Die Fitnessstudios haben wieder aufgemacht. (Symbolbild) © picture alliance/dpa/PA Wire
Fitness

Der erste Gang ins Fitnessstudio: Corona-Verstöße und der Schock auf der Waage

Die Fitnesstudios haben wieder auf und beim ersten Besuch gibt es gleich einen Schock auf der Gewichtswaage für unseren Autor. Außerdem zeigt sich: nicht jeder versteht oder will die Corona-Regeln verstehen. Ein Erlebnisbericht.

Es ist 8.13 Uhr als ich die ersten Schritte in das Fitnessstudio mache. Eine Mitarbeiterin begrüßt mich, sie wirkt gestresst. Nach einem „Hallo“, kommen lediglich zwei Wörter im Anschluss: „Test dabei?“ Etwas wortkarg, aber kann mir egal sein.

Seit 13 Minuten hat das Gym, in das ich gehe, wieder offen am vergangenen Freitag in Dortmund. Ein negativer Corona-Test ist mittlerweile nicht mehr nötig, weil die Inzidenz seit mehreren Tagen in Dortmund unter 35 liegt.

Auf dem Weg in Richtung Umkleidekabine kommen mir zwei Jungs entgegen, ich würde beide auf um die 18 Jahre schätzen. Beim Herumlaufen durch das Studio herrscht Maskenpflicht, für die beiden jungen Männer gilt diese wohl nicht. Der eine trägt seine Maske unter der Nase, der andere unter dem Kinn.

Wer es nach mehr als einem Jahr Pandemie noch nicht verstanden hat, will es jetzt auch nicht mehr verstehen.

Ich schlucke beim Blick auf mein Gewicht

Ich ziehe mich schnell um, mache mich auf den Weg zum Aufwärmen. Davor treffe ich bereits meinen persönlichen Endgegner: die Körperwaage. Ich war schon länger nicht mehr drauf und habe sie in den vergangenen Wochen und Monaten zu Hause eher gemieden.

Mit dem rechten Fuß gehe ich zuerst drauf, der Zeiger schießt in die Höhe. Für einen Moment zögere ich mein linkes Bein nachzuziehen. Als ich mit beiden Beinen draufstehe, geht der Zeiger schnurstracks nach oben: 107 Kilogramm werden angezeigt. Ich schlucke.

Ich bin ehrlich zu Euch: Ich fühle mich nicht dick. Vor rund einem Jahr waren es noch knapp 100 Kilogramm. Sieben Kilogramm zugenommen innerhalb eines Jahres, indem ich sehr, sehr wenig Sport gemacht habe. Puh.

Würde ich noch American Football spielen, könnte ich die paar Kilogramm mehr wohl leichter hinnehmen. Aber ich spiele seit ein paar Jahren nicht mehr, deshalb möchte ich die Kilos schnell wieder runterbekommen.

Vor vier Jahren bin ich noch deutlich fitter gewesen. Damals spielte ich American Football.
Vor vier Jahren bin ich noch deutlich fitter gewesen. Damals spielte ich American Football. © Privat © Privat

Von der Waage geht es zum Aufwärmen auf das Laufband, im Anschluss in den Kraftbereich. Ich habe mir einen Ganzkörper-Trainingsplan zusammengestellt.

Was auffällt: Viele Desinfektionsmittel und Tücher zum Abwischen stehen neben den Geräten. Es sind um die 30 Leute an diesem Eröffnungsmorgen im Studio. Hier verteilt sich das ganz gut, in anderen Gyms wäre es schon ziemlich voll. Aber ich bin einfach nur froh, wie wahrscheinlich vor allem die Betreiber, dass nach acht Monaten endlich wieder aufgemacht worden ist.

Juni 2020: Damals wog ich 100 Kilo. Mittlerweile sind es sieben Kilogramm mehr, die jetzt wieder runter sollen.
Juni 2020: Damals wog ich 100 Kilo. Mittlerweile sind es sieben Kilogramm mehr, die jetzt wieder runter sollen. © Privat © Privat

In meinem Gym muss auf persönliche Betreuung verzichtet werden. Die Trainerin ist dauerhaft am Eingang, um Leute ein- und auszuchecken und Bescheinigungen zu überprüfen (Corona-Schnelltest, geimpft oder genesen).

So werden die Leute, die sich nicht an die Corona-Regeln im Studio halten, auch nicht wahrgenommen.

Maskenverweigerer nicht im Blick des Personals

Es soll kein falscher Eindruck entstehen: Die meisten Menschen haben sich an diesem Morgen an die Regeln gehalten, waren im Studio mit Maske unterwegs, haben teilweise sogar durchgehend mit dem Mund- und Nasenschutz trainiert.

Auch ich vergaß zwischenzeitlich bei einigen Übungen die Bedeckung wieder abzunehmen. Schweißtropfen kullerten mir das Gesicht runter, um den Mundbereich ist es durch die Maske noch feuchter geworden.

Das Training wirkt dadurch deutlich anstrengender, wirklich hygienisch fühlt es sich nicht an. Die Maske werfe ich im Anschluss an meine Einheit in den Müll. Nur die Leute, die sich eben nicht an die Regeln halten, ihre Geräte nicht desinfizieren oder die Maske kaum tragen, sind nicht im Blick des Personals.

Nach knapp über einer Stunde bin ich fertig mit der Session und ziemlich platt. Ich quäle mich in die Umkleide, in mir herrscht ein Gefühl von Wut und Freude zugleich.

Freude darüber, den ersten Schritt zurück gemacht zu haben, um wieder fit zu werden, Wut über den Muskelkater, der mir einen Tag später blüht. Und ja, der Muskelkater war hart, doch wie eine Belohnung für die erste Einheit nach mehreren Monaten.

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Journalismus ist meine Passion. Seit 2017 im Einsatz für Lensing Media. Immer auf der Suche nach Hintergründen, spannenden Themen und Geschichten von Menschen.
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