Uwe Schaub ärgert sich über Vonovia, denn während eines Notfalls soll die Vermieterin über Stunden nicht erreichbar gewesen sein. © Schaper
Mieter-Ärger

Mieter-Frust über Probleme nach Sturmschaden – Vermieter räumt Wartezeit ein

Uwe Schaub und Sven Wagner bemängeln Kommunikationsprobleme beim Vonovia nach einem Sturmschaden. Der Vermieter begründet den Vorgang.

Der Evinger Uwe Schaub und Sven Wagner aus Scharnhorst kennen sich nicht, sind sich bis jetzt auch nie begegnet. Und was beide bisher gemeinsam hatten war, dass die Dortmunder Mieter der Vonovia sind. Schaub wohnt in der Ötztaler Straße 2, Wagner hingegen in einer Wohnung am Mödershof.

Ein Sturmtief mit starken Böen, das Ende März über Dortmunds Norden hinwegfegte, sorgte aber dafür, dass Uwe Schaub und Sven Wagner an diesem Tag ganz ähnliche Erfahrungen machen sollten.

Es war an jenem Samstag (27.3.) gegen 11 Uhr, da staunte Uwe Schaub nicht schlecht, als er es plötzlich weiße Flocken regnen sah. Was zuerst nach einem Wetterumsturz aussah, entpuppte sich laut Schaub aber schnell als etwas anderes.

Es regnete Dämmmaterial

„Ich dachte, ich stände im Schnee, aber dann bemerkte ich, dass diese Flocken wohl Dämmmaterial waren, das es vom Flachdach des Hauses regnete“, erzählt der 65-Jährige.

Das Sturmtief, das erst wenige Minuten zuvor über Eving hinweggebraust war, hatte das Dach des Hauses Ötztaler Straße 2 großflächig abgedeckt. Schaub rief umgehend bei der Hotline der Vonovia an, um den Schaden zu melden. „Über 20 Minuten hing ich in der Warteschleife fest, anstatt eines Ansprechpartners war immer nur eine Bandansage zu hören“, so Schaub.

Tür verschlossen

Irgendwann sei ihm die Lust vergangen, er habe die Feuerwehr gerufen. Die sei dann auch schnell gekommen und habe einen Dachdecker hinzugerufen, um das aufgerollte Flachdach des Hauses in den Griff zu bekommen.

Über das Treppenhaus zum Dach zu gelangen, habe aber nicht funktioniert, denn eine schwere Eisentür, die einen direkten Zugang zum beschädigten Teil des Hauses gewährleistet hätte, sei verschlossen gewesen, wie Uwe Schaub berichtet.

Und während ein Teil der Einsatzkräfte mit einem Leiterwagen mit Korbausleger zum Dach hochgefahren sei, um das Dach zu sichern, habe man laut Schaub am Boden weiter versucht, bei der Vonovia jemanden zu erreichen.

Dachpfannen-Bombardement

Zur selben Zeit warteten an diesem Tag die Blauröcke in Scharnhorst auf das Ende des Einsatzes der Kollegen in Eving. Denn auch dort wurde der Einsatzwagen mit dem schwenkbaren Korb benötigt, um ein vom Sturm abgedecktes Hausdach zu sichern.

Gegen 11.20 Uhr hatte Vonovia-Mieter Sven Wagner die Feuerwehr zum Haus Mödershof 2 – 6 gerufen. Laut Wagner habe der Sturm dort rund 30 Meter an Dachpfannen abgeräumt.

„So etwas hatte ich noch nie erlebt. Es regnet Dachziegel, im Radius von 50 Metern um das Haus herum knallten sie auf den Boden. Es war wie bei einem Bombardement“, sagt Wagner.

Sven Wagner hielt die Szenerie um das Haus Mödershof 2-6 nach dem Sturmschaden fest. Es hatte zahlreiche Dachziegel vom Hausdach geregnet. © Sven Wagner © Sven Wagner

Niemand zu erreichen

Er habe sofort versucht, einen Verantwortlichen bei der Vonovia zu erreichen, aber weder den Hausmeister ans Telefon bekommen, noch über die Hotline einen Ansprechpartner gekriegt.

Polizei und Feuerwehr seien aber schnell vor Ort gewesen. Und während des laufenden Einsatzes hätten die Ordnungskräfte beim erneuten Versuch, die Vonovia zu erreichen, dann Erfolg gehabt.

„Gegen 16 Uhr war dann jemand von der Vonovia vor Ort, der zwei Stunden brauchte, um einen Dachdecker herzubekommen, der die losen Pfannen sichern sollte“, erzählt Wagner.

Vonovia räumt Ausnahmesituation ein

Bei der Vonovia räumt man auf Anfrage unserer Redaktion ein, dass an jenem Samstag nicht alles rund gelaufen sei. „Bei der allgemeinen Kunden-Hotline hatten wir am 27.3. aufgrund der überregional sehr stürmischen Witterung tatsächlich deutlich erhöhte Wartezeiten zu verzeichnen“, sagt Vonovia-Sprecher Matthias Wulff.

Er sagt aber auch: Einen direkten Kontakt zum Notfall-Team habe man aber bekommen können, wenn man im vorgeschalteten Sprachmenü einen „technischen Notfall“ angegeben hätte.

Schadenshöhe noch nicht ermittelt

„Die Anrufe von Feuerwehr beziehungsweise Polizei kamen in unserer Notruf-Zentrale ohne Verzögerung rein. Diese Hotline ist 24 Stunden besetzt“, so Wulff.

Ein Versagen des Hotline-Angebots sieht man bei der Vonovia nicht.

„Es war an dem Wochenende bei der ernsten Wetterlage zwar für alle schwierig, schnell Handwerker zum Gebäude zu bekommen – aber wir freuen uns, dass keine Menschen zu Schaden gekommen sind“, erklärt der Pressesprecher.

Die Kosten für die Reparaturen könne die Vermieterin derzeit noch nicht bemessen – aber das Wichtigste sei, dass niemand verletzt wurde und die Mieterinnen und Mieter mit dem Schrecken davon gekommen wären. Die nachfolgenden Prüfungs- und Reparaturarbeiten an den Häusern liefen nun wie geplant.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Fabian Paffendorf, Jahrgang 1978, kam 2003 zum Journalismus. Ursprünglich als Berichterstatter im Bereich Film und Fernsehen unterwegs, drehte er kleinere Dokumentationen und Making-Of-Berichte für DVD-Firmen. In diesem Zusammenhang erschienen seine Kritiken, Interviews und Berichte in verschiedenen Fachmagazinen und bei Online-Filmseiten. Seit 2004 ist der gebürtige Sauerländer im Lokaljournalismus unterwegs. Für die Ruhr Nachrichten schreibt er seit Herbst 2013.
Zur Autorenseite
Avatar
Lesen Sie jetzt