragung obenan – allesamt Themen, die auch für die Stadtplaner Priorität haben. „Wir sind da auf der richtigen Spur“, stellt der Amtsleiter zufrieden fest.

Stichwort Wegenetz: Schon jetzt gibt es Pläne vor allem für den Radverkehr – vom Radschnellweg Ruhr über den Gartenstadt-Radweg bis zu einer Fahrradstraße in der Arndtstraße.

Über die Umgestaltung der B1 wird seit Jahren wegen des nötigen behindertengerechten Ausbaus der Stadtbahnstationen und um den Erhalt beziehungsweise die Erneuerung der B1-Allee gestritten.

Für ein Viertel der Befragungs-Teilnehmer, genau 25 Prozent, hat der Ausbau des Wegenetzes Priorität. Die Planer sehen das Ergebnis der Bürgerbefragung so insgesamt als Rückenwind für die Bemühungen um eine Verkehrswende. „Wir sind da an einem Wendepunkt der Stadtentwicklungspolitik“, sagt Thabe.

Einkaufsstraßen im Blick

Mit 20 Prozent der Nennungen auf Platz 2 der Stadtbezirks-Themen, die den Teilnehmern der Befragung besonders am Herzen liegen, ist die Entwicklung der Zentren, die in der östlichen Innenstadt vor allem von wichtigen Einkaufsstraßen gebildet werden – dem Körner Hellweg, der Kaiserstraße und der Saarlandstraße.

Mehr Aufenthaltsqualität zu schaffen und Gastronomie und Handel zu stärken sind hier die Ziele der Stadtplaner, die wohl auch den Wünschen der Anwohner entsprechen.

Zum Paradebeispiel soll hier die Umgestaltung der Saarlandstraße werden. Die überarbeiteten Pläne dazu sollen im Herbst vorgestellt werden. Vor allem die Fußgänger sollen hier mehr Raum bekommen, sagt Thabe.

Hier gilt wieder freie Fahrt. Markierungen und Verkehrseinrichtungen sind aber erst einmal nur provisorisch.
Hier gilt wieder freie Fahrt. Markierungen und Verkehrseinrichtungen sind aber erst einmal nur provisorisch. © Felix Guth © Felix Guth

Eine große Rolle für die Entwicklung der Innenstadt-Ost werden naturgemäß auch die geplanten neuen Wohngebiete spielen – vom Kronprinzen-Viertel auf dem alten Südbahnhof-Gelände über die Deggingshöfe auf dem DSW-Areal und dem Wohnquartier an der Ernst-Mehlich-Straße bis zu Wohnungsbauplänen an der Sckellstraße.

„In den nächsten vier bis fünf Jahren entstehen im Stadtbezirk so mehr als 2000 Wohneinheiten“, bilanziert Thabe. Hier gilt es für die Planer, sowohl dem Bedarf an neuen Wohnungen als auch dem Wunsch nach Grün und Aufenthaltsqualität Rechnung zu tragen.

Was die Planer etwas überrascht hat: Der seit Jahrzehnten diskutierte Weiterbau der Semerteichstraße von der B1 über den Hellweg hinaus ist für die Stadtbezirks-Bewohner offenbar kein Thema und stößt eher auf Ablehnung.

Zuletzt hatte die Politik im Jahr 2015 nach einer Verkehrsuntersuchung eine Weiterbearbeitung der Straßenneubau-Pläne in Auftrag gegeben – nach langer Diskussion und mit einigen Vorbehalten.

Diskussion um Semerteichstraße

Für die Planer heißt es da wohl, Überzeugungsarbeit zu leisten. Der geplante Ausbau der Semerteichstraße verfolge auch das Ziel, umliegende Wohnbereiche etwa an der Voßkuhle, der Von-der-Goltz-Straße und der Düsseldorfer Straße vom Autoverkehr zu entlasten und die Lebensqualität zu steigern, betont Thabe.

Das sei womöglich so dezidiert nicht gesehen worden. Berücksichtigt und unabdingbar seien aber auch Lärmschutzmaßnahmen zum Schutz der Anwohner.

Politik berät nach der Sommerpause über das Konzept

Die Frage ist, wie die Politik das aktuell sieht. Die Wünsche und Anregungen aus der Bürgerbefragung werden jetzt in die Planungen eingearbeitet, kündigt die Stadt an. Nach der Sommerpause berät dann die Politik über das „Insekt 2030+“ für die Innenstadt-Ost.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Oliver Volmerich, Jahrgang 1966, Ur-Dortmunder, Bergmannssohn, Diplom-Journalist, Buchautor und seit 1994 Redakteur in der Stadtredaktion Dortmund der Ruhr Nachrichten. Hier kümmert er sich vor allem um Kommunalpolitik, Stadtplanung, Stadtgeschichte und vieles andere, was die Stadt bewegt.
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