Die SPD in Wickede und einige Anwohner versammelten sich jetzt am neuen Legendenschild zu Ehren Karl Wetzels an der gleichnamigen Straße - unter anderem mit der neuen Ratsvertreterin Anna Spaenhoff (r.), dem noch amtierenden Ratsvertreter Friedhelm Sohn (2.v.r.) Karl Wetzels Enkel Karlheinz Wetzel (3.v.r.) und SPD-Bezirksvertreter Dirk Sanke (5.v.r.). © Andreas Schröter

Besondere Ehrung für „den guten Menschen von Wickede“

Nach dem ersten SPD-Ratsmitglied aus Wickede, Karl Wetzel, ist seit vielen Jahren eine Straße benannt. Nun informiert ein Legendenschild über einige Eckdaten aus Wetzels Wirken.

Die Karl-Wetzel-Straße gibt‘s in Wickede schon seit den 60er-Jahren. Doch erst jetzt erhielt sie ein Legendenschild, das Auskunft darüber gibt, wer der Namensgeber überhaupt war.

Karl Wetzel lebte von 1879 bis 1953 und war SPD-Mitglied. Seine Frau, fünf Jahre jünger als er, starb 1963. Das Ehepaar hatte sechs Kinder und wohnte an der heutigen Steinbrinkstraße.

Dort lebt sein Enkel Karlheinz Wetzel noch immer. Bei einer kleinen Einweihung des neues Schildes, das die Bezirksvertretung Brackel finanziert hatte, war er ebenso anwesend wie einige Anwohner und SPD-Politiker.

Fristlose Kündigung nach Machtergreifung Hitlers

Wetzel gründete 1901 die SPD in Wickede und wurde 1919 Gemeindevorsteher sowie Amtmann in Brackel. Später war er auch Mitglied im Provinziallandtag. Hauptberuflich war er als Wohlfahrtsbeamter tätig. Auch wirkte er in vielen Wickeder Vereinen mit.

So sieht das neue Legendenschild an der Einmündung zum Karl-Wetzel-Weg vom Altwickeder Hellweg aus
So sieht das neue Legendenschild an der Einmündung zur Karl-Wetzel-Straße vom Altwickeder Hellweg aus. © Andreas Schröter © Andreas Schröter

Mit der Machtergreifung Hitlers 1933 wurde ihm fristlos gekündigt. Sein Enkel beschreibt, wie schwierig diese Zeit für die Familie war, denn sie musste von heute auf morgen gänzlich ohne Einkommen leben.

Der Hof, den die Familie bewirtschaftete, diente fortan ausschließlich der Selbstversorgung. Außerdem erhielten die Wetzels Hilfe von ihren Nachbarn.

Ein besonders dunkles Kapitel folgte 1944, als Wetzel im Rombergpark erschossen werden sollte. Noch heute ist nicht gänzlich klar, wie er dem entgehen konnte. Ein Gerücht besagt, dass zu der Zeit nur noch halbwüchsige Jungs zur NSDAP gehörten. Und als die Wetzel abholen wollten, habe er, der er ein stämmiger und kräftiger Mann war, sie einfach weggeschickt. In einem anderen Gerücht heißt es, er sei vorher gewarnt worden.

Briten setzten Wetzel als Bürgermeister ein

Nach Kriegsende setzten die Briten ihn als Bürgermeister ein, und er wurde wieder bei der Stadt angestellt. Bei der ersten Ratswahl nach Kriegsende 1946 war er Alterspräsident. Er blieb bis 1952 Ratsmitglied. Oberbürgermeister Fritz Henßler verabschiedete ihn damals.

Anna Spaenhoff, als frischgebackenes SPD-Ratsmitglied in dieser Funktion quasi eine direkte Nachfolgerin Wetzels, bedankte sich in einer kurzen Ansprache besonders beim Wickeder SPD-Bezirksvertreter Dirk Sanke, der sich für die Anbringung des Legendenschildes eingesetzt hatte.

Der wies seinerseits auf das kleine Denkmal zu Ehren Karl-Wetzels hin – ein Findling -, das sich in der Thurmacker-Siedlung befindet, für deren Bau mit Geld aus dem Marshall-Plan sich Wetzel eingesetzt hatte.

Karl Wetzel sei zu seinen Lebzeiten für seine besondere Hilfsbereitschaft bekannt gewesen. So habe er Kriegsflüchtlingen zum Beispiel Jobs im Bergbau vermittelt. Man könne ihn mit Fug und Recht als „den guten Menschen von Wickede“ bezeichnen.

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Redaktion Dortmund
Ich fahre täglich durch den Dortmunder Nordosten und besuche Menschen, die etwas Interessantes zu erzählen haben. Ich bin seit 1991 bei den RN. Vorher habe ich Publizistik, Germanistik und Politik studiert. Ich bin verheiratet und habe drei Töchter.
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