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Borussia Dortmund II

BVB-Meistertrainer Enrico Maaßen: Der „anstrengende“ Perfektionist

Der Aufstieg in die 3. Liga ist für die U23 des BVB perfekt. Großen Anteil daran hat Trainer Enrico Maaßen. Er ist im Profifußball angekommen - auf seine Art und Weise. Schritt für Schritt.

Es war der frühe, vorvergangene Samstagabend, die U23 des BVB war gerade als Regionalliga-Erster ins Ziel gekommen, als die gesamte Mannschaft von einigen Ultras am Trainingsgelände zum Tanz aufgefordert wurde. Ein paar Minuten ging das so – die Fans intonierten also ihre Lieder, die Spieler summten und schunkelten vor sich hin, ehe Trainer Enrico Maaßen nach vorne geschoben wurde. Er lächelte, formulierte dann vier, vielleicht fünf schnelle Sätze – und ging zügigen Schrittes wieder davon.

In der Stunde des BVB-Erfolgs: Maaßen zieht sich zurück

Die Bühne sollte seinen Spielern gehören, nicht ihm, dem Cheftrainer. Maaßen, nunmehr zweifach mit dem Regionalliga-Meistertitel gekrönt, schien sich in aller erster Reihe vielmehr deplatziert zu fühlen und tat diesen Job eher pflichtschuldig. Schnell hin, schnell wieder zurück.

Das heißt ausdrücklich nicht, dass der 37-Jährige keine Freude für diesen euphorischen Empfang empfinden konnte. Doch er mochte sich halt nicht exponieren und als Held und, wie es immer heißt, „Meistermacher“ feiern lassen. Da hielt sich Maaßen – nobel – zurück.

BVB-II-Manager Preuß lobt Maaßen

In den Monaten zuvor indes, als noch alles um den ganz großen Erfolg kreiste, sah die Welt anders aus. (Insofern war es zumindest symbolisch richtig, dass der Mann aus Wismar einmal kurz in den Mittelpunkt der Feierlichkeiten rückte.) Denn Maaßen schonte sich beileibe nicht. „Wer Sportlicher Leiter ist und mal mit Enno zu tun hatte, wird merken, dass das sehr, sehr anstrengend sein kann“, erzählt BVB-II-Manager Ingo Preuß. Lachend zwar, doch – wie meistens in solchen Fällen – aus gutem Grund.

Maaßen ist ein penibler Arbeiter, ein Perfektionist. Einer, der an allem feilt – und sei es die externe Kommunikation. Wie der Fußballlehrer in der Öffentlichkeit zitiert wird, segnet er immerzu selbst ab, die Zitate gehen vorab über seinen Tisch. In ähnlicher Manier regelt Maaßen die sportlichen Geschäfte: Er ist immer involviert, immer aktiv, schleift, hilft, gestaltet. „Manche Trainer gehen nach dem Training eine Runde Golf spielen, Enno ist da anders. Das kann manchmal anstrengend sein, doch so ist er halt“, meint Preuß.

Über Drochtersen und Rödinghausen kam Maaßen zum BVB

„Enno meldet sich dann abends, sagt: ‚Ingo, den Spieler müssen wir uns noch anschauen, der hat gute Werte. Und über diesen Spieler hier müssen wir auch noch sprechen.‘ Danach kommt er noch mit Analysen, mit Verbesserungen hier und da. Enno“, so Preuß, „ist fußballverrückt.“

Im Sommer 2018 kam Maaßen, seinerseits diplomierter Sporttherapeut und ausgebildeter Sport- und Fitnesskaufmann, zum SV Rödinghausen, weil er dem Trainer-Dasein dort im Hauptberuf nachgehen konnte. Sein großer Wunsch. Zuvor, in Drochtersen, war der nicht zu erreichen gewesen.

BVB-Trainer Maaßen holt erfahrene Spieler

Beim SVR stärkte Maaßen zunächst die Defensive, entwickelte dann die Offensive und wurde schließlich Meister in der Regionalliga West. Weil es der Verein aus dem Kreis Herford aber unterließ, eine Drittliga-Lizenz zu besorgen, zog der Familienvater weiter. Er hatte seinen Job erfüllt – und mochte sich der nächsten Herausforderung stellen: dem BVB. Einem großen Klub mit vielen jungen Spielern, die er allesamt sortieren, positionieren und einnorden musste für das Ziel Aufstieg.

Maaßen wusste um die Bedeutung von erfahrenen Recken, holte gemeinsam mit Preuß Routinier Niklas Dams (31 Jahre) und Wellenbrecher Franz Pfanne (26) für die defensive Zentrale – und bläute seiner Mannschaft vielerlei Lehrinhalte ein. Kurzum: Er will die Mitte verdichten, die Abwehrarbeit als Gemeinschaftsprojekt verrichtet und sowohl zügigen Umschaltfußball als auch lockende, geordnet vorgetragene Sturmläufe sehen. In all der Zeit behielt er immer die Ruhe, ließ sich nicht provozieren von Essen oder Oberhausen.

BVB-Trainer Maaßen: Ich bin kein Selbstdarsteller

Und jetzt, am Ende, steht er oben. Im Profifußball, wohin es ihn schon weitaus früher hätte ziehen können. Maaßen, seit Kurzem in Dortmund mit einem Vertrag bis 2024 ausgestattet, wollte es nicht überstürzen – und wird sich nun eben ab Ende Juli im Profi-Geschäft präsentieren.

Mit dem – aller Voraussicht nach – selben Trainerteam um Pascal Bieler, Sebastian Block und Thomas Feldhoff. Mit viel Freude, mit Fleiß. Und, wenn er es denn für richtig hält, mit der Portion Zurückhaltung. Die gehört für ihn dazu. Er sei kein Schaumschläger, kein Selbstdarsteller – so hat es Maaßen schon bei seiner Antrittsrede formuliert. Von ihm, sagte er damals, brauche man keine wuchtigen Statements erwarten. Er wolle sich dem Spiel auf dem Rasen widmen. Daran hat sich rein gar nichts verändert.

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Schreibt seit 2015. Arbeitet seit 2018 für die Ruhr Nachrichten und ist da vor allem in der Sportredaktion und rund um den BVB unterwegs.
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