Kirchhörder Talent spielt sich in den Vordergrund: „Technik kann ich auch. Manchmal!“

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Trainer Dominik Grobe kann sich auf ein Talent verlassen. © Stephan Schuetze
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Ganz ohne Routine geht es nie. Das ist die landläufige Fußballermeinung, wenn sich in einer Mannschaft viele Talente tummeln. Wenn aber aus den Reihen der jungen Leute einer vorangeht, kann das nur noch besser sein.

Joshua Sulaimon (20) vom Kirchhörder SC ist ein solcher Spielertyp, der sich in der Zentrale für keinen Weg, für keinen Zweikampf zu schade ist, der mit seiner resoluten Spielweise seine Mitspieler mitreißt. Und der dabei noch ganz bescheiden ist: „Ich bin mehr Kämpfer. Technik kann ich auch. Manchmal!“

Während des Derbys gegen Westfalia Wickede (4:1) war es eher öfter denn manchmal. Nach der Balleroberung wollte er die Kugel schließlich auch gewinnbringend wieder loswerden – oder mit ihr am Gegner vorbei. Und das gelang ihm durchaus mit feinem Fuß. Aber er stellte klar: „Auf meine Laufarbeit und meinen Kampf kann ich mich immer verlassen.“ Das andere eben „manchmal“. Das heißt: auch sein Trainer Dominik Grobe darf auf den Youngster zählen – meistens. Einen schlechten Tag würde Grobe dem so offenen Talent bestimmt auch mal zugestehen.

Sulaimon hat es jedenfalls geschafft, nach dem Weggang von Leistungsträger Simon Rudnik noch einmal an Stellenwert gewonnen zu haben. Die Kollegen feierten den Gute-Laune-Menschen nach dem Derbysieg mit „Joshi, Joshi“-Sprechchören. Verdient waren sie allemal. Lächelnd bedankte er sich immer wieder.

Das Talent des Kirchhörder SC fordert mehr Geduld

Im Gespräch kommt durch, dass dieser sein Jungsein („gleich geht es mit den Jungs in die Stadt“) durchaus genießt. Ältere Spieler verbringen bekanntlich Freitagabende auch mal auf der Couch. Aber wenn er da mit seinem jugendlichen Elan so spricht, kommt auch eine beachtliche Reife durch. Dass ein 20-Jähriger sagt: „Wir brauchen einfach Geduld“, dann klingt das doch ziemlich erwachsen. Aber er hatte ja recht: „Wir haben uns in der ersten Hälfte nicht belohnt, danach umso mehr. Wenn wir geduldig weiterspielen, fallen die Tore von alleine.“

Am Ende, fügte er hinzu, sei seine Kirchhörder Mannschaft aber auch das cleverere Team gewesen. Da widerspricht ihm nach vier Treffern, die sich Routine und Talent teilten, wohl keiner. Routine war am Freitagabend der diesmal von der Bank kommende Kai Schürmann mit seinen zwei Toren, Talent kam auch vom Doppeltorschützen Vincent Vogel dazu. „Wir haben einen guten Kader. Da bringt es Vorteile, starke Spieler wie Kai und Vincent auch mal für die zweite Halbzeit in der Hinterhand zu haben“, begründete Grobe seine nur auf den ersten Blick überraschende Aufstellung.

Sulaimon aber durfte von Beginn an ran, erlebte starke 20 Auftaktminuten, in denen sein KSC sich in der Tat nicht belohnte, weil David Dapes und Maher Alnames den Ball nicht versenkten. Danach meldete sich die noch punktlose Westfalia im Derby mit zwei Großchancen an. Sulaimon musste schon enorm ackern, um zu verhindern, dass die Gäste deutlicher im Mittelfeld die Oberhand gewannen.

Nach der Pause aber nahm Kirchhörde das Derby wieder an und damit in seine Hände. „Derbys entscheiden sich meistens über den Kampf. Und den haben wir dann auch wieder angenommen“, erläuterte Sulaimon.

Am Ende feierten alle Kirchhörder im Kreis gemeinsam den Derbysieg, der laut Grobe ein Sieg des Willens war. Sulaimon durfte sich mit seinen Jungs in die Stadt verabschieden. Gut angefangen hatte der Abend für ihn ja schon: „Ein Derbysieg am Freitagabend tut richtig gut.“ Und wenn sich alle am Dienstag zum Training wiedersehen und die Vorbereitung auf das Spiel beim Spitzenteam Westfalia Langenbochum beginnt, dürften Sulaimon und Co. ein deutlich besseres Gefühl haben als zuletzt, nicht nur, weil der KSC die Abstiegsränge verlassen hat: „So ein Erlebnis pusht uns für die kommenden Wochen“, glaubt der routinierte Youngster, was im Falle der Kirchhörder Nummer 19 kein Widerspruch ist.

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Aber in diesem Moment wollte und durfte er doch wieder mit seinen Jungs jung sein: „Wir lassen es heute Abend krachen. Mal sehen, was die Nacht noch bringt.“ Wenn ein so offener, freundlicher junger Mann, der so viele Facetten hat, da er auf dem Platz auch gerne kämpft und läuft, mal richtig Party machen will, gönnt ihm das wohl jeder. Weitere „Joshi, Joshi“-Rufe dürften ihn in seinem Plan bestärkt haben.

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