Tim Gebauer spielt heute noch bei Mengede 08/20. © Stephan Schütze
Fußball

Als der „faule Sack“ und „das Gehirn“ Mengede 08/20 zu seinen größten Erfolgen führten

Es war eine Ära, die Trainer Markus Gerwien zwischen 2001 und 2006 bei Mengede 08/20 einleitete. Zusammen feierte der Verein große Erfolge.

Drei Hallenstadtmeistertitel und der Durchmarsch von der Kreisliga A bis in die Landesliga bildeten den Höhepunkt der Ära von Markus Gerwien bei Mengede 08/20. Im Gespräch mit den Ruhr Nachrichten erinnerte sich der ehemalige BVB-II-Spieler an eine im Vergleich zu heute „ganz andere Zeit“, die Erfolge und drei Spieler, die einen Riesenanteil an der Erfolgsgeschichte hatten.

Seine Trainerkarriere, die ihn nach Mengede, Schüren und auch Hombruch führte, begann kurz nach dem Ende seiner Spielerkarriere. „Wie es nicht wenige machen, habe ich diese Schiene gewählt“, sagt Markus Gerwien heute. Im Jahr 2001 heuerte beim A-Kreisligisten an, bei dem er „überragende Bedingungen vorfand, um mit dem Vereinen einen neuen Schritt zu machen“, erzählt er.

Mit „überragende Bedingungen“ meint Gerwien eine „überalterte Mannschaft“. Denn die konnte er sukzessive verjüngen, ganz nach seinen Vorstellungen. „Es war eine Zeit, die mit der heute nicht mehr zu vergleichen ist“, sagt er. Damals habe man junge Spieler auch noch bei kleinen Amateurvereinen in der A-Jugend gefunden, die richtig Talent mitbrachten.

„Unser Schlüssel zum Erfolg war, dass wir sehr junge Talente holten, die mit den Jahren und unseren Aufstiegen gewachsen sind“, so Gerwien. Die jungen Spieler kamen, als Mengede Kreisliga A spielte, gewöhnten sich schnell an das neue Niveau, stiegen auf in die Bezirksliga und entwickelten sich auch dort gut weiter. „Unsere Entwicklung führte uns schließlich bis fast zum Verbandsliga-Aufstieg 2006.“ Nur fünf Punkte trennten den Tabellendritten Mengede damals vom Meister TuRa Rüdinghausen.

Zu diesem Zeitpunkt hatte Mengede 08/20 auch bereits drei Hallenstadtmeistertitel in Dortmund gewonnen – hintereinander. Ein Erfolg, der in dieser Form nur schwierig zu erreichen ist.

Und der auf immer mit Markus Gerwiens Namen verbunden sein wird. Drei weiteren Namen, die ebenfalls einen großen Anteil am Erfolg des Vereins hatten, wollte der Trainer nennen:

  • „Da war Danny Baron, der nachher auch noch für Westfalia Wickede und Westfalia Herne spielte. Er war ein recht kleiner Innenverteidiger, aber hatte sehr viel Fleiß. Er kam nach den Trainingseinheiten immer von sich aus auf uns zu und fragte, ob er noch länger am Platz bleiben dürfe, um zu trainieren.“
  • „Tim Gebauer war einer der untypischsten Fußballer, denen ich je begegnet bin. Er spielte während der A-Jugend nur in der Kreisliga B als Freizeitfußballer. Als ich ihn das erste Mal spielen sah, wunderte ich mich, warum ihn keiner auf dem Zettel hatte. Er war immer einen Schritt schneller, die wichtigste Schachfigur auf dem Feld. Tim musste nie in schwierige Zweikämpfe, weil er die Bälle immer vorher antizipierte. Er war unser Gehirn.“
  • „Und der letzte ist Dominik Behrend: Er hatte das, was andere nicht hatten, auch wenn er ein fauler Sack war. Aber er ist jemand vom alten Schlag. Man konnte ihn um 4 Uhr nachts wecken, egal in welchem Zustand, und er brachte auf dem Platz seine Leistung. Dominik riss immer das Spiel an sich, er war ein klassischer Spielmacher, den es so heute nicht mehr gibt.“

Markus Gerwien könne noch weitere Spieler nennen. „Sie alle, die damals dabei waren. Es war eine traumhafte, unglaubliche Mannschaft, die damals zusammengewachsen ist.“ Nach fünf Jahren war für ihn im Sommer 2006 dann aber Schluss beim Verein.

Hat seine Trainerlaufbahn mittlerweile beendet: Markus Gerwien. © Nils Foltynowicz © Nils Foltynowicz

Gerwien wollte seinen eigenen Weg weiterführen. Er trainierte beim SSV Hagen, war beim BSV Schüren aktiv, stand auch mal in der Jugend beim FC Brünninghausen an der Linie, wo er seine Tochter coachte und beendete seine Trainerkarriere beim Hombrucher SV.

„Ich musste meiner Frau versprechen, dass ich aufhöre, wenn ich 50 bin“, sagt er lachend. Als Trainer wolle er nicht mehr arbeiten, diese Zeit sei vorbei. „Es war eine wunderschöne Zeit, mit vielen guten Erfahrungen, die ich sammeln durfte.“

Über den Autor
Volontär
Nachrichten gibt es überall, jeder kann sie verbreiten. Wahrheitsgemäße Recherche kommt da leider oft zu kurz. Qualitativer Lokaljournalismus ist daher wichtiger denn je. Wer, wenn nicht wir ausgebildeten Lokaljournalisten, berichtet über das, was wirklich in unserer Stadt Gesprächsthema ist?
Zur Autorenseite
Niklas Berkel
Lesen Sie jetzt