Brackel war durch den Flughafen von besonderer Bedeutung für die Nationalsozialisten. 80.000 SA-Angehörige zogen 1933 durch Brackel. © Archiv Stangl
Es war einmal in Brackel

Als die Nazis das Schicksal des Brackeler Flughafens besiegelten

Mit der Machtübernahme der Nazis begann der Niedergang des Brackeler Flughafens - die Flughafenverwaltung beäugte die „proletarisch-pöbelhafte Entwicklung im Land“ kritisch.

Die Straßen sind festlich geschmückt. Die Brackeler versammeln sich auf den Straßen, blicken von ihren Balkonen, sind ganz aus dem Häuschen. Der 9. Juli 1933 ist ein ganz besonderer Tag für die Bürger: Adolf Hitler, vor Kurzem an die Macht gekommen, stattet dem Ort einen Besuch ab. Das muss würdig begleitet werden, findet man damals: 80.000 SA-Angehörige marschieren zum Flugplatz, wo Hitler eine Rede im Rahmen des Gautages hält.

„Die Macht haben wir. Niemand kann uns heute Widerstand entgegensetzen“, heißt es in der Rede, aber auch: „Nun aber müssen wir den deutschen Menschen für diesen Staat erziehen.“

Flughafenchef ist skeptisch – ihm wird die Macht entzogen

Doch nicht alle folgen den Nationalsozialisten und ihren Machenschaften. Mit großer Skepsis beobachtet die Flughafenleitung eine „proletarisch-pöbelhafte- Entwicklung“ im Land und besonders in Brackel, denn der Flughafen war von zentraler Bedeutung für die militärischen Pläne der Nazis.

Nach der Machtübernahme gelang es den Nationalsozialisten, die Position des Flughafenchefs Sommer allmählich zu unterdrücken, indem die Polizei am 6. März ohne sein Wissen auf dem Flughafen die Hakenkreuzfahne hisste. Dahinter stand vor allem die SA.

Adolf Hitler persönlich landete am dem Brackeler Flughafen.
Adolf Hitler persönlich hielt am Brackeler Flughafen eine Rede. © Archiv Stangl © Archiv Stangl

Eine Woche später, am 12. März, ließ Sommer offiziell und feierlich die alte deutsche Fahne zusammen mit der Hakenkreuzfahne hissen. Dieser Versuch einer Versöhnung zeigt an, unter welchem Druck die Flugleitung stand.

Brackeler Flugplatz ist Leithorst im östlichen Ruhrgebiet

Zum Zeitpunkt des großen Aufmarsches war der Fliegerhorst in Brackel bereits ein „Leithorst“ im östlichen Ruhrgebiet, das „Flughafenbereichs-Kommando Dortmund“ betreute die nahegelegenen Fliegerhorste und Feldflughäfen etwa in Werl, Lippstadt, Schwerte, Hengsen, Störmede, Hagen und Menden sowie den damals schon existierenden Feldflughafen Dortmund-Wickede.

Eine Militärparade am Brackeler FLughafen.
Die Militärparade am Brackeler Flughafen. © Archiv Stangl © Archiv Stangl

Von Brackel aus betreut wurden ebenso die Luftschutzwarnkommandos, die „Wakos“ für Dortmund und Umgebung. Flakbatterien, Radar- und Kommunikationsbatterien wurden angeschafft. Die dienten dem Objektschutz für den Fliegerhorst. Kasernenbauten wurden mit Turnhalle, Schwimmbad, Sportplätzen und Schießständen im Kurler Busch errichtet.

Rund 1000 Soldaten zogen mit ihren Familien in die Kasernen und Wohnblocks ein – benannt wurden sie nach dem Jagdflieger Manfred von Richthofen. Auch die Flughafenstraße hieß damals noch Manfred-von-Richthofen-Straße.

Transportflugzeuge im Dauereinsatz

Nun wurde auf dem Fliegerhorst zunächst das Horst-Wessel-Geschwader und später auch das Nachtjagdgeschwader NJ1E stationiert. Luise von Winterfeld, von 1916 bis 1950 Leiterin des Dortmunder Stadtarchivs, schreibt in ihren Kriegsberichten: „Alarm um 3 Uhr früh. Die Maschinen fliegen ununterbrochen vom Tagesgrauen bis in den Abend hin und her. Sie sollen hauptsächlich Benzin für Flieger, Autos und Panzer befördern und auf dem Rückflug Verwundete zurückbringen. Ich konnte sehen, wie eine Junkers 87 beladen wurde: eine Karre, zwei Pferde und etwa 30 Mann.“

Viele Fallschirmjäger und Luftlandetruppen sind von Dortmund aus verladen worden. Auf dem Fliegerhorst Brackel standen jeweils des Abends bis zu 200 Transportmaschinen startbereit. Von 1941 bis 1944 war Brackel ausschließlich von Jagdtruppen belegt, die aus den Kampfgebieten zur „Auffrischung“ zurückverlegt wurden.

Zunächst bauten die Nazis einen Militärflughafen am östlichen Ende des Geländes - zum Kriegsbeginn wurde dann auch der zivile Teil militärisch genutzt.
Zunächst bauten die Nazis einen Militärflughafen am östlichen Ende des Geländes – zum Kriegsbeginn wurde dann auch der zivile Teil militärisch genutzt. © Archiv Stangl © Archiv Stangl

Das letzte Flugzeug hob am 28. März 1945 ab. Den Deutschen war mit der Besetzung durch die Briten die Produktion, Entwicklung und das Betreiben von Flugzeugen verboten. Bevor die Deutschen sich jedoch ganz zurückzogen, hatten sie die Startbahn, das Flugfeld und einige Gebäude gesprengt, um den Platz für die Briten unbrauchbar zu machen – 600 Bombentrichter mussten daraufhin aufgefüllt werden.

Der Brackeler Flughafen war innerhalb weniger Jahre immens gewachsen – mit dem Kriegsende war sein Schicksal abrupt besiegelt.

In unserer Serie „Es war einmal in Brackel“ beschäftigen wir uns mit der Geschichte des Stadtteils. Anneliese Stangl, geschichtsinteressiert und gebürtige Brackelerin, lässt uns dafür in ihr Archiv blicken. In regelmäßigen Abständen veröffentlichen wir historische Beiträge aus und rund um Brackel.

Über die Autorin
Volontärin
Geboren in Hamm, dann ausgezogen in die weite Welt: Nach ausgiebigen Europa-Reisen bin ich in meine Heimat zurückgekehrt und berichte nun über alles, was die Menschen in der Gegend gerade bewegt.
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