Roter Teppich, Herzchen-Konfetti, ein Spalier von Journalisten: Um Punkt Mitternacht durften vier Kunden in den Friseursalon am Vinckeplatz. © Schaper
Corona-Pause

Mit Video: Lockdown-Ende für Friseure – Dortmunder öffnete um Mitternacht

1. März, Mitternacht – das Ende des Corona-Lockdowns für Friseure. Ein Dortmunder begrüßte direkt um 0.01 seine ersten vier Kunden. Und noch mehr Kamerateams.

Mehr als 15 Menschen dürfen nicht drin sein – und das wird direkt zum Problem. Denn alle wollen die besten Bilder von dem Moment, in dem Marco Trapani seinen Friseursalon im Dortmunder Kreuzviertel öffnet.

Am 1. März endet der Corona-Lockdown für die Branche. Trapanis Idee: Die ersten Kunden sollen direkt um Mitternacht kommen.

Mehr Journalisten als Kunden vor dem Laden

Eine verrückte Idee? Vielleicht. Auf jeden Fall eine, die Fernsehteams und andere Medien mitten in einer Nacht von Sonntag auf Montag zum Vinckeplatz lockt.

RTL, Sat1 und Bild sind schon vor 23 Uhr da, manche gleich zu dritt. Kurz darauf folgen WDR, Radio 91.2, die Deutsche Presse-Agentur (dpa). Ach so: und ein paar Kunden, die sich zu den knapp 20 Journalisten gesellen, die vor dem Laden stehen.

Schneiden, färben, Strähnchen – alles vor den Kameras

Zwei Frauen und zwei Männer dürfen um kurz nach Mitternacht auf die Stühle im Salon. Schneiden, Färben, Strähnchen – alles im Scheinwerferlicht der Kameras. Nervös ist Trapani schon, gesteht er anderthalb Stunden vor der Öffnung. Aber Haare schneiden sei für ihn wie Fahrrad fahren – verlernt man nicht.

Trotzdem: So viel Medieninteresse, nur weil er in den Ruhr Nachrichten „rausgehauen“ hatte, er mache schon um 0.01 Uhr auf? „Unfassbar“, sagt der Friseurmeister, der seit mehreren Jahrzehnten seinen Laden im Kreuzviertel hat.

Den Kunden erst nur aus Spaß gesagt: „Komm um 0.01 Uhr“

„Um 9 Uhr aufmachen? Ach komm, du kannst doch bestimmt früher anfangen.“ So hatte Trapani es zu sich selbst gesagt, als feststand: Ab 1. März geht es wieder los.

„Und dann haben so viele Kunden angerufen. Da habe ich aus Spaß gesagt: Ach, komm um 0.01 Uhr.“

Die Antwort: Ja, klar. Hauptsache, ich komme überhaupt dran.

Kundin: „Das ist mir das Aufbleiben wert“

„Normalerweise gehe ich um 10 Uhr abends schlafen“, sagt Sonia Leesberg: „Aber in diesem Fall ist es mir das Aufbleiben wert.“ Strähnchen und Schneiden, „ganz klassisch“, deshalb sei sie hier. „Wir sind schon lange mit Marco befreundet. Er hat mir damals auch meine Hochzeitsfrisur gemacht.“

Auch Leesberg, die zusammen mit ihrem Mann in Neheim ein Modegeschäft betreibt, erzählt diese Geschichte wieder und wieder. Manche schreiben sie in ihren Block. Andere halten ihr das Mikrofon hin.

Strähnchen und schneiden, „ganz klassisch“ – Sonia Leesberg gehörte zu den ersten Kunden bei Marco Trapani.
Strähnchen und schneiden, „ganz klassisch“ – Sonia Leesberg gehörte zu den ersten Kunden bei Marco Trapani. © Schaper © Schaper

Polizei fährt schon vor Mitternacht langsam vorbei

Was ist da los? Schon um 23.20 Uhr fährt ein Polizeiauto extrem langsam am Friseursalon vorbei. Doch draußen tragen alle Maske, halten Abstand. Und rein dürfen die Kamerateams und Fotografen nur einzeln. Nachdem sich alle die Hände desinfiziert und sich in Listen eingetragen haben.

Gut zwei Stunden sind Trapani und seine Mitarbeiterin Pia Pinkowski in dieser Nacht im Einsatz. Genug Zeit also, in der sich die Menschen mit den Kameras abwechseln können im Salon.

Herzchen-Konfetti und „The Final Countdown“

Die Szene um 0.01 Uhr konnten sie alle von draußen filmen: Zu „The Final Countdown“ schossen Trapanis Mitarbeiter Herzchen-Konfetti in die Luft. Auch um für sich selbst zu feiern, dass es endlich wieder losgehen kann, dass die Schließungszeit vorbei ist.

Dann durften die Kunden über einen roten Teppich in den Salon.

Auch Pia Pinkowski legte in der Nacht die Schere bei Kunden an. Immer dabei im Salon: die Fernsehteams.
Auch Pia Pinkowski legte in der Nacht die Schere bei Kunden an. Immer dabei im Salon: die Fernsehteams. © Schaper © Schaper

„Freue mich, dass es wieder losgeht“

„Ehrlich gesagt, bin ich schon ein bisschen nervös“, hatte Friseurin Pinkowski kurz vor Mitternacht verraten. So viele Kameras? Puh. „Aber ich freue mich, dass es wieder losgeht – und auch, das mit der Welt teilen zu können.“

Und sie freue sich darauf, bald selbst wieder einen Haarschnitt zu bekommen. „Ich hätte es natürlich selbst machen können, aber mitgefangen mitgehangen: Wenn die anderen nicht schön aussehen können, dann ich auch nicht“, sagt die 28-Jährige und lacht.

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Redaktion Dortmund
Jahrgang 1977 - wie Punkrock. Gebürtiger Sauerländer. Geborener Dortmunder. Unterm Strich also Westfale.
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