Wenig los vor Ort: Nur ein Bruchteil der normalen Schülerzahl besucht derzeit den Präsenzunterricht an Dortmunds Bildungseinrichtungen. Das war am Montag am Schulzentrum Asseln mit dem Immanuel-Kant-Gymnasium und der Max-Born-Realschule nicht anders. © Oliver Schaper
Coronavirus

Überraschung, Ärger und Kritik: Der Schulstart in Dortmunds Nordosten

Die Ferien sind vorbei und der Schulbetrieb läuft wieder - wenn auch nicht überall gleich. Zur Umsetzung haben die Leiter der weiterführenden Schulen im Nordosten eine einhellige Meinung.

Die Corona-Tests sind da, einige Schüler auch: Nach den Osterferien haben die weiterführenden Schulen in Dortmunds Nordosten den Betrieb wieder aufgenommen. Bei der Umsetzung haben die Schulen gewisse Freiheiten, die sie unterschiedlich nutzen. Einig sind sich die leitenden Kräfte der Bildungseinrichtungen aber bei mehr als einem Punkt.

Der Unterricht an Dortmunds Schulen läuft wieder. Allerdings im Distanzunterricht für alle Schüler, die sich nicht in einem Abschlussjahrgang befinden. Vor den Osterferien sollte noch Präsenzunterricht im Wechsel für alle stattfinden. Erst am vergangenen Donnerstagabend teilte das Bildungsministerium Nordrhein-Westfalens mit, dass nach den Osterferien zunächst eine Woche Distanzunterricht stattfinden sollte, mit Ausnahme der Abschlussjahrgänge. Das ließ Schulen und Lehrkräften kaum Zeit für Vorbereitungen.

Entsprechend gedämpft war die Begeisterung über diesen Vorstoß am Geschwister-Scholl-Gesamtschule in Brackel. „Vor Beginn der Ferien war Wechselunterricht angekündigt. Wir sind davon ausgegangen, dass wir dann auch damit starten“, erklärt Schulleiterin Dr. Christina Neder. „Das ist dann natürlich suboptimal, wenn die Information zwei Tage vorher kommt, dass das nicht so ist.“ Ihr Lehrerkollegium habe sich bis zu diesem Zeitpunkt auf Wechselunterricht vorbereitet. Diese Vorbereitungen waren nun umsonst.

„Aber was wir gelernt haben in dieser Situation, ist, dass man Dinge hinnimmt, wie sie sind“, sagt Dr. Christina Neder. „Das heißt, wir haben sehr schnell umorganisiert.“ Rund 270 Schüler waren am Montag am GSG vor Ort, verteilt über die Abschlussjahrgänge und die Notbetreuung der Klassen fünf und sechs. An einem normalen Tag besuchen knapp 1400 Schüler die Brackeler Schule.

Heisenberg-Gymnasium für mehrere Szenarien gewappnet

Am Heisenberg-Gymnasium in Eving hatte Schulleiterin Ulrike Eisenberg mit ihren Kollegen einen Tag vor Bekanntgabe des Wechsels zum Distanzunterricht getagt. „Wir haben für den Fall geplant, dass Wechselunterricht für mehrere Jahrgänge stattfinden kann und für den Fall, dass es Präsenzunterricht nur für die Abschlussjahrgänge gibt“, berichtet sie.

Die Vorsicht hat sich ausgezahlt. Der Abschlussjahrgang Q1 (bis einschließlich 11. Klasse) wird im Wechsel zur Hälfte vor Ort unterrichtet, Abschlussjahrgang Q2 (angehende Abiturienten) kommen nur noch für Unterricht in ihren Abiturfächern in die Schule. Das sind rund 180 Schüler, die am Montag im Heisenberg-Gymnasium unterrichtet wurden – statt rund 1100 wie unter normalen Umständen.

Wechselunterricht für Zehntklässler an der Max-Born-Realschule

An der Max-Born-Realschule (MBR) in Asseln war die Zahl der im Gebäude anwesenden Schüler sogar nur zweistellig. „Wir machen auch mit den Zehntklässlern Wechselunterricht, damit die Lerngruppen nicht zu groß sind“, berichtet die stellvertretende Schulleiterin Andrea-Friederike Diehl.

An der MBR sind die Zehntklässler der einzige Abschlussjahrgang. Etwa 32 von ihnen würden in diesen Tagen vor Ort unterrichtet, aufgeteilt auf drei Lerngruppen. Hinzu kommen 13 Kinder aus den Jahrgängen fünf und sechs, die ihre Distanzaufgaben vor Ort betreut durch einen Lehrer absolvieren.

Gleich nebenan im Asselner Schulkomplex führt Markus Katthagen das Immanuel-Kant-Gymnasium. Als Sprecher der Dortmunder Gymnasien ist er auch mit seinen Amtskollegen eng vernetzt. Sein Kollegium hatte am Donnerstag, vor Bekanntgabe der Kursänderung durch das Bildungsministerium NRWs, den weiteren Unterricht im Wechsel-System geplant.

„Die Pläne werden wir irgendwann auch brauchen, weil wir gewiss nochmal Wechselunterricht haben werden, aber überrascht waren wir schon“, berichtet Katthagen. „Gute Laune kommt da nicht auf.“ Die Schüler, die nun in die Schule kommen, haben keinen Wechselunterricht, sondern bleiben wie gehabt in ihren Kursen. Angehende Abiturienten erscheinen dabei nur zum Unterricht in ihren Abiturfächern.

Schulen haben einen gewissen Handlungsspielraum

„Der Erlass des Ministeriums gibt den Schulen Spielraum und sieht beide Varianten vor“, erklärt Katthagen. „Wenn ein Kurs zu groß ist, wird er bei uns geteilt in zwei Räumen unterrichtet. Viele Kurse in der Oberstufe sind aber nicht so groß, sodass das mit Abstand in einem Klassenraum funktioniert. Andere Schulen haben andere Voraussetzungen, da macht ein Wechselmodell vielleicht Sinn.“

Ohnehin seien seine Kollegen und er „mittlerweile in jedem Modell Profis“, doch das fordere einen hohen Tribut. „Das ist natürlich alles mit viel Aufwand verbunden. Wir haben schon vor den Ferien gemerkt, wie belastend das ist. Das verlangt uns wirklich viel ab“, unterstreicht Katthagen. Am Immanuel-Kant-Gymnasium waren am Montag knapp über 200 von normalerweise rund 1100 Schülern vor Ort.

Vom Berufsverständnis her „nicht auf Distanz gepolt“

Ein Aspekt, der allen vier Lehrkräften am Herzen liegt: „Unser Berufsverständnis ist so, dass wir nicht auf Distanz gepolt sind. Wir möchten Schülern unterstützend an der Seite stehen“, verdeutlicht Katthagen. „Es wäre sehr, sehr schön, wenn wir bald wieder anders arbeiten könnten – so wie wir es uns eigentlich wünschen.“

Und bei noch einem Aspekt sind sich die Pädagogen einig – die Tests bringen Sicherheit und auch deren Anwendung funktionierte am Montag im Großen und Ganzen. Aber: „Eine große Anzahl der Tests ist erst heute angekommen. Da sollte man gucken, dass die Tests zuerst da sind, bevor die Schüler kommen“, berichtet IKG-Schulleiter Markus Katthagen.

Über den Autor
Gebürtiger Dortmunder mit viel Liebe für den großen und kleinen Sport: Hauptsache, es rollt, tickt oder geht ordentlich vorwärts. Ob im Fernsehen, am Spielfeldrand oder selbst mit Ball und Rad unterwegs. Seit 2014 für Lensing Media im Einsatz, erst in Freier Mitarbeit, nun als Volontär.
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