Pfarrer i.R. Friedrich Enste ist für Siegfried Waniek aus Wamel ein Corona-Held, weil er Senioren in der Corona-Pandemie besucht und ihnen auf diese Weise Trost spendet. © Andreas Schröter
Corona-Helden

85-jähriger Pfarrer leistet Menschen im Seniorenheim Gesellschaft

Wer ist ein Corona-Held? Für Siegfried Waniek ist es ein 85-jähriger Pfarrer aus Wambel, der Menschen im Seniorenheim besucht und ihnen auf diese Weise Trost spendet - mitten in der Corona-Pandemie.

Wir haben unsere Leser aufgerufen, uns ihre ganz persönlichen Corona-Helden zu nennen – also Menschen, die während der Pandemie Außergewöhnliches geleistet und damit anderen geholfen haben.

Siegfried Waniek (93) aus Wambel schlägt dafür den katholischen Pfarrer i.R. Friedrich Enste (85) vor, der vor seinem Eintritt in den Ruhestand im Jahr 2005 in der Wambeler Meinolfus-Gemeinde tätig war. Enste besucht regelmäßig das Karola-Zorwald-Seniorenheim der Awo an der Sendstraße und betreut dort 12 bis 15 Senioren.

Andere Wambeler, die nicht im Heim leben, besucht er zu Hause, sodass er insgesamt auf 30 Gemeindemitglieder kommt, um die er sich kümmert.

Zuhören, beten, die Heilige Kommunion empfangen

„Ich mache mir kein Konzept vor einem solchen Besuch“, sagt Enste, den wir in seinem sonnendurchfluteten Garten am Breierspfad in der Nähe des Knappschaftskrankenhauses treffen, „jeder Besuch verläuft ein bisschen anders als der andere.“

Viele Senioren wünschten sich einfach nur, dass jemand da sei, der ihnen zuhöre und dem sie zum Beispiel ihre Krankheitsgeschichte erzählen könnten, andere wollten gemeinsam mit dem Pfarrer beten, wieder andere die Heilige Kommunion empfangen. Enste hat die sakralen Dinge, die für dieses Ritual nötig sind, immer dabei, aber er bietet sie nicht offensiv an, sagt er, weil das auf einige Senioren auch abschreckend wirken könne.

Corona-Helden sind Menschen, die anderen durch die Pandemie helfen. Wir suchen Ihren persönlichen Corona-Helden! © Björn Ohlrich © Björn Ohlrich

Was nach wie vor ein Problem sei, sei der unmittelbare Körperkontakt. Einige, die er besucht, litten unter Demenz und wünschten sich nichts sehnlicher, als dass ihnen einfach mal jemand die Hand hielte. Natürlich müsse er weiter die Corona-Regeln einhalten, so Enste, und tue das ganz penibel.

Schlimm sei nicht nur für die Heimbewohner vor allem die Zeit des ersten Lockdowns im Frühling 2020 gewesen – sondern auch für ihn selbst. Die regelmäßigen Besuche hätten ihm gefehlt.

Demnächst sind wieder Gottesdienste geplant

Mittlerweile lockert sich die Situation in den Seniorenheimen etwas, weil fast alle Bewohner doppelt geimpft sind. Auch Enste selbst hat bereits beide Impfungen erhalten. Deswegen sollen im Karola-Zorwald-Heim ab Mai wieder kleinere Gottesdienste stattfinden, die es seit März 2020 nicht mehr gegeben hat.

Friedrich Enste, der im kommenden Jahr bereits seit 60 Jahren als Pfarrer tätig sein wird, war in seiner langen beruflichen Laufbahn unter anderem Krankenhausseelsorger und hat dabei den Umgang mit Kranken und sogar Sterbenden erlernt.

So sieht die Corona-Held-Urkunde aus, die Sie vergeben können. © Grafik © Grafik

Auch habe ihm sehr ein Seminar zum Thema geholfen, das er in den 70er-Jahren einmal besucht habe. Wichtig sei bei dieser Tätigkeit vor allem, dass man den Menschen gut zuhören könne. Aber wie dem auch sei, er habe offenbar ein Händchen dafür. Einmal – zu Weihnachten – sei es ihm sogar gelungen, zwei ältere Damen wieder zueinander zu bringen, die zuvor eine kleine Feindschaft gepflegt hatten.

Friedrich Enste ist auch bekannt als wichtigster Kümmerer für die Ferienfreizeiten in Warstein, die die Meinolfus-Gemeinde jahrzehntelang angeboten hat. Ein Verein namens „Viktoria mit Herz“ möchte diese Tradition wieder aufleben lassen.

Wer ist Ihr persönlicher Corona-Held?

Wir suchen echte Corona-Heldinnen und -Helden. Haben Sie Ihren Mitmenschen auf besondere Art und Weise durch die Krise geholfen? Oder gibt es jemanden, dem Sie für seine Unterstützung danken möchten? Dann melden Sie sich unter redaktion.dortmund@lensingmedia.de. Wir erzählen ab sofort kleine und große Helden-Geschichten.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Ich fahre täglich durch den Dortmunder Nordosten und besuche Menschen, die etwas Interessantes zu erzählen haben. Ich bin seit 1991 bei den RN. Vorher habe ich Publizistik, Germanistik und Politik studiert. Ich bin verheiratet und habe drei Töchter.
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