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Amateurfußball

Die Kreuzband-Brüder: Zig schwerwiegende Verletzungen – aber die ewige Treue zu einem Klub

Zwei Brüder, zwei Verletzungsgeschichten. Die eine deutlich dramatischer als die andere. Dennoch: Das höchste Gut ist für beide die Treue zu ihrem Stammverein.

Die Antwort kommt prompt aus ihm herausgeschossen. Am 1. Dezember 2019 war es, mittlerweile schon weit mehr als ein Jahr her. Ein intensives Duell.

Schlussendlich stand es 1:1 zwischen der Reserve des ASC 09 und den Sportfreunden Sölderholz in der Kreisliga A. Am Ende der Spielzeit sollte der ASC 09 II in die Bezirksliga aufsteigen, doch das ist hier nur eine Randnotiz. Joshua Quandel erinnert sich so genau an diese Partie, weil es seitdem seine letzte für Sölderholz war. Der zentrale Mittelfeldspieler riss sich damals das Kreuzband.

Wenige Tage zuvor, im November 2019, zog sich sein Bruder Nicolai einen Meniskusriss zu. Nicolai, 24 Jahre alt, spielt genau so wie sein drei Jahre älterer Bruder bei den Sportfreunden Sölderholz. Ebenfalls im zentralen Mittelfeld.

„Besser kann man sich nicht ergänzen“, sagt Joshua, wenn beide denn mal zusammen spielen würden. „Wenn man mit der quandelschen Doppelsechs spielt, ist man im Mittelfeld gut bestückt“, fügt Nicolai lachend an.

Sölderholz-Coach Maik Kortzak dürften solche Worte freuen, doch Verletzungen kamen den Quandels immer wieder dazwischen. Eine Übernahme der Sölderholzer Schaltzentrale war so kaum möglich in den vergangenen Jahren.

„Wir haben viel Pech gehabt, beide immer verletzt zu abwechselnden Zeitpunkten“, sagt Joshua Quandel.

Vor allem der Jüngere der Beiden, Nicolai, hat eine echte Leidensgeschichte hinter sich. Angefangen im Sommer 2018. „Ich war eigentlich auf einem ganz guten Weg, hatte eine richtig geile Vorbereitung“, sagt er. Kreisliga-like fehlte Nicolai zum Saisonstart, weil er im Urlaub weilte, ehe er sich bei seinem dritten Einsatz am vierten Spieltag das Kreuzband riss. Zwei Operationen gab es seitdem im Knie-Bereich und viele Rehabilitations-Einheiten.

Joshua Quandel spielt im zentralen Mittelfeld der Sportfreunde Sölderholz. © Döring © Döring

Aktuell sei Joshua ein Stück weiter, kann die Vorgaben des Trainerteams, was Läufe und Einheiten angeht bereits in einem ordentlichen Soll umsetzen, sagt Nicolai. Er betont: „Wir sind uns bei den meisten Themen ziemlich einig.“ Der große Bruder stimmt zu, fügt lachend an: „Jeder weiß, dass Joshua Quandel eine Autoritätsperson ist.“

Im beschaulichen Sölderholzer Dorf dürften da wohl ziemlich viele zustimmen, führte Joshua Quandel den Klub bereits häufig als Kapitän auf den Platz und spielt beinah sein komplettes Leben dort, abgesehen von einem kurzen Intermezzo zu seiner Jugendzeit in Holzwickede.

War in den vergangenen Jahren nur sehr wenig am Ball: Nicolai Quandel. © Döring © Döring

Die Bindung der beiden zum Klub ist eine Besondere und beschreibt den Zusammenhalt des Klubs ziemlich treffend. „Ich kann mir überhaupt nicht vorstellen auf eine andere Anlage zu kommen und anderen Menschen die Faust zu geben zur Begrüßung“, sagt Nicolai, der sich auch neben dem Platz engagiert und den Social-Media-Auftritt des Vereins betreut. Der Grundkern des Teams spielt so seit Jahren zusammen, kennt sich teils ein ganzes Leben. Spieler sind zusammen zur Schule gegangen, haben beinah die komplette Jugend miteinander gespielt.

Es ist auch ein Erklärungsansatz, warum die Tormaschine des Klubs den Verein nicht verlässt. Marvin König, seit Jahren einer der erfolgreichsten Kreisliga-Stürmer Dortmunds, hat trotz verlockender Angebote von überkreislich spielenden Vereinen seinem Klub die Treue gehalten.

„Sölderholz“, fängt Joshua schwärmend an, „das ist mehr als ein Verein. Das ist Familie. Das geht über den Fußball hinaus, da fühlt man sich zu Hause.“

Und hierbei wird deutlich, die Brüder sind sich wirklich einig. Nicolai ergänzt: „Es sind Freunde mit denen man zusammenspielt. Was die Teamchemie angeht, ist das ein ganz hohes Level.“

„Ein Ruck durch die Mannschaft gegangen“

In den kommenden Jahren kann das, wenn es nach den Quandel-Brüdern geht, den Klub auch mal eine Liga höher führen. „Wir haben eine Mannschaft, die das Potenzial dazu hat“, sagt Joshua. Ein Selbstvertrauen, was durch Veränderungen innerhalb des Vereins gewachsen ist. Seit Ende 2018 spielt der Klub nicht mehr auf einem Ascheplatz, sondern Kunstrasen.

„Mit der Asche hatten wir im Winter, wenn es kalt war, mit fünf, sechs Leuten in einem Sechszehner trainiert“, erzählt Nicolai. Mittlerweile liegt die Trainingsbeteiligung selten bei weniger als 15 Personen. „Es ist ein Ruck durch die Mannschaft gegangen“, erklärt Nicolai, den sein Bruder ergänzend erklärt: „Seit die Projekte Kunstrasen und Aufstieg in die Kreisliga A geschafft wurden, ist das Ganze ein Stück professioneller geworden. Auch erfolgreicher.“

Wo dieser Optimismus den Klub mal hinführen wird, bleibt abzuwarten. Doch mit der Quandelschen Doppelsechs hat der Verein auf jeden Fall eine charakterstarke Achse neben dem Platz. Und, sollten die Knie halten, auch auf dem Grün.

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Journalismus ist meine Passion. Seit 2017 im Einsatz für Lensing Media. Immer auf der Suche nach Hintergründen, spannenden Themen und Geschichten von Menschen.
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