Manuel Gräfe soll nach der Saison als Schiedsrichter in der Bundesliga aufhören. © Neundorf/Kirchner
Fußball

Bundesliga-Schiedsrichter Manuel Gräfe ist selbst zu alt, um Fußball-Landesliga zu pfeifen

Die Altersgrenze für Profi-Schiedsrichter in Deutschland sorgt für Diskussionen. Was die wenigsten wohl wissen: Es gibt sie auch im Amateurfußball.

Es ist eines der aktuell hoch-brisanten Themen in Fußball-Deutschland: Ist die Altersgrenze für Schiedsrichter noch zeitgemäß?

Aufhänger ist das bevorstehende Karriereende von Top-Schiedsrichter Manuel Gräfe. Sogar Bundesliga-Spieler und -Funktionäre stellen sich hinter den Referee – denn der möchte gar nicht aufhören. Theoretisch dürfte er nicht mal mehr Landesliga pfeifen.

Manuel Gräfe wird im Sommer 2021 47 Jahre alt. Nach den Richtlinien des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) ist für ihn dann Schluss als Schiedsrichter im Profibereich. Nach Ansicht des DFB reichen bei einem 47-Jährigen die Fitness und das Reaktionsvermögen nicht mehr für Fußball in der Bundesliga. Die Referees, die besagtes Alter erreichen, müssen aufhören.

So wird es auch vielerorts im Amateurfußball gesehen – denn auch hier gibt es eine Altersgrenze. In der Bezirksliga liegt sie im Fußball- und Leichtathletikverband Westfalen (FLVW) bei 55 Jahren, bestätigt Markus Schanz, Schiedsrichter-Chef des Fußball-Kreises Dortmund. Ab der Landesliga beträgt sie wie bei den Profis 47 Jahre.

Das bedeutet, auch im heimischen Amateurfußball dürfen Schiedsrichter in gewissen Ligen nicht mehr pfeifen, wenn sie ein gewisses Alter erreicht haben – unabhängig von ihrer Leistung. Ein Top-Schiedsrichter wie Manuel Gräfe dürfte also nicht mal mehr das Dortmunder Derby Türkspor Dortmund gegen den SV Brackel pfeifen.

„Man kann sicherlich darüber streiten“, ob die Altersgrenze noch zeitgemäß ist, sagt Markus Schanz. Denn in erster Linie gehe es um Leistung, und die könne man auch noch bringen, wenn man die Altersgrenze überschritten habe. Er sehe aber auch, dass jüngeren Referees die Grenze zugutekommt, wenn sie dann nach dem Ausscheiden eines älteren Kollegen mehr Einsätze bekommen.

Diese Ansicht teilen nicht alle Fußball-Profis- und -Funktionäre zurzeit, ist aus ihren Statements zum Thema Altersgrenze zu entnehmen. Für sie steht der Leistungsgedanke klar im Vordergrund.

SC Freiburgs Christian Günter: „Einer der besten Schiedsrichter“

„Herr Gräfe ist einer der besten Schiedsrichter in Deutschland, wenn nicht sogar der beste“, sagt Christian Günter, Kapitän des SC Freiburg. „Da muss man mal drüber nachdenken, ob so jemand nicht ein bisschen länger Schiedsrichter sein darf. Er ist fit, hat eine überragende Leitung auf dem Platz. Ich würde da mal eine Lanze brechen und sagen: Bitte lasst ihn noch ein bisschen weitermachen“, erklärt er.

SC Freiburgs Mannschaftskapitän Christian Günter hat sich für Schiedsrichter Manuel Gräfe eingesetzt. © picture alliance/dpa © picture alliance/dpa

Den Ärger der Profis und Funktionäre kann Markus Schanz verstehen. „Auf der einen Seite muss man drüber nachdenken, ob er nicht weitermachen soll, wenn selbst die Profis sagen, dass er der angesehenste Schiedsrichter ist“, so Schanz.

„Auf der anderen Seite ist es aber auch so, dass diese Altersgrenze dem Nachwuchs nutzt“, bleibt er bei seinem Argument. Wenn ältere Referees aufhören, rücken jüngere nach, die in die Fußstapfen reinwachsen können.

Zum konkreten Aus von Manuel Gräfe erklärte Lutz Michael Fröhlich, Sportlicher Leiter der Elite-Schiedsrichter, auf der DFB-Webseite: „Die Entscheidung war für uns sehr schwierig. Aber letztendlich gaben für uns die Aspekte Weiterentwicklung (…) und Strategie in der Kaderplanung den Ausschlag.“ Neben FIFA-Referee Gräfe scheiden in diesem Sommer noch Guido Winkmann und Markus Schmidt aus.

Altersgrenze im FLVW ausgesetzt

Bislang bleibt der DFB hart, möchte die Altersgrenze nicht auflockern, auch wenn man darüber sprechen wolle. Einen Schritt weiter sei man da im Amateurfußball, sagt Schanz. Zumindest für die kommende Saison 2021/22 sei die Altersgrenze im Amateurfußball im FLVW ausgesetzt.

Markus Schanz ist als Kreisschiedsrichterobmann für knapp 300 Schiedsrichter verantwortlich. © FLVW © FLVW

„So möchte man keine Schiedsrichter verabschieden“, erklärt Schanz die Entscheidung. „Deswegen dürfen die Schiedsrichter unabhängig von der Altersgrenze auch kommende Saison pfeifen, wenn sie die Prüfung vor der Saison bestehen.“

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Niklas Berkel
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