Die ersten Fußballklubs haben Spieler verpflichtet, ohne sie spielen gesehen zu haben. © Volker Engel
Fußball

Dortmunder Klubs verpflichten Spieler, ohne sie je spielen gesehen zu haben

Das Coronavirus hat die Abläufe im Amateurfußball kräftig durcheinandergewirbelt. Auch auf viele Spielerverpflichtungen hat sich die Pandemie ausgewirkt. Wie reagieren die Klubs?

In dieser und auch in der vorherigen Amateurfußball-Spielzeit ist vieles anders als sonst. Die Corona-Pandemie bringt den Amateurfußball gänzlich aus dem Rhythmus. Aktuell finden weder Training noch Spiele statt. Die Kicker müssen sich in Geduld üben. Aber auch die Funktionäre im Verein haben Schwierigkeiten. Im Zentrum steht dabei auch die Verpflichtung neuer Spieler. Die ersten Klubs haben bereits zugelangt – aber wie geht das in Corona-Zeiten.

Normalerweise beginnt die heiße Phase für Sommerverpflichtungen im Oktober, November des jeweiligen Vorjahres. Die Amateurfußballvereine laden dann häufig Spieler ein, die sie zuvor intensiv beobachtet haben. Überzeugen die Spieler auch in den Probetrainings, schlägt der Verein meist zu. In Corona-Zeiten findet momentan aber weder der Trainings- noch Spielbetrieb statt. Wie machen die Klubs es dann? Wir haben vier Stimmen von vier überkreislichen Dortmunder Fußballvereins-Funktionären gesammelt.

Samir Habibovic, Sportlicher Leiter beim ASC 09 Dortmund: „Momentan ist es wirklich schwierig, Spieler zu verpflichten. Wir haben eigentlich gehofft, dass wir im Februar wieder mit dem Training anfangen können, um Spieler für Probetrainings einladen zu können. Wir haben mit einigen Jungs, an denen wir Interesse haben, schon gesprochen. Früher hatten wir so um die 20 Mann beim Probetraining, jetzt läuft es eher über Zoom-Meetings. Wenn ich an Spielern Interesse habe, dann spreche ich mit den Trainern und Sportlichen Leitern. Bislang verlief da immer alles unkompliziert, weil die Vereine die Jungs ja auch unterbringen möchten.“

Florian Gondrum, Spielertrainer beim FC Brünninghausen. Der Klub hat zuletzt zwei A-Jugendliche vom Hombrucher SV verpflichtet: „Bei den beiden Neuzugängen (Paul Zulauf, Justin Funhoff, Anm. d. Red.) haben wir es so gemacht, dass wir natürlich immer wieder in die Hombrucher Aufstellung geguckt haben. Beide zählten in den letzten ein, zwei Jahren zum Stammpersonal. Das soll beim Hombrucher SV schon was heißen. Momentan Jugendspiele zu verfolgen, ist natürlich schwierig. Ich habe aber zu den Hombrucher Trainern und auch zu Sahin Kösecik (ehemaliger Mitspieler Gondrums, Anm. d. Red.) Kontakt aufgenommen und mit den beiden gesprochen. Ich habe dann natürlich gefragt, was sie stark macht und ausmacht und in welche Richtung sie möchten. Ein Netzwerk ist dabei sehr wichtig. Wir sind noch dabei, uns ein großes Netzwerk aufzubauen.“

Mehmet Aslan, Sportlicher Leiter beim BSV Schüren: „Normalerweise gehen wir natürlich zu den Jugendspielen hin und gucken uns die Spieler an. Weil das dieses Mal nicht funktioniert hat, sprechen wir mit den Verantwortlichen der Vereine. Das stößt auch immer auf Verständnis der Vereine. Ich glaube, dass den Klubs wie Hombruch oder TSC Eintracht Dortmund auch bewusst ist, dass die Spieler lieber zu einem Westfalenligist wechseln als in die Bezirks- oder Landesliga. Aber diese Vereine profitieren ja auch davon. Sie bekommen eine kleine Ablösesumme. Oft frage ich aber auch bei Spielern nach, die ich aus demselben Verein geholt habe. Sie kennen sich ja häufig untereinander.“

Giovanni Schiattarella, Trainer SV Brackel 06: „Im Normalfall gucken wir uns natürlich die Spiele an. Meistens ist es so, dass wir uns die Spieler im November für die nächste Saison anschauen. Jetzt ist es aber eher so, dass wir die Trainer der A-Jugendlichen anrufen und nachfragen. Ich hoffe, dass wir irgendwann wieder anfangen können zu trainieren, bevor die Wechselperiode endet. Wir setzen dann immer ein Training an, damit die Spieler die Möglichkeit haben, uns kennenzulernen. Es ist aber auch schon vorgekommen, dass Trainer von Klubs aus höheren Ligen angerufen haben. Da haben Spieler dann kaum gespielt, die würden gerne tiefer gehen. Das Verhältnis zu allen Trainern war bislang immer super.“

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Sportredaktion Dortmund
Ist bereits seit Kindesbeinen an von Ballsportarten – insbesondere Fußball – fasziniert. Stets neugierig auf der Suche nach Geschichten, auch abseits des Ballsports. Die Liebe zum Journalismus entdeckte er über sein großes Hobby: Fotografie. Gebürtig aus Selm, mittlerweile in Lünen wohnhaft.
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