Fußball

Hausdurchsuchungen, Ermittlungsverfahren – Regionalverbände kritisieren desolaten DFB

Der DFB gerät unter Druck: Mehrere Landes- und Regionalverbände planen einen Protestbrief an die Spitze des Dachverbandes. Kritisiert wird die Führungsriege. Auch der FLVW beteiligt sich.
Die DFB-Spitze um Präsident Fritz Keller gerät unter Druck. © imago images/Eibner

Das könnte ungemütlich für den Deutschen Fußballbund (DFB) werden. In Richtung der DFB-Spitze soll ein Protestbrief mehrerer Landes- und Regionalverbände geplant sein, das berichtet die „Süddeutsche Zeitung“. Die Basis wolle dem DFB in seiner Führungskrise Druck machen.

Demnach beklagen die Vertreter der Verbände in dem Papier unter anderem einen „desolaten Zustand“ des Dachverbandes. Sie kritisieren die Streitigkeiten innerhalb des DFB und fürchten um weiteren Schaden für den gesamten Fußball in Deutschland. Der Protestbrief soll der „SZ“ vorliegen und nach Angaben der Zeitung in der kommenden Woche dem DFB-Präsidium überreicht werden. 16 von 21 Regionalpräsidenten sollen ihre Unterstützung zugesagt haben, verfasst hat das Positionspapier der Schleswig-Holsteinischen Fußballverband (SHFV).

FLVW beteiligt sich am Protest

Gundolf Walaschewski, Präsident des Fußball- und Leichtathletikverbandes Westfalen (FLVW), bestätigte, dass auch er sich mit dem Verband der Gruppe rund um den Protestbrief anschloss. „Das Führungsgremium des DFB gibt – euphemistisch gesagt – kein gutes Bild ab“, sagte er im Rahmen einer Pressekonferenz des FLVW. „Darunter leiden auch die Amateurvereine“, so Walaschewski. „Wir wollen eine klare Linie ziehen. Der DFB soll auch personelle Konsequenzen ziehen.“

Was für personelle Konsequenzen das seien sollen, verriet der FLVW-Präsident nicht. Nur so viel: „Der Präsident des DFB (Fritz Keller; Anm. d. Red.) soll gestützt werden. Das Präsidium soll dem Präsidenten seine Loyalität erweisen.“

Hauptkritikpunkte im Protestbrief sollen nach „SZ“-Informationen Hausdurchsuchungen, Ermittlungsverfahren sowie persönliche Differenzen der DFB-Funktionäre sein. So heißt es nach in dem Schreiben: „„Hausdurchsuchungen und Ermittlungsverfahren gegen DFB-Funktionäre und persönliche Differenzen an der DFB-Spitze schaden nicht nur dem DFB selbst, sondern auch allen Regionalverbänden und Landesverbänden bis hin zu Kreisfußballverbänden und Vereinen. Sie schaden dem Fußball in seiner Gesamtheit.“

Besonders gestört sein soll die Zusammenarbeit zwischen DFB-Chef Fritz Keller und seinem Generalsekretär Friedrich Curtius. Immer wieder soll es zwischen ihnen in den vergangenen Wochen und Monaten zu Differenzen gekommen sein.

Unversöhnlich stehe demnach eine Funktionärsgruppe um Generalsekretär Curtius dem Lager von Präsident Keller gegenüber. Eine Zusammenarbeit zwischen DFB-Chef Keller, Generalsekretär Friedrich Curtius, Schatzmeister Stephan Osnabrügge und Vize-Präsident Rainer Koch sei „in der aktuellen Konstellation undenkbar“, heißt es in dem Schreiben.

Auf den angekündigten Protestbrief reagierte der DFB bislang zurückhaltend. „Wir haben die Information zur Kenntnis genommen, dass es – zumindest im Entwurf – ein solches Schreiben der Landesverbandspräsidenten an den DFB geben soll. Versandt wurde dieser allerdings bisher nicht“, heißt es in einer Stellungnahme des Verbandes auf eine dpa-Anfrage. „Vielmehr besteht ein kontinuierlicher, enger und konstruktiver Austausch mit den Amateurvertretern. Dazu zählt selbstredend eine entsprechend kritische und reflektierende Aufarbeitung in den jeweiligen Gremien, die diesen Prozess nicht erst jetzt angestoßen haben“, so der DFB weiter.

Unterstützt wird der geplante Protestbrief auch von Funktionären der DFB-Spitze. „Wir haben den Brief in unseren sechs Verbänden diskutiert und sind der Meinung, dass wir eine bessere Führung brauchen. Die Streitereien müssen endlich aufhören“, sagte DFB-Vizepräsident Hermann Winkler der Deutschen Presse-Agentur.

Winkler, der auch Präsident des Nordostdeutschen Fußballverbandes (NOFV) ist, fordert eine bessere Führungskultur von der Verbandsspitze. Er hoffe auf eine offene und ehrliche Diskussion bei der Konferenz der Landespräsidenten der Regionalverbände am kommenden Donnerstag.

mit dpa

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