Schüren-Trainer Arthur Matlik setzt in den kommenden Spielen auf ein Nachwuchstalent. © Foltynowicz
Fußball-Westfalenliga

BSV Schürens Top-Spieler freut sich: „Vielleicht brauchen die mich nicht mehr“

Der BSV Schüren freut sich über den ersten Saisonsieg. Der Top-Spieler hat nicht viel dazu beigetragen. Und darüber ist er froh.

Der eine ist 35, der andere 21. Der eine fehlte einem Westfalenligisten zuletzt öfter aus guten Gründen, der andere kommt so langsam richtig in Schwung. Zwei zu drei steht es nach Saisontoren. Bahnt sich da im Angriff ein Generationenwechsel oder eine Neuausrichtung (ein gerade auch in der Politik trendender Begriff) an? Der eine hätte gar nichts dagegen, der andere hätte den einen noch gerne etwas dabei.

Der eine heißt Kamil Bednarski, der andere Jonas Schneck, der Verein BSV Schüren. Als der Youngster jetzt beim ersten Saisonsieg, dem 3:0 beim FC Lennestadt, doppelt getroffen hatte, kam der Routinier erst später für ihn rein. Damit hat es sich dann aber auch erst einmal mit der Symbolik, selbst wenn Bednarski mit vielleicht leicht ironischem Unterton sagt: „Wenn Jonas, der wirklich ein toller Junge ist, so weitermacht, brauchen die Schürener mich gar nicht mehr.“ Wobei so richtig wird es nicht klar, ob Bednarski es völlig ernst meint oder eben nicht. Bednarski lässt sich da bewusst nicht völlig in die Karten schauen.

Kamil Bednarski (M.) ist für den BSV Schüren aktiv. © Schaper © Schaper

Das Zitat aber lässt derjenige, der damit einen vermeintlichen Konkurrenten verlieren würde, nicht so stehen. Schneck sagt: „Wir brauchen Kamil sehr wohl noch. Wie er die Bälle verteilt, abschirmt, sie hält, ist ganz große Klasse. Und ich lerne noch ganz viel von ihm.“ Von Anfang an habe Bednarski ihm sehr geholfen. „Wir standen ständig im Kontakt.“ Heißt also: Die beiden Angreifer leben das Miteinander und nicht das Gegeneinander.

Da sich die beiden schon verbal die Bälle gut zupassen, hat Schneck auch zwei gemeinsame Offensivvarianten auf dem Platz im Köcher: „Wir könnten auch vom 4-5-1 ins 4-4-2 wechseln. Ich denke aber, wenn Kamil hinter mir im Mittelfeld das macht, was ihn auszeichnet, und ich mich davor noch weiterentwickle und treffe, funktioniert das auch in unserem System sehr gut.“

Stichwort Entwicklung: Schneck, das Talent mit BVB-Ausbildung, fasste beim Oberligisten ASC 09 Dortmund nicht richtig gut Fuß, wechselte dann zum BSV. Jetzt verkündet er: „Ich bin angekommen.“ Anfangs habe er wegen seines dualen Studiums bei der Polizei Abstriche beim Training machen müssen. „Ich musste bis Ende August während des Praktikums sehr früh aufstehen, war dann im Einsatz und später manchmal auch etwas müde. Jetzt läuft wieder die Theorie und ich fühle mich frisch.“ Und der junge Neuzugang hatte sich dann auch schnell mehr Spielanteile erhofft, kam zunächst aber nur als Einwechselspieler. Dabei hatte Schneck im ersten Spiel in Sodingen das 2:1 erzielt. „Da kam die Vorlage von Kamil.“ Bednarski glich später noch aus.

Jonas Schneck (Mitte) möchte nicht auf Kamil Bednarski verzichten. © Stephan Schütze © Stephan Schütze

Aber diese Konstellation blieb erst ein Modell. „Der Trainer hat mir gesagt, ich solle einfach weiter arbeiten. Dann kämen die Einsatzzeiten schon. Mut machten mir auch Kamil und die anderen Jungs. Sie sind super. Wohlfühlte ich mich von Anfang an, weil mich alle sehr gut aufgenommen hatten.“ Und die Geduld des jungen Mannes scheint sich jetzt auszuzahlen.

Bednarski sieht es auch so und sagt gönnerhaft: „Mit Jonas werden wir noch viel Freude haben.“ Zwar hat er seinen Satz, dass der BSV ihn selbst bald nicht mehr brauchen könnte, wohl wenigstens mit einem kleinen Augenzwinkern gesagt, aber seine Fehlzeiten zum Saisonstart hätten schon auf einen schleichenden Ausklang seiner Karriere hindeuten können. Dafür folgt folgt die Erklärung: „An zwei Spieltagen war ich beruflich verhindert. Jetzt bereitete mir ein Muskel leichte Probleme.“ Und dann der Satz, den sie in Schüren gerne hören werden: „Ich bin ab Sonntag wieder da.“

Während der junge Schneck erzählte, wie ihm der Schnabel gewachsen ist, sichert sich der „Alte Hase“ immer wieder ab, das aber auch nicht 100-prozentig ernst, denn er sollte ja wissen, dass keine Falle auf ihn lauert. Aber: „Ich muss aufpassen, was ich öffentlich sage. Ist das jetzt nur so eine Frage oder schreiben Sie das?“ Ja, wer bei Vereinen wie RW Essen und Wuppertaler SV im Blickpunkt stand, hat lieber Klarheit, was mit seinen Aussagen passiert. Aber jetzt ist er in Schüren, wo sie seinen hintergründigen Humor verstehen, geht er auch damit lockerer um. Die Vorlage, ob ihn auch im hohen Alter noch mehr ausmache als die Routine, die Übersicht, das Ballverteilen oder Ballhalten und die Torgefahr, nimmt er dankbar auf: „Was wollen Sie hören? Nein, das war wirklich alles. Mehr gibt es nicht.“

Seinen positiven Absichtserklärungen für die kommenden Wochen nehmen sie beim BSV allerdings sehr gerne ernst. „Keine Sorge, mir geht’s gut und ich habe auf alle Fälle Lust“, versichert er denjenigen, die Fragen stellten wegen seines häufigeren Fehlens. Dennoch glauben sie ihm sehr wohl die Gedanken ans Karriereende: „Ich habe Familie und Beruf. Irgendwann stellt sich die Frage doch.“ Und der gönnerhafte Satz in Richtung Jonas Schneck klingt dann schon wieder realistischer: „Jonas ist genau der Richtige für uns.“

Hört sich alles nach ganz viel Harmonie im Zusammenleben zweier Fußballergenerationen an. Und ihren Rollentausch, dass der Jüngere offener spricht als der Ältere, führen sie gerne noch einmal fort: Schneck sagt, mit dem BSV wolle er schnell aus dem Keller kommen und weitere Siege einfahren. Bednarski bleibt sich treu: „Ich bin lieber vorsichtig, was ich sage: Aber für die Öffentlichkeit ist es schon bestimmt, wenn ich erkläre, dass wir jedes Spiel gewinnen wollen.“ Und dann stimmt er seinem potenziellen Nachfolger auch offen zu: „Wir wollen mit dem Abstiegskampf nichts zu tun haben. Wenn wir drin bleiben, ist das schon in Ordnung.“

Und vielleicht klappt das ja gerade, weil das Miteinander die BSV-Offensive prägt und kein Gegeneinander.

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Dortmunder Jung! Seit 1995 im Dortmunder Sport als Berichterstatter im Einsatz. Wo Bälle rollen oder fliegen, fühlt er sich wohl und entwickelt ein Mitteilungsbedürfnis. Wichtig ist ihm, dass Menschen diese Sportarten betreiben. Und die sind oft spannender als der Spielverlauf.
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