Für Neuzugänge müssen Vereine Ablösesummen hinblättern. Bei der ungewissen Zukunft, in der sich die Saison 2021/22 befindet, machen hohe Investitionen eigentlich weniger Sinn. © Jens Lukas
Amateurfußball

Kein Einsatz wegen Corona: Können Fußballklubs eine Ablösesumme für Neuzugänge zurückverlangen?

Wegen der Pandemie ist die Amateurfußballsaison erst unterbrochen und später annulliert worden. So manch ein Neuzugang hatte keinen Saisoneinsatz. Können Vereine Ablösesummen zurückverlangen?

Die Amateurfußball-Spielzeit in Westfalen ist annulliert. Diese Nachricht verkündete der Fußball- und Leichtathletikverband Westfalen (FLVW) in der vergangenen Woche. Die Vereine haben demnach Gewissheit und können sich auf die neue Saison vorbereiten. Doch auch wenn die Annullierung durch ist, gibt es aus Sicht der Klubs noch die eine oder andere offene Frage. Was passiert mit den gezahlten Ablösesummen für Wintertransfers? Die Spieler hatten bislang keine Möglichkeit, eine Partie für den neuen Klub zu bestreiten. Haben die Vereine daher ein Recht auf eine Rückzahlung? Wir haben beim FLVW nachgefragt.

Zur Veranschaulichung der Fragestellung skizzieren wir einmal einen kuriosen Fall aus Dortmund. Alexander Schlüter, in der Hinrunde 2020/21 noch für den DSC Wanne-Eickel aktiv, ist im Winter 2021 zum Ligakonkurrenten BSV Schüren gewechselt. Wegen der stetig hohen Inzidenzwerte fand seither aber kein Spielbetrieb statt, zuletzt ist die Saison dann annulliert worden. Kurios: Schon in diesem Sommer wird Schlüter schon wieder für einen neuen Klub auflaufen. Er wechselt vom BSV Schüren ohne Einsatz zum SV Schermbeck.

Ohne die genauen Details zwischen Wanne-Eickel, Schüren und Schermbeck zu kennen, stellt sich nun folgende Frage: Hätte Schüren Anspruch auf eine Entschädigungszahlung, weil Schlüter pandemiebedingt nicht spielen konnte? Das sagt der FLVW.

„Die Entschädigungsregelungen bei Vereinswechseln eines Amateurs sind in der Spielordnung des Westdeutschen Fußballverbandes in §§ 15 ff. festgelegt. Danach kann beim Vereinswechsel eines Amateurs die fehlende Zustimmung des abgebenden Vereins durch Zahlung einer in § 18 Abs.2 SPO/WDFV festgelegten Entschädigungszahlung durch den aufnehmenden Verein ersetzt werden“, schreibt der Verband auf Anfrage der Redaktion.

Noch aussagekräftiger wird aber folgende Formulierung des Verbandes: „Das Risiko, dass der wechselnde Spieler nach dem Vereinswechsel nicht beim aufnehmenden Verein spielen kann, trägt allein der aufnehmende Verein. Dies gilt auch dann, wenn der aufnehmende Verein die fehlende Einsatzmöglichkeit des Spielers (z.B. Krankheit) nicht zu vertreten hat. Diese Grundsätze gelten daher auch bei fehlender Einsatzmöglichkeit infolge pandemiebedingter Annullierung der Spielsaison“, heißt es vonseiten des Verbandes.

Konkret heißt das, der Verein hat keinen Anspruch auf Rückzahlung einer beim Vereinswechsel gezahlten Entschädigung laut Spielordnung.

Über den Autor
Sportredaktion Dortmund
Ist bereits seit Kindesbeinen an von Ballsportarten – insbesondere Fußball – fasziniert. Stets neugierig auf der Suche nach Geschichten, auch abseits des Ballsports. Die Liebe zum Journalismus entdeckte er über sein großes Hobby: Fotografie. Gebürtig aus Selm, mittlerweile in Lünen wohnhaft.
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