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Meinung

Hört auf mit eurer Heuchelei – es gibt keine Fußball-Romantik!

Die Reaktion ist immer dieselbe, wenn Spieler ihre Zusagen brechen und Vereine für mehr Geld verlassen. Gegen die Spieler und die aufnehmenden Klubs wird aus allen Rohren gefeuert. Das ist frech und falsch, meint unser Autor.

Der Lüner SV gehe über Leichen, der Klub habe keinen Respekt vor anderen Vereinen. Diese Meinung schrieb der Dortmunder Ex-Funktionär Detlef Severidt auf Facebook. Andere User äußerten sich ähnlich. „So etwas wie ANSTAND und EHRE gibt es im Amateurfußball leider nicht mehr so oft! Zu viele charakterlose Söldner!“ Euch möchte ich sagen: Hört auf mit Eurer Heuchelei!

Ihr greift Spieler an, ohne sie zu kennen. Amateurfußball ist Business. Es ist ein Geschäft. Viermal die Woche Training, in der Vorbereitung fünfmal. Dazu das Wochenende kaputt – Spiel sonntags, Mannschaftsabende freitags. Für Familie und Freunde bleibt im höherklassigen Amateurfußball nicht viel Zeit. Glaubt Ihr ernsthaft, dass die Amateurfußballer das ohne eine vernünftige Entschädigung auf sich nehmen?

Geht doch mal in Euch selber. Fragt Euch, ob Ihr nicht auch Euren Job wechseln würdet, wenn Ihr woanders mehr Geld bekommt? Wenn der Lüner SV einfach besser bezahlt, ist es doch nur verständlich, dass Spieler wie Jan Hennig, Kevin Mattes, Nico Berghorst und Co. ihre Vereine verlassen. Zusage hin oder her. Wenn es die Chance gibt, das Taschengeld aufzubessern, nutzt man sie einfach. Die Spieler dafür anzugreifen, ist frech!

Und auch die Klubs kann man dafür nicht kritisieren. Denn wie bereits geschrieben: Amateurfußball ist Business. Nicht nur im Profifußball leben Vereine von Erfolg. Die Rechnung ist einfach: Je mehr Erfolg, desto mehr Sponsoren, desto mehr Geld. Das hält schlicht und ergreifend die Klubs am Leben.

Klar, Gegenbeispiele gibt es. Anil Konya spielt seit über zehn Jahren für Westfalia Wickede. Niklas Rybarczyk seit acht Jahren für den SV Brackel. Und ich könnte Euch noch zig weitere Namen nennen. Aber von denen auf andere zu schließen, ist falsch. Angebote für diese Spieler hat es sicher gegeben, gepasst hat es vielleicht nicht.

Vielleicht ist für diese Spieler die Gemeinschaft in ihren Vereinen wichtiger, weil sie dort mit den Jahren ihre Freunde gefunden haben. Sie mit dem Vorstand, den Zuschauern, dem Platzwart eng verbunden sind. Ihnen mehr Geld nicht das geben kann, was sie bei einem Wechsel an Gemeinschaft verlieren würden. Aber eine so enge Bindung geht nicht jeder Spieler mit seinem Verein ein – so ist das im Leben. Also seht es einfach ein: Es gibt keine Amateurfußball-Romantik!

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Niklas Berkel

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