Drei Castrop-Rauxeler Nachwuchs-Trainer füllen künftig den elektronischen Spielbericht in Waltrop aus. © Jens Lukas
Fußball

Gemeinsam mit Miro Klose: Dortmunder Fußball-Trainer krallt sich die Fußballlehrer-Lizenz

Ein Dortmunder Fußball-Coach hat gemeinsam mit prominenten Trainern wie Miroslav Klose den Fußballlehrer-Schein bestanden. Jetzt hat der Trainer eine klare Mission.

Dortmund hat einen neuen Fußball-Lehrer. In der 25 Trainerinnen und Trainer umfassenden Liste der Lehrgangsabsolventen findet sich neben Prominenz wie Miroslav Klose, Andreas Neuendorf oder Hanno Balitsch auch der Name David Siebers (33). Der Dortmunder Junge, Kind des Hörder SC, krönt seine bisherige Trainerlaufbahn, die ihn bis zur U17 des VfL Bochum 1848 brachte, mit der Fußballlehrer-Urkunde. Diese bekam er Anfang der Woche überreicht. Wir sprachen mit David Siebers.

David Siebers, zunächst einmal herzlichen Glückwunsch zu einer beachtlichen Leistung. Haben Sie denn mit Ihren neuen Fußballlehrer-Kollegen wenigstens etwas feiern können?

Ja, wir haben während des gesamten Lehrgangs zum Schutz vor Corona in einer Art Blase gelebt. Daher durften wir, nachdem wir die Urkunden erhalten hatten, auch noch etwas zusammensitzen.

Dieses Interview soll sich natürlich um Sie drehen, aber Außenstehende interessiert bestimmt schon, ob sich Weltmeister Miroslasv Klose genau wie Sie freuen kann…

Ja, jeder war sehr froh und auch stolz, die Urkunde erhalten zu haben. Miro ist ein absolut bodenständiger Typ, ein fantastischer Mensch. Aber auch alle anderen waren sehr offen.

Also war die Atmosphäre auch ziemlich entspannt?

Ja, wir hatten schließlich ein gemeinsames Ziel. Aber Offenheit bedeutet neben positivem Feedback auch sachliche Kritik. Wir waren eine sehr ehrliche Gruppe.

Wissen Sie schon Ihre Note?

Nein, die erhalten wir später noch. Es steht nur fest, dass wir alle bestanden haben.

Das ist ja mehr als „nur“. Wie läuft so eine Ausbildung, die zu solch einer solchen Auszeichnung führt, ab?

Los ging es mit einer Eignungsprüfung. Von 120 Bewerbern kamen 25 Leute weiter.

Es folgt anders als in Castingshows mehr als ein Recall. Nun durften Sie die Ausbildung beginnen. Welche Schwerpunkte hatten Sie?

Diese Ausbildung, die über weite Strecken übrigens in Hennef stattfindet, ist sehr weit gefächert. Da ist während der elf Monate viel reine Fußballlehre bei. Auch das Thema Mannschaftsführung hatte einen großen Stellenwert. Ganz wichtig fand ich auch die regelmäßige Selbstreflexion. Es ging zusätzlich auch um Ernährungslehre und Fußballfitness.

Was fangen Sie nun mit diesem Wissen an?

In der kommenden Saison werde ich die U17 des VfL trainieren. Ich freue mich, immer darauf mit unseren Talenten arbeiten zu dürfen. Ambitionierte Fußballer in ihrer Entwicklung zu begleiten und fördern, war seit meiner Jugend das große Ziel. Diese Möglichkeit bietet der VfL mir.

Und Senioren?

Die Jugendarbeit ist ein wichtiger Bestandteil beim VfL. Die Cheftrainer der U19 und U17 werden auch als Co-Trainer bei dem Profis eingebunden. Talente und auch Trainer sollen so noch besser gefördert werden. Diese Erfahrungen durfte ich auch schon machen, deshalb könnte ich mir langfristig auch die Arbeit im Seniorenbereich vorstellen.

In der Tat. Wie haben Sie es, der – mit Verlaub – nie selbst höherklassig gespielt hat, geschafft, im Trainergeschäft eine solche Karriere hinzulegen?

Ich habe darauf hingearbeitet. Bereits als 14-Jähriger habe ich die F-Junioren meines Heimatvereins Hörder SC trainiert. Später wechselte ich zum Hombrucher SV, der ja in Dortmund ambitionierte Nachwuchsarbeit betreibt. Danach war ich beim BVB und anschließend Stützpunkttrainer. Ich habe Sportmanagement studiert. Für mich war früh klar, dass ich mein Hobby zum Beruf machen wollte.

Ist Ihr aktueller Job eine Vollzeitstelle? Und wie kamen Sie zum VfL?

Ja, ich lebe von meinem Engagement beim VfL. Es gibt, wie bei den Spielern, auch Scouts für Trainer. Alex Richter, der Leiter des Bochumer Talentwerks, so nennen wir unsere Nachwuchsabteilung, wurde auf mich aufmerksam.

Wann bemerkte der ganz junge David Siebers sein Trainer-Gen?

Sehr früh. Ich habe schon als ganz junger Trainer gemerkt, dass ich die Jungs erreichen und begeistern kann. In Hörde fingen wir damals mit sechs Kindern an. Das reichte nicht einmal für ein Kleinfeldteam, das acht Spieler benötigte. Dann aber sprach sich herum, dass wir Lust auf Fußball machen. Am Ende der Saison konnten wir uns vor Kindern kaum retten. Da waren 28 Spieler. Und mit diesem Bewusstsein habe ich dann mein Ziel, professionell als Trainer zu arbeiten, weiter verfolgt.

Blicken wir rüber in Bochums Nachbarstadt, Ihre Heimat. Bekommen Sie alles mit, was vor Ihrer Haustür in Schüren und Nachbarvororten so passiert?

Ja, aber sicher! Meine ehemaligen HSC-Mitspieler wie Tammo Knieriem, Lars Ötting oder Torsten Kuznik spielen immer noch dort in der ersten Mannschaft. Auch zu meinen anderen Ex-Vereinen halte ich Verbindungen. Und wenn am Wochenende Zeit bleibt, sehe ich mir Spiele vom ASC 09, von den Hombruchern und den von Ihnen erwähnten Schürenern an. Das ist für einen wie mich, der den Fußball lebt, doch klar.

Abschlussfrage: Erleben wir den VfL in der kommenden Saison im Bundesliga-Derby gegen den BVB?

Das wünsche ich mir sehr – natürlich insbesondere für den Verein und die Menschen in Bochum, die nach elf Jahren in der 2. Liga wieder Lust auf Bundesliga-Fußball haben.

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Freier Mitarbeiter
Dortmunder Jung! Seit 1995 im Dortmunder Sport als Berichterstatter im Einsatz. Wo Bälle rollen oder fliegen, fühlt er sich wohl und entwickelt ein Mitteilungsbedürfnis. Wichtig ist ihm, dass Menschen diese Sportarten betreiben. Und die sind oft spannender als der Spielverlauf.
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