So sah vor dem Mietshaus, in dem Muradiye Üzgün wohnt noch vor ein paar Wochen aus, dann haben die Bewohner selbst aufgeräumt. © privat
Missstand

„Ratten so groß wie Katzen“ – Scharfe Kritik an Wohnungsunternehmen

Müllberge, Ratten und Spritzen im Hausflur: Mieter in der Münsterstraße werfen einem Wohnungsunternehmen vor, sich nicht um die Zustände in ihrem Haus zu kümmern. Das reagiert auf die Vorwürfe.

Die Müllberge stapeln sich auf den Bildern, die Muradiye Üzgün zeigt. Offene Tüten quellen aus dem Betonverschlag hervor. „Das lockt natürlich auch Ratten an“, sagt die Bewohnerin der Münsterstraße 202 und zeigt auf Löcher neben der Eingangstür. Bis man die Schädlinge dann auch zu Gesicht bekommt, muss man nicht lange warten. Sie laufen zwischen den Mülltonnen umher.

Die Mieter der Münsterstraße 202 werfen Belnova Untätigkeit zu. Auch in den Nachbarhäusern gebe es Probleme, sagen sie.
Die Mieter der Münsterstraße 202 werfen Belnova Untätigkeit zu. Auch in den Nachbarhäusern gebe es Probleme, sagen sie. © Lukas Wittland © Lukas Wittland

Der Boden ist mittlerweile weitestgehend von Müll befreit. Dafür hätten die Bewohner selbst gesorgt. Den Dreck auf den Treppen haben sie ebenfalls beseitigt, sagt die 27-Jährige: „Es kommt ja keiner.“ Das ist auch das, was sie dem Düsseldorfer Wohnungsunternehmen Belvona vorwirft, dem das achtstöckige Haus an der Münsterstraße gehört. Bei den Häusern nebenan gebe es ähnliche Probleme, sagt Üzgün und zählt sie auf.

Spritzen im Hausflur

Die Klingel sei kaputt. „Wenn es bei meinem Nachbarn klingelt, schellt es auch bei mir – auch in der Nacht.“ Sie stelle ihre Klingel deshalb immer aus. Neben der Haustür hängen die Kabel aus der Klingelanlage heraus. Die Haustür sei auch so ein Thema. Sie schließe nicht richtig.

Immer wieder habe sie ungebetene Gäste im Haus. Spritzen hätten sie schon im Flur gefunden, sagt Üzgün, die sich Sorgen um ihre Tochter macht. Auch wegen der kaputten Treppe, an der Teile herausgebrochen sind. „Kinder können da schnell stürzen“, sagt sie auf dem Weg in den sechsten Stock.

Den Aufzug kann sie nicht benutzen. Seit April sei er defekt. Bei Nachfragen, wann er repariert werde, heiße es immer wieder, es komme bald jemand. Reparaturen würden ohnehin dauern.

„Ich bin alleinerziehend, ich muss meine Einkäufe alleine die Treppe hochtragen. Das ist schwer für mich. Ich hatte vor kurzem eine Operation, eigentlich dürfte ich gar nicht hochlaufen, aber ich muss.“ Wenn sie oben ankäme, habe sie Kreislaufprobleme und müsse nach Luft ringen, sagt Üzgün.

Nicole Ramzi (r.) und Muradiye Üzgün sind sauer auf Belvona.
Nicole Ramzi (r.) und Muradiye Üzgün sind sauer auf Belvona. © Lukas Wittland © Lukas Wittland

„Ich kann hier nicht mehr leben“

„Ich kann hier nicht mehr leben, ich wollte auch ausziehen, aber wie soll das gehen? Wie soll ich meine Möbel hier rausbekommen? Wie soll das gehen?“, fragt Üzgün.

Nicole Ramzi pflichtet ihr bei. Die 36-Jährige wohnt im achten Stock desselben Hauses. Seit 2008 lebt sie in der Münsterstraße 202. Probleme habe es immer schon gegeben, aber noch nie seien die so lange ungelöst geblieben. Bewohner der Hausnummer 200 hätten mit ähnlichen Missständen zu kämpfen. Auch dort sei der Aufzug kaputt.

Dieses Schild müssen die Bewohner des achtstöckigen Hauses schon seit Wochen lesen.
Dieses Schild müssen die Bewohner des achtstöckigen Hauses schon seit Wochen lesen. © Lukas Wittland © Lukas Wittland

Ramzi überlege wegen des Fahrstuhls schon, welche Wege sie machen müsse, sagt sie. „Man geht schon gar nicht mehr raus und einladen kann man hier auch niemanden mehr. Das kann man ja keinem zumuten. Wir haben hier Ratten so groß wie Katzen“, sagt Ramzi. Wenn sie versuche, Belvona auf Missstände aufmerksam zu machen, sei die einzige Antwort, es sei jemand dafür beauftragt worden.

Belvona reagiert auf die Vorwürfe

„Wir bedauern, dass die Mieter unsere Erreichbarkeit als verbesserungswürdig empfinden. Gerne nehmen wir diesen wertvollen Hinweis auf und werden an der Qualität unserer telefonischen Erreichbarkeit nachschärfen“, antwortet Belvona auf Anfrage unserer Redaktion.

Im Hausflur sammelt sich der Sperrmüll.
Im Hausflur sammelt sich der Sperrmüll. © Lukas Wittland © Lukas Wittland

Die Reparatur des Aufzugs sei bereits im Juli beauftragt worden. Die Firma verweist auf längere Lieferzeiten bei Steuerungselementen, die in diesem Fall kaputt sind.

„Sofern Mieter Hilfe benötigen, bitten wir darum, dass diese sich direkt mit uns in Verbindung setzen. Wir werden dann gerne überlegen, ob wir zu festen Zeiten einen Trageservice – selbstverständlich auf unsere Kosten – anbieten werden“, teilt eine Sprecherin mit, die auch eine Instandsetzung der Treppen verspricht. Dazu seien Angebote eingeholt worden.

Immer wieder Vandalismus im Haus

Der Hausmeister sei regelmäßig vor Ort und übernehme Sichtkontrollen sowie kleinere Instandhaltungen, heißt es von Belvona. Im Haus treten aber immer wieder Vandalismusschäden auf. Sobald diese bekannt würden, beauftrage man umgehend die mit dem Facility-Management betraute Firma, um diese zu beheben, heißt es von Belvona.

„Uns bekannte Mängel werden wir selbstverständlich sukzessive beseitigen. Wir haben das Objekt erst kürzlich in unseren Verwaltungsbestand übernommen. Daher sind wir für jeden weiteren Hinweis sehr dankbar“, schreibt die Belvona-Sprecherin. „Gerne können uns die Mieter auch eine konsolidierte Mängelliste übergeben.“

Das Problem mit dem Müll und den Ratten sei aber schon bekannt und ein Schädlingsbekämpfer beauftragt worden. „Zudem werden wir unsere Mieter noch einmal über die vorzunehmende Mülltrennung schriftlich informieren“, heißt es von der Sprecherin.

Abschließbarer Müllplatz sei geplant

Man habe außerdem einen abschließbaren Müllplatz geplant, der bald gebaut werden soll. Man gehe aufgrund der Menge des Mülls nämlich davon aus, dass dieser teilweise auch von Menschen, die nicht im Haus wohnen, „wild“ abgeladen werde.

Muradiye Üzgün hofft, dass diese Versprechen so auch umgesetzt werden. Zuletzt seien noch ihr Keller aufgebrochen und ihre Einkäufe geklaut worden.

Für die 27-jährige alleinerziehende Frau bedeutet das, dass ihr viel Geld verloren geht, das sie dringend braucht. Sie pflegt schließlich auch ihre Mutter. Hinzu kommt die Belastung mit den Mängeln im Haus. „Ich will hier nicht eigentlich nicht leben, aber ausziehen kann ich nicht. Ich hoffe einfach, dass es besser wird.“

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