Ein Regionalliga-Fußballer hat sich schwer verletzt. © Privat
Regionalliga West

Fehldiagnose: Regionalliga-Kicker spielt 90 Minuten durch – trotz eines Kreuzbandrisses

Trotz eines Kreuzbandrisses hat ein Regionalliga-Fußballer normal trainiert und sogar ein hartes Spiel über 90 Minuten bestritten. Von zwei Ärzten gab es grünes Licht, später folgte die Quittung.

Er selbst nennt den Vorfall kurios, weil ihm gleich zwei Ärzte während ihrer Untersuchungen grünes Licht gegeben hatten. Der Fußballer absolvierte dann volle 90 Meisterschaftsminuten in der Regionalliga West und trainierte die Woche über. Einen Tag nach dem Meisterschaftsspiel folgte dann eine Diagnose, womit er nicht rechnete: Kreuzbandriss. Doch wie kam der zustande?

Der Reihe nach. Die Rede in diesem Text ist von Jeffrey Malcherek, Fußballer des Regionalliga-Klubs VfB Homberg. Malcherek (24) hat in seiner Vergangenheit unter anderem auch schon für den TSC Eintracht Dortmund, für Mengede 08/20, für den ASC 09 Dortmund, für den Lüner SV und für Westfalia Rhynern gegen den Ball getreten. Seit Sommer vergangenen Jahres kickt der Fußballer in der Regionalliga und gehört zu den Stammkräften des Klubs, stand in 31 von 35 möglichen Partien auf dem Platz.

Nun der erste große Rückschlag in seiner Laufbahn: Kreuzbandriss. Doch der ereignete sich nicht gewöhnlich. Die typischen Schmerzen blieben aus. Was folgte, war ein Kuriosum. „Ich habe mir den wahrscheinlich im Spiel gegen Lotte am 17. April zugezogen. In dem Spiel ist mir ein Gegenspieler in die Kniekehle gesprungen. Ich habe dann noch zwei, drei Minuten weitergespielt und habe mich dann auswechseln lassen“, sagt Malcherek.

Jeffrey Malcherek (l.), hier im Duell mit BVB-Profi Steffen Tigges, hat sich einen Kreuzbandriss zugezogen und wird lange ausfallen.
Jeffrey Malcherek (l.), hier im Duell mit BVB-Profi Steffen Tigges, hat sich einen Kreuzbandriss zugezogen und wird lange ausfallen. © imago images/Thomas Bielefeld © imago images/Thomas Bielefeld

Den Montag darauf, also zwei Tage später (19. April), ließ sich der 24-Jährige von seinem Mannschaftsarzt untersuchen. Der schloss eine schlimmere Verletzung aus. Malcherek holte sich daraufhin aber noch eine zweite Meinung ein, ging zu einem Arzt nach Bochum (21. April). „Ich wollte auf Nummer sicher gehen“, so Malcherek. Und auch der zweite Arzt bestätigte, dass die Bänder wohl unbeschadet seien.

Malcherek, der keine großen Beeinträchtigungen hatte, nahm am Mannschaftstraining teil und stand auch am Samstag (24. April) im Meisterschaftsspiel beim Tabellenzweiten RW Essen in der Aufstellung. Tags zuvor ging es für den Verteidiger aber noch bei einem anderen Arzt in Duisburg in die Röhre: MRT machen. Die Diagnose gab es Sonntag.

Jeffrey Malcherek geht es mittlerweile wieder besser.
Jeffrey Malcherek geht es mittlerweile wieder besser. © Malcherek © Malcherek

„Am Sonntagabend habe ich einen Anruf bekommen, dass mein vorderes Kreuzband gerissen ist. Das war schon kurios, weil ich ohne Schmerzen trainiert und gespielt habe. Dabei war die Intensität hoch. Wir sind ein Malocherklub und laufen und ackern viel“, sagt Malcherek, der im Nachhinein etwas sauer sei, weil er sich mit dem Kreuzbandriss einem höheren Risiko ausgesetzt hatte und sich noch schlimmer hätte verletzen können.

Jeffrey Malcherek ist schon operiert worden

Mittlerweile ist Malcherek schon operiert worden, bei einem Kniespezialisten in Homberg. Trotz der heftigen Verletzung ist der ehemalige Dortmunder und Lüner aber nicht niedergeschlagen. „Ich nehme die Dinge, wie sie kommen. Ich versuche nicht Dinge zu ändern, die sich nicht verändern lassen. Das kostet zu viel Kraft und Energie. Ich lege jetzt den Fokus darauf, wieder fit zu werden – in einem gründlichen Tempo“, gibt sich Jeffrey Malcherek kämpferisch.

Wann er wieder auf den Platz zurückkehre, könne der 24-Jährige noch nicht sagen. Aktuelle trage er eine „sehr steife Schiene“ und humpele mit Krücken durch die Gegend. „Ich habe aber die optimale Versorgung, arbeite mit einer Beugemaschine“, sagt er. Malcherek wolle der Verletzung Zeit geben und auf den Rat des Kniespezialisten hören. „Ich versuche, das gründlich zu machen, will auch meine Ernährung anpassen. In acht, neun Monaten zur Rückrunde würde ich gerne wieder auf dem Platz stehen. Ich sehe da eher die Nachhaltigkeit“, so Malcherek weiter.

Die große Frage ist nur: Wie sieht der weitere Karriereplan von Malcherek aus? Der Vertrag beim VfB läuft zum 30. Juni aus. Verlängert habe der 24-Jährige noch nicht. „Ich werde bald das Gespräch mit den Hombergern suchen. Dann kann man schauen, ob wir auf einen gemeinsamen Nenner kommen“, verrät Malcherek, der hauptberuflich als Vertretungslehrer an einer Gesamtschule in Dortmund arbeitet, abschließend.

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Sportredaktion Dortmund
Ist bereits seit Kindesbeinen an von Ballsportarten – insbesondere Fußball – fasziniert. Stets neugierig auf der Suche nach Geschichten, auch abseits des Ballsports. Die Liebe zum Journalismus entdeckte er über sein großes Hobby: Fotografie. Gebürtig aus Selm, mittlerweile in Lünen wohnhaft.
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