Der deutsche Sport trauert um die Dortmunderin und Olympiasiegerin Ursula Happe

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Ursula Happe gewann 1956 in Melbourne olympisches Gold.
Die Dortmunderin Ursula Happe gewann 1956 in Melbourne olympisches Gold. © Oliver Schaper
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Die Goldmedaillen-Gewinnerin im Schwimmen 1956 in Melbourne schrieb eine ungewöhnliche Geschichte, war sie doch bei ihrem Triumph in Australien bereits zweifache Mutter.

Ursula Happe, die zeitlebens und bis ins hohe Alter ihrer Liebe zur Bewegung frönte, die noch bis weit in die 90 täglich im Schwimmbad ihre 1500 Meter kraulte, drei Mal in der Woche zur Gymnastik ging, hat nie viel Aufhebens um ihre Person gemacht, dabei hatte sie so viel zu erzählen. Die Liebe zur Familie war ebenso ausgeprägt wie die Liebe zum Sport, über den sie sagte: „Das ist das Beste, was ich machen kann, ein Leben ohne Sport wäre traurig, irgendetwas würde fehlen“.

1952 nahm die gebürtige Danzigerin, übrigens die Tochter eines Bademeisters, bereits an den Olympischen Spielen von Helsinki teil, wurde 1953 dann erstmals Mutter. Ein Jahr später wurde die Spezialistin im Brustschwimmen Europameisterin und beendete ihre Laufbahn. Ein weiteres Jahr darauf – 1955 – wurde Sohn Klaus geboren. Kurz darauf hatte es Happe aber wieder gepackt, sie schaffte die Olympia-Qualifikation und schlussendlich den großen Coup 1956 in Melbourne, mit dem sie sich auch selbst überraschte.

Ursula Happe lässt sich nach ihrer Goldmedaille in Dortmund feiern. © picture-alliance/ dpa © picture-alliance/ dpa

Schulterzuckend meinte sie nachher: „Irgendeine musste ja am Ende gewinnen“. Dass ausgerechnet sie es war, bereits über 30 Jahre alt, sorgte weltweit für Aufsehen. Von professioneller Olympiavorbereitung heutigen Zuschnitts war sie, die in ihrer Laufbahn auch 18 Deutsche Meistertitel sammelte, damals weit entfernt.

Um 5.30 Uhr zum Schwimmbad

Morgens um sechs radelte Ursula Happe nach dem Krieg in Dortmund zum einzigen Hallenbad mit 25-Meter-Bahn. „Wenn ich Glück hatte, ließ mich der Hausmeister vor halb sieben rein“, erinnerte sie einmal: „Ich konnte aber höchstens einen Kilometer trainieren, dann musste ich schnell nach Hause“. Ehemann Heinz Günter musste zur Arbeit, und die Kinder brauchten ihre Mutter.

Ursula Happe war eine Ausnahmeschwimmerin und ein Ausnahmemensch. © picture-alliance/ dpa © picture-alliance/ dpa

In Melbourne dann schlug Ursula Happe zur besten Schlafenszeit („Ich wäre viel lieber ins Bett gegangen“) als Erste an – Gold! Und der beste Zeitpunkt, die Karriere zu beenden. Ein turbulenter Rückflug (Happe: „Das Gemüse flog uns nur so um die Ohren“) konnte ihr nichts anhaben, aber ihrer Goldmedaille: Die wurde so hin- und hergeschleudert, dass die Goldbeschichtung abplatzte.

Zweimal „Deutschlands Sportlerin des Jahres“

Egal, die Momente von Melbourne überstanden alles unbeschadet. Zweimal wurde Ursula Happe zu „Deutschlands Sportlerin des Jahres“ gewählt (1954, 1956). Ihre Sportbegeisterung teilen auch ihre Kinder, Sohn Thomas gewann 1984 Olympia-Silber mit den Handballern. Übrigens: Die Dominikanische Republik widmete Ursula Happe 1960 eine eigene Briefmarke. Happe auf dem Startblock stehend – 100 Centavos wert, aber eigentlich unbezahlbar.

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