Oliver Trosse gibt sein Autohaus an der Evinger Straße 210-212 Ende Februar auf. © Andreas Schröter
Einzelhandel

Ein weiterer Händler im Evinger Zentrum gibt auf

Das Evinger Zentrum muss einen Schicksalsschlag nach dem anderen verdauen. Nach der Ankündigung der Real-Schließung gibt nun ein weiterer alteingesessener Händler das Aus bekannt.

Nach der Ankündigung zur Schließung des Real-Marktes Ende September muss das Evinger Zentrum nun den Verlust eines weiteren langjährigen Händlers und Dienstleisters verkraften. Oliver Trosse, Inhaber des gleichnamigen Autohauses, hat Grundstück und Gebäude an der Evinger Straße 210-212 mit Wirkung zum 1. März verkauft.

Schon jetzt ist die große Verkaufshalle, in der sonst die Neuwagen standen, leer. Er habe nur noch einen einzigen Wagen, den er verkaufen könne, sagt der 60-Jährige, der das Autohaus 1999 von seinem Vater übernommen hat. Der Vater war 1970 an der Evinger Straße gestartet.

„Der Branche ist es schon vor Corona nicht gut gegangen“

Seiner Branche sei es auch schon vor Corona nicht gut gegangen, sagt Trosse. Für einen Ölwechsel oder eine Inspektion gingen die Kunden lieber zum Schrauber um die Ecke, während sie eine zeitaufwendige Fehlersuche den Autohäusern überließen.

Das Autohaus Trosse hat es die längste Zeit an der Evinger Straße gegeben. Wer dort einzieht, ist unklar
Das Autohaus Trosse hat es die längste Zeit an der Evinger Straße gegeben. Wer dort einzieht, ist unklar. © Andreas Schröter © Andreas Schröter

„Aber daran können Sie doch nichts verdienen“, sagt Trosse. Hinzu komme, dass viele Kunden immer anspruchsvoller würden, auch bei Kleinigkeiten mit ihrer Rechtschutzversicherung drohten oder fette Rabatte verlangten – mit dem Argument, sie seien dem Betrieb doch schon lange treu. Es rechne sich nicht mehr, das Autohaus weiterzuführen.

Auch gebe es bei der Renault-Nissan-Mitsubishi-Allianz, die er vertrete, strategische Entscheidungen, die ihm nicht in die Karten spielen. Mitsubishi wolle sich künftig mehr auf den asiatischen Markt konzentrieren und keine neuen Modelle mehr in Europa herausbringen. Nissan setze vor allem auf dem amerikanischen Markt, bleibe also nur noch Renault für Europa.

Die neun Mitarbeiter, die im Autohaus Trosse beschäftigt waren, werden künftig entweder arbeitslos sein oder haben sich bereits umorientiert. Was er selbst mache, wisse er noch nicht, sagt Oliver Trosse. Vielleicht werde er Privatier, vielleicht arbeite er aber auch in einem der Betriebe von guten Freunden in der Medizin- oder Baubranche mit.

Auch wenn er letztlich froh sei, den Stress mit dem Autohaus von der Backe zu haben, bedanke er sich sowohl bei den vielen Stammkunden als auch beim Evinger Gewerbeverein, mit dem er immer gut zusammengearbeitet habe.

Wie Grundstück und Räume an der Evinger Straße 210-212 künftig genutzt werden, ist unklar. Er habe alles an einen Gebrauchtwagenhändler aus Hamburg verkauft, sagt Oliver Trosse. Aber ob der es selbst nutze, wisse er nicht. Er bietet es momentan jedenfalls bei E-Bay-Immobilien unter der Überschrift „Werkstatt mit Stellplätzen zu vermieten“ für 3950 Euro monatlich an – verfügbar ab März.

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Redaktion Dortmund
Ich fahre täglich durch den Dortmunder Nordosten und besuche Menschen, die etwas Interessantes zu erzählen haben. Ich bin seit 1991 bei den RN. Vorher habe ich Publizistik, Germanistik und Politik studiert. Ich bin verheiratet und habe drei Töchter.
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