Heiko Vogel muss zur Strafe ein Frauenteam trainieren. © picture alliance / dpa
Meinung

Frauenfußball-Training als Strafe: Totale Blamage für Verband und Trainer

Der Trainer eines Männerteams beleidigt eine Schiedsrichterin und äußert sich diskriminierend zum Frauenfußball. Die Strafe? Sechs Einheiten einer Frauenmannschaft leiten. Leider das komplett falsche Signal.

Was war passiert? Heiko Vogel, Trainer der zweiten Mannschaft von Borussia Mönchengladbach, war beim Regionalliga-Spiel gegen Bergisch Gladbach am 30. Januar des Innenraums verwiesen worden: Schiedsrichter Marcel Benkhoff war es nach zahlreichen verbalen Ausfällen von der Seitenlinie zu bunt geworden.

Das brachte Vogels Fass endgültig zum Überlaufen – er verabschiedete sich mit den Worten „Frauen haben auf dem Fußballplatz einfach absolut nichts zu suchen“ vom Platz. Dieser Satz war an Vanessa Arlt gerichtet, die an dem Tag als Linienrichterin im Einsatz war. Als Sahnehaube seines unrühmlichen Abgangs beleidigte er Arlt zudem aufs Übelste, wie die 29-Jährige den Westfälischen Nachrichten berichtete.

In den vergangenen Tagen hat der Fall ein mediales Echo nach sich gezogen. Nicht etwa, weil Vogels Verein oder aber der Westdeutsche Fußball-Verband ob dieser Respektlosigkeit und Unverschämtheit mit ihren Sanktionen ein klares Zeichen sendeten, dass ein solches Verhalten schlicht inakzeptabel sei.

Nein, durch die Medien ging lediglich die Bestrafung, die mal als „kurios“, an anderer Stelle als „speziell“ betitelt wurde. Heiko Vogel nämlich, so urteilte der Verband in all seiner Härte, solle sechs Einheiten bei einer Mädchen- oder Frauenfußballmannschaft leiten.

Der Verband meint es gut und nimmt wohl an, dass Vogel durch die ihm auferlegte Maßnahme Einsicht gewinnt. Einsicht darüber, dass Fußball eben nicht Männersache ist, dass Frauen genauso auf den Fußballplatz gehören – dass der Fußball nicht unterscheidet. Unabhängig davon, ob es nun um Geschlecht, Hautfarbe oder Nationalität geht.

Das Signal, das der Verband damit sendet, ist jedoch ein ganz fatales. So lautet die Botschaft: Wer sich im Profifußball Frauen gegenüber diskriminierend und sexistisch äußert, dem drohen eben ein paar Trainingseinheiten mit Fußballerinnen.

Fußballerinnen sind die, die bestraft werden

Wer in dem Fall allerdings wirklich bestraft wird, das sind die Fußballerinnen. Die, denen die zweifelhafte Ehre zukommt, nun unter Anleitung Vogels trainieren zu „dürfen“, aber auch die, die sich seit Jahrzehnten für den Frauenfußball einsetzen.

Denn klar ist auch: Durch ein paar Stunden Training wird Heiko Vogel seine Einstellung wohl kaum ändern. Nein, er wird weiterhin als Trainer der U23-Mannschaft von Borussia Mönchengladbach und damit als wichtige Bezugsperson vieler junger Spieler arbeiten, von denen manche den Sprung ins Profigeschäft schaffen werden.

Eine Entschuldigung gegenüber Vanessa Arlt hielten übrigens weder der Trainer noch sein Verein nach dem Spiel für notwendig, berichtet die Schiedsrichterin. Erst während der Gerichtsverhandlung, also Wochen nach dem Vorfall, habe Vogel sein Bedauern geäußert. Logisch, sonst hätte es vielleicht sogar acht statt nur sechs Einheiten mit einer Frauenmannschaft für den Trainer gegeben – nicht auszuhalten für den 45-Jährigen.

Heiko Vogel sagt, Frauen gehören nicht auf den Fußballplatz. Diese Aussage lässt eigentlich nur einen Schluss zu: Heiko Vogel gehört nicht auf den Fußballplatz.

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Seit 2019 als freier Mitarbeiter für Lensing Media im Einsatz. Hat ein Faible für sämtliche Ballsportarten und interessiert sich für die Menschen, die den Sport betreiben - von der Champions League bis zur Kreisliga.
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